Knochenjob! In "Alles außer gewöhnlich" werden Betreuern Steine in den Weg gelegt

Deutschland - Bewegender Feelgood-Film! "Alles außer gewöhnlich" vom Erfolgsduo Olivier Nakache und Eric Toldedano ("Ziemlich beste Freunde") startet am 5. Dezember in den deutschen Kinos und ist ein hochaktueller Film geworden.

Malik (l., Reda Kateb) kümmert sich mit großem Einsatz und Eifer um beeinträchtige Kinder und Jugendliche.
Malik (l., Reda Kateb) kümmert sich mit großem Einsatz und Eifer um beeinträchtige Kinder und Jugendliche.  © PR/Carole Bethuel

Zu Beginn rennt ein Mädchen durch eine Fußgängerzone. Sie wird verfolgt. Was anfangs wie eine Szene aus einem Thriller wirkt, stellt sich schnell als etwas ganz anderes heraus.

Denn Emilie (Suzanne-Marie Gabriell) ist autistisch und in so einer gewaltigen Menschenmasse völlig überfordert. Ihre Betreuer Bruno (Vincent Cassel) und Malik (Reda Kateb) holen sie aber ein und schaffen es, sie wieder zu beruhigen.

Die beiden haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Menschen mit Behinderungen zu helfen und irgendwie eine Lösung für diejenigen zu finden, die sonst überall abgelehnt werden.

Wie etwa Joseph (Benjamin Lesieur), der mittlerweile zwar schon alleine U-Bahn fahren kann, aber immer die Notbremse zieht, weshalb Bruno jedes Mal herbeieilen muss, um ihn aus dem Polizeigewahrsam herauszuquatschen.

Und nicht nur mit solchen alltäglichen Problemen müssen die Betreuer klar kommen.

Es steht auch eine umfassende Kontrolle des Gesundheitsamtes an, das Bruno schon lange im Visier hat, weil der ohne Lizenz arbeitet, viele Kinder aufnimmt oder anderswo unterbringt, junge Menschen von der Straße einstellt, um ihnen eine Chance zu geben und deshalb viel Geld ausgibt...

"Alles außer gewöhnlich" ist ein Film mit dem Herz am rechten Fleck

Der Betreuerstab ist groß.
Der Betreuerstab ist groß.  © PR/Carole Bethuel

Diese wichtige und hochaktuelle Geschichte haben Nakache und Toledano großartig umgesetzt. Ihnen ist mit "Alles außer gewöhnlich" ihr bester Film seit ihrem zeitlosen Meisterwerk "Ziemlich beste Freunde" gelungen.

Denn ihr neustes Drama lag den Machern erkennbar am Herz. Die Inszenierung und Gestaltung ist liebevoll, weshalb auch das Drama das Herz am rechten Fleck hat.

Dazu wird viel Wert auf eine glaubwürdige Story, ein akkurates Drehbuch und authentische Dialoge gelegt. Zwar sind letztere in der deutschen Fassung nicht ganz so überzeugend geraten, dennoch sind die Schwerpunkte auch in dieser Version offensichtlich.

Die jungen Betreuer kommen oftmals von der Straße und sprechen zwar die Jugend- und Ghettosprache fließend, normales Französisch allerdings nicht. Doch sie alle kümmern sich auf ihre ganz eigene Art und Weise mit Sorgfalt, Humor und großer Menschlichkeit um die beeinträchtigten Personen und helfen diesen damit oft entscheidend weiter.

Auch von diesem Kernaspekt abgesehen werden viele universelle Probleme hintergründig besprochen und behandelt, was dem Film Tiefe verleiht und es dem Publikum ermöglicht, mit den Figuren mitzufiebern.

Vincent Cassel zeigt in "Alles außer gewöhnlich" mal eine ganz andere Seite von sich

Valentin (Marco Locatelli) leidet an einer schweren Form des Autismus. Er verletzt sich immer wieder selbst, weshalb fast jede Pflegeeinrichtung mit ihm überfordert war. An der frischen Luft blüht er auf.
Valentin (Marco Locatelli) leidet an einer schweren Form des Autismus. Er verletzt sich immer wieder selbst, weshalb fast jede Pflegeeinrichtung mit ihm überfordert war. An der frischen Luft blüht er auf.  © PR/Carole Bethuel

Das liegt natürlich auch am klugen Casting. Gerade Cassel ("Jason Bourne", "Tödliche Versprechen - Eastern Promises", "Die purpurnen Flüsse") zeigt hier mal eine andere Seite von sich.

Spielt der französische Superstar sonst vor allem extrovertierte und fiese Figuren, darf er hier mal einen vielschichtigen, sympathischen und subtileren Charakter verkörpern, tut dies erstklassig und strahlt große Präsenz und Ruhe aus.

An seiner Seite überzeugen auch die vielen anderen Darsteller. Dazu kommen eine dem Geschehen angemessene, dynamische Kameraführung, schöne Locations, sich nahtlos einfügende Kostüme und ein mitreißender Schnitt, durch den die 111 Minuten schnell vergehen.

Letzteres liegt auch am ausgewogenen Erzähltempo und der gut konzipierten Spannungskurve, durch die der Unterhaltungswert hoch ist. Außerdem spielt das exzellente Timing bei den Gags eine entscheidende Rolle für das Gelingen des Dramas.

Zu guter Letzt sind die Themen rund um eine soziale Gesellschaft, die Macht eines jeden einzelnen, die Welt etwas gerechter zu machen, Freundschaft und Zusammenhalt so gut und detailliert herausgearbeitet, dass man eine emotionale Achterbahnfahrt erlebt.

Deshalb ist "Alles außer gewöhnlich" ein außergewöhnlich starker französischer Feelgood-Film geworden, dessen Mischung aus humorvollen und ernsten Szenen überzeugt. Er behandelt wichtige Themen und versprüht zeitgleich eine angenehme Leichtigkeit, was ihn zum besten Werk des Erfolgsduos Nakache und Toledano seit "Ziemlich beste Freunde" macht.

Bruno (r., Vincent Cassel) setzt sich für seine Kinder und Jugendlichen ein. Joseph (Benjamin Lesieur) verschafft er sogar einen Job.
Bruno (r., Vincent Cassel) setzt sich für seine Kinder und Jugendlichen ein. Joseph (Benjamin Lesieur) verschafft er sogar einen Job.  © PR/Carole Bethuel

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