Als Hitler das rosa Kaninchen stahl: "Deutsche von allen guten Geistern verlassen"!

Deutschland - Brisante Bestseller-Verfilmung! Das deutsche Drama "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" von "Oscar"-Preisträgerin Caroline Link ("Jenseits von Afrika") läuft am 25. Dezember in den deutschen Kinos an und zeigt die Flüchtlingsthematik mal von einer ganz anderen Seite.

Anna Kemper (Riva Krymalowski) muss ihr geliebtes rosa Kaninchen-Kuescheltier zurücklassen. Die Nazis beschlagnahmen es später mit vielen anderen Sachen.
Anna Kemper (Riva Krymalowski) muss ihr geliebtes rosa Kaninchen-Kuescheltier zurücklassen. Die Nazis beschlagnahmen es später mit vielen anderen Sachen.  © PR/Frédéric Batier/Sommerhaus/Warner

Im Februar 1933 zeichnet sich ein politischer Wandel in Deutschland ab. Die Nazis diffamieren Juden immer offener. Das aufgeweckte Mädchen Anna Kemper (Riva Krymalowski), selbst Jüdin, versteht nicht, warum sie als geborene Deutsche anders sein soll. Denn Argumente gibt es dafür keine.

Dennoch muss ihr älterer Bruder Max (Marinus Hohmann) sie gegen einige Jung-Nazis verteidigen.

Zu Hause suchen die beiden Rat bei ihrer Haushälterin Heimpi (Ursula Werner) und ihrer Mutter Dorothea (Carla Juri), die ihnen erklärt, dass sie extrem vorsichtig sein müssen.

Bald spitzt sich die Lage zu, weshalb sie niemandem verraten dürfen, dass ihr Vater Arthur (Oliver Masucci) nach Zürich geflohen ist, um den Nazis zu entkommen. Denn er ist ein scharfer Kritiker von Adolf Hitler und der NSDAP und sagt kopfschüttelnd: "Die Deutschen sind von allen guten Geistern verlassen."

Da unklar ist, wie die anstehenden Wahlen ausgehen, reist Arthur lieber vorher ab. Bald bleibt auch der Familie nichts anderes übrig. Nach der Machtergreifung Hitlers leben sie als Flüchtlinge im Ausland, immer in der Angst, dass die Nazis sie doch noch irgendwann schnappen könnten.

Dazu haben die einst wohlhabenden Kempers mittlerweile große Geldprobleme und müssen deshalb mehrfach umziehen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Obwohl die Zeiten hart sind, geben sie nicht auf und stemmen sich mit Freundlichkeit gegen die vielen schrecklichen Vorurteile, die ihnen entgegenschlagen…

"Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" ist ein Kinofilm mit Stärken und Schwächen

Zuerst machen sich die Kempers auf den Weg in die Schweiz. Nach einem Aufenthalt in Zürich zieht es sie aufs Land.
Zuerst machen sich die Kempers auf den Weg in die Schweiz. Nach einem Aufenthalt in Zürich zieht es sie aufs Land.  © PR/Frédéric Batier/Sommerhaus/Warner

Dieses Drama hat Link gut umgesetzt. Der "Oscar"-Siegerin von 2003 ist auf jeden Fall ein besserer Film gelungen, als noch vor einem Jahr mit ihrem lauwarmen Publikumshit "Der Junge muss an die frische Luft" (>>TAG24-Kritik)

Denn die kraftvolle Geschichte steckt voller wichtiger Botschaften rund um die universellen Themen Familie, Identität, Heimat, Freundschaft, Liebe, aber auch Hass.

So gibt es einige großartige Momente, in denen das Drama begeistern und sein erkennbar herausragendes Potenzial entfalten kann.

An anderen Stellen trägt Link allerdings viel zu dick auf und bremst den Erzählfluss damit immer wieder unnötig aus.

Gerade einige Familienszenen der Kempers wirken arg gekünstelt, verkrampft und erzwungen, weshalb ihnen die Glaubwürdigkeit fehlt. Gerade in diesen Sequenzen werden auch immer wieder ausgelutschte Klischees bedient. Darunter hat der Film immer wieder zu leiden.

Deshalb ist auch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" leider ein unausgewogenes Werk geworden. Besonders bitter: Bei einer subtileren, komprimierten Storyführung wäre viel mehr möglich gewesen.

"Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" wartet mit einem illustren Cast um Oliver Masucci auf

Julius (l., Justus von Dohnányi) und Arthur Kemper (Oliver Masucci) besprechen die schwere Lage vor den malerischen Schweizer Berglandschaften.
Julius (l., Justus von Dohnányi) und Arthur Kemper (Oliver Masucci) besprechen die schwere Lage vor den malerischen Schweizer Berglandschaften.  © PR/Frédéric Batier/Sommerhaus/Warner

Das deutet auch das gut aufspielende Ensemble an. Gerade die junge Krymalowski spielt sich in den Vordergrund und fungiert als emotionaler und erdender Ankerpunkt für die Zuschauer.

Durch ihre natürliche Spielweise wirkt sie authentisch, humorvoll und lebhaft, weshalb sie viel Identifikationspotenzial bietet.

Dabei profitiert sie immer wieder von den erfahrenen Masucci ("Er ist wieder da") und Juri ("Feuchtgebiete"), die ihr die Bälle gekonnt zuspielen.

Auch Werner ("Der Junge muss an die frische Luft") und Justus von Dohnanyi ("Männerherzen") zeigen hintergründige Leistungen.

Deshalb gibt es immer wieder bewegende Augenblicke, in denen aufgezeigt wird, wie schrecklich die Umstände sein müssen, damit man nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach aus purer Verzweiflung mit seiner Familie flieht und rastlos durch mehrere Länder zieht.

Die Kempers müssen neue Sprachen und Kulturen kennenlernen, sich also immer wieder von neuem akklimatisieren, um in der Schule hinterherzukommen oder eine Arbeit zu finden, die der Familie genügend Geld zum Leben einbringt.

"Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" vermittelt wertvolle Botschaften

Dorothea (Carla Juri) steht ihrem Mann bei.
Dorothea (Carla Juri) steht ihrem Mann bei.  © PR/Frédéric Batier/Sommerhaus/Warner

Diese nahe gehenden Sequenzen sind großes Kino. Denn hier zeigt Link, was sie für Fähigkeiten als Filmschaffende hat.

Mit tiefschürfenden und ausgefeilten Dialogen bringt sie dem Publikum wertvolle moralische Botschaften voller Menschlichkeit und Sachverstand mit auf den Weg und erfüllt damit den Bildungsauftrag, den das Drama hat.

In diesen Phasen hängt man gebannt an den Lippen der Schauspieler, die viel zum Gelingen solch nachhallender Sequenzen beitragen.

Ohnehin stimmt die Atmosphäre, weil der Film von Anfang an über eine Grundspannung verfügt, durch die man die knapp zwei Stunden trotz kleinerer Längen interessiert verfolgt.

Dazu trägt auch der visuelle Abwechslungsreichtum bei. Die wunderschönen Landschaftsaufnahmen bleiben dank der hervorragenden Kameraführung nachhaltig im Gedächtnis. Gerade die Schweizer Berge sind atemberaubend gut in Szene gesetzt. Zudem sind auch die zeitversetzenden Kostüme und die gute Ausstattung weitere Stärken.

Deshalb ist "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" ein guter, aber nicht überragender Film geworden. Link trägt stellenweise zu dick auf, bedient unnötigerweise Klischees und bremst somit den Erzählfluss und die kraftvolle und wichtige Geschichte immer wieder aus. Dafür überzeugen einzelne Szenen, in denen das gesamte Potenzial deutlich wird. Deshalb ist das Drama mit Abstrichen sehenswert.

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