Wie teuer werden Bier und Schnaps? Drogenbeauftragte fordert Preisanhebung

Berlin - Die CSU-Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (62), hat nach der Veröffentlichung einer neuen Studie höhere Preise für Bier und Schnaps in Deutschland gefordert.

Die Bundesbeauftragte Marlene Mortler (62, CSU) kritisiert die Alkoholpreise in Deutschland.
Die Bundesbeauftragte Marlene Mortler (62, CSU) kritisiert die Alkoholpreise in Deutschland.  © DPA (Bildmontage)

"Wir sollten darüber sprechen, ob Preise von weniger als 20 Cent für einen halben Liter Bier oder weniger als vier Euro für Spirituosen sein müssen", mahnte die CSU-Politikerin gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Das "Jahrbuch Sucht" stellt jedes Jahr Statistiken zu legalen und illegalen Drogen in Deutschland zusammen und ergänzt sie mit eigenen Daten zur Suchthilfe.

Alarmierend: Jeder Bundesbürger über 15 Jahre konsumierte im Schnitt rund 10,7 Liter reinen Alkohol pro Jahr – das entspricht einem gefüllten Eimer.

Diese neuen Berechnungen beziehen sich laut Jahrbuch auf die jüngsten Zahlen für das Jahr 2015. Auch im internationalen Vergleich sei das ein sehr hoher Wert, sagte Ulrich John, Leiter des Instituts für Sozialmedizin an der Universität Greifswald, am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahrbuchs in Berlin. Beim Thema Alkohol sei Deutschland ein Hochkonsumland.

Traurig: Als Folge des exzessiven Konsums werden in Deutschland jährlich rund 10.000 alkoholgeschädigte Kinder geboren.

Etwa 2,65 Millionen Kinder wachsen in Deutschland mit alkoholkranken Eltern auf. Und acht Millionen Angehörige leiden an der Alkoholsucht eines Familienmitglieds mit. Sei es durch Schamgefühle, Zukunftsängste und im Extremfall durch Gewaltausbrüche bis hin zu sexuellem Missbrauch.

"Wenn wir das ändern wollen, müssen wir mehr gegen die Omnipräsenz von Alkohol unternehmen", forderte Mortler in der Passauer Neuen Presse. "Permanentes Angebot schafft einfach Nachfrage. Ob an der Tankstelle, bei Familienfeiern oder auf Werbeplakaten", so die Drogenbeauftragte weiter.

Noch einen Schritt weiter geht Raphael Gaßmann, Chef der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen: Er forderte ein Werbeverbot für Alkohol und Zigaretten sowie eine vereinheitlichte höhere Steuer auf alle Alkoholika – gestaffelt nach dem Alkoholgehalt.

Außerdem macht er sich für ein generelles Verkaufsverbot für Alkohol an Minderjährige stark. Dass Wein und Bier in Deutschland ab 16 Jahren zu haben seien, wertete er als "absurd".

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