Kampf gegen's Cornern: Kommt jetzt das Verkaufsverbot für Alkohol?

Hamburg - Spießig oder sinnvoll? SPD und Grüne wollen das "Cornern" in Hamburg verbieten.

Alkohol soll es zukünftig nicht mehr 24 Stunden am Tag zu kaufen geben, wenn die Pläne von SPD und Grünen durchgehen.
Alkohol soll es zukünftig nicht mehr 24 Stunden am Tag zu kaufen geben, wenn die Pläne von SPD und Grünen durchgehen.

Die Bewohner von Hamburgs Szenevierteln sind schon lange genervt, den Gastronomen ist das sogenannte "Cornern" ein Dorn im Auge. Deshalb machen SPD und Grüne jetzt Ernst und wollen Trinkgelagen auf Straßen und Plätzen mit Billigalkohol vom Kiosk einen Riegel vorschieben.

In einem Beschlussantrag für die Bürgerschaft wird der Senat aufgefordert, im Rahmen einer Studie bis zum Sommer Möglichkeiten einer "praktikablen, rechtssicheren Lösung des Problems" vorzulegen.

In dem Antrag wird dabei als Möglichkeit der "Erlass einer landesrechtlichen Regelung, mit der an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten der Außer-Haus-Verkauf von alkoholischen Getränken im Falle einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung eingeschränkt werden kann", genannt.

"Hamburg ist eine Stadt, in der ausgiebig gefeiert werden kann und soll", sagte der Innenexperte der SPD-Fraktion, Sören Schumacher.

Das Cornern ist in den Hamburger Szenevierteln besonders beliebt.
Das Cornern ist in den Hamburger Szenevierteln besonders beliebt.  © dpa/Henrik Josef Boerger

Trotzdem müssten Stadtteile wie St. Pauli, Altona, das Schanzenviertel und St. Georg für die Anwohner "lebens- und liebenswert bleiben". Zahlreiche Anwohner und Gastronomen hatten sich genervt beschwert und die Politik zum Handeln aufgefordert.

An Brennpunkten wie der Reeperbahn und dem Hansaplatz in St. Georg fungierten inzwischen Dutzende Kioske nicht mehr zur Versorgung der Nachbarschaft mit Kleinigkeiten, sondern nur "als Quelle für billigen Alkohol", wird in dem Antrag konstatiert. Beim "Cornern" würden Hauseingänge "als Sitzplätze benutzt und verdreckt". Alkoholtypische Folge sei eine zunehmende Zahl an "Körperverletzungen, Raubstraftaten, sexuellen Übergriffen, Widerstandshandlungen bei polizeilichem Einschreiten, Pöbeleien und anderen Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung".

Es gehe deshalb darum, "dem rund-um-die-Uhr-Verkauf von Billigalkohol gerade durch Kioske in den Szenestadtteilen einen Riegel vorzusetzen", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Farid Müller. Zugleich verwies er auf die komplizierte Gesetzeslage. "Deswegen wird jetzt ein Gutachten für alle betroffenen Orte erstellt, um zu prüfen, ob und wie ein zeitlich begrenztes Alkoholverkaufsverbot hilft." Die prekäre Lage in St. Georg, St. Pauli und in der Schanze sei ihm bewusst. "Wir arbeiten mit Hochdruck bis zum Sommer an den Lösungen."

Geprüft werden soll dem Antrag zufolge auch, "welche der bisher genutzten Möglichkeiten der Straßensozialarbeit und andere nicht ordnungspolitischen Ansätze geeignet sind, das Verhalten von Gruppen mit problematischem Trinkverhalten zu begleiten und positiv zu beeinflussen".

Titelfoto: dpa/Axel Heimken, 123RF/mallinka


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