"Alkohol - Der globale Rausch": Welche Folgen "die gefährlichste Droge der Welt" für uns alle hat

Deutschland - Ganz wichtiger Film! Die Kino-Doku "Alkohol - Der globale Rausch" verdeutlicht die Macht der Industrie und erklärt, mit welchen Mitteln sie die Menschen auf der ganzen Welt manipuliert.

Party machen: Diese jungen Frauen denken sich - wie so viele andere Menschen weltweit - nichts dabei, sich mit alkoholischen Getränken abzuschießen.
Party machen: Diese jungen Frauen denken sich - wie so viele andere Menschen weltweit - nichts dabei, sich mit alkoholischen Getränken abzuschießen.  © PR/© Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramo

Das erste Indiz: Alkohol gehört für die meisten Menschen einfach zum Leben dazu. Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilmer Andreas Pichler ("Das System Milch") begibt sich auf seine Spur und entlarvt dabei die weltweiten Zusammenhänge auf beeindruckende Art und Weise.

Er stellt sich und dem Publikum nämlich große Fragen (und beantwortet diese): Warum ist es so schwer, nichts oder weniger zu trinken? Welche Rolle spielen die Industrie und die Gesellschaft? Was wissen wir überhaupt über Alkohol?

Nun, beispielsweise, dass in Europa seit drei Jahrzehnten weniger getrunken wird, weltweit aber immer mehr. Es gibt insgesamt 140 Millionen Süchtige und jedes Jahr drei Millionen Tote auf dem ganzen Globus. Das sind mehr, als durch Verbrechen, Verkehrsunfälle und illegale Drogen zusammen!

Trotz dieser erschreckenden Zahlen ist Alkohol weiterhin nicht nur von Großteilen der Gesellschaft akzeptiert, sondern als Genussmittel angesehen und deshalb auch finanziell erfolgreich.

Die Gefahren werden dabei oft komplett ausgeblendet. Alkohol ist nämlich eine "clevere Droge", die überall mitmischt und alle 200 Milliarden Neuronen im Gehirn beeinflusst. Seine Wirkung ist also weitreichend, wie der Pharmakologe David Nutt erklärt.

"Europaweit ist Alkohol die gefährlichste Droge"!

Der britische Drogenexperte, Psychiater und Psychopharmakologe, David Nutt, hat nachgewiesen, dass Alkohol die gefährlichste Droge der Welt ist.
Der britische Drogenexperte, Psychiater und Psychopharmakologe, David Nutt, hat nachgewiesen, dass Alkohol die gefährlichste Droge der Welt ist.  © PR/© Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramo

Der Drogenexperte fing im Jahr 2000 an, die britische Regierung in dieser Hinsicht zu beraten und musste entsetzt feststellen, dass es überhaupt keine Definition davon gab, was eine Droge ist.

Auch ein Grund, warum Alkohol nie als solche bezeichnet-, sondern viel zu oft als Genussmittel wahrgenommen wurde und wird. Die Zuordnung machen nämlich nicht Pharmakologen, sondern Politiker, von denen viele durch Lobbyisten der mächtigen Alkoholindustrie "permanent beeinflusst" werden.

Kein Wunder, ist doch beispielsweise der Wein-Sektor einer der wichtigsten Agrar-Märkte der Europäischen Union, der 2017 im Wert von 11,3 Milliarden Euro exportiert wurde.

Nutt wurde übrigens von seinem Job entbunden, nachdem er in mehreren groß angelegten Studien aufzeigte, dass Alkohol nicht nur in England, sondern in ganz Europa die gefährlichste Droge sei.

Warum? "Die Schäden, die die gesamte Gesellschaft durch Alkohol erleidet, sind - verglichen mit jeder anderen Droge - massiv", so Nutt.

"Alkohol verursacht Verkehrsunfälle, häusliche Gewalt, Kindesmissbrauch und gewaltige Kosten für das Gesundheitssystem und das Polizeiwesen", erklärt der Experte weiter.

"Alkohol - Der globale Rausch" ist eine hintergründige Dokumentation, die man nicht verpassen sollte

Alkohol ist ein Multi-Milliardengeschäft geworden. Täglich setzt die Industrie drei Milliarden Euro um. Tendenz steigend.
Alkohol ist ein Multi-Milliardengeschäft geworden. Täglich setzt die Industrie drei Milliarden Euro um. Tendenz steigend.  © PR/© Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramo

Doch durch das politische und wirtschaftliche System wird Alkohol nicht nur toleriert, sondern ist trotz seiner vielen Gefahren in der Mitte der Gesellschaft etabliert, was natürlich auch an der ständigen Verfügbarkeit, seinem Ruf und der überall zu sehenden Werbung liegt.

In Island, wohin Pichler mit seiner Crew ebenfalls reiste, ist das hingegen anders. Hier hält man sich an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Die Preise wurden erhöht, die Werbung und Verfügbarkeit reguliert, wodurch deutlich weniger Menschen Alkohol konsumieren. Dazu wurden und werden viele vorbeugende Maßnahmen getroffen.

All diese einleuchtenden und verständlich aneinander geschnittenen Zusammenhänge und Aussagen sorgen dafür, dass man den 89 Minuten langen Film gebannt verfolgt.

Denn Pichler gelingt es, ein bedeutungsvolles Werk zu erschaffen, das einem die Augen öffnet, deshalb viele Fragen aufwirft und zur Diskussion anregt.

Dazu lässt der Macher in den sehr guten Interviews nicht nur Experten, sondern auch (ehemalige) Barbetreiber, langjährige Alkoholabhängige, Politiker, Ärzte und viele mehr zu Wort kommen, weshalb sich am Ende ein umfassendes und schlüssiges Gesamtbild ergibt.

Außerdem deckt er die Methoden der Industrie geschickt auf, weshalb "Alkohol - Der globale Rausch" eine großartige Dokumentation geworden ist, die sich aufgrund ihrer hintergründigen Machart eine unbedingte Film-Empfehlung verdient hat.

"Alkohol - Der globale Rausch" ist eine brisante und extrem wichtige Dokumentation geworden.
"Alkohol - Der globale Rausch" ist eine brisante und extrem wichtige Dokumentation geworden.  © PR/© Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramo

Titelfoto: PR/© Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramo

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