Einfach "liquidiert": Hier ist ein Wahllokal am Sonntag dicht

Der Infokasten leer, die Feuerwehr gibt es nicht mehr: Roland Schickel (72) 
vorm sanierungsbedürftigen Wahllokal in Hirschsprung, das am Sonntag geschlossen 
bleibt.
Der Infokasten leer, die Feuerwehr gibt es nicht mehr: Roland Schickel (72) vorm sanierungsbedürftigen Wahllokal in Hirschsprung, das am Sonntag geschlossen bleibt.  © Christian Juppe

Altenberg - Das beschauliche Hirschsprung in Altenberg: Schon immer gab es in dem kleinen Ortsteil ein eigenes Wahllokal. Doch nun wurde es von der Stadtverwaltung „liquidiert“ - mit dubioser Begründung.

In Hirschsprung gibt es weder Bäcker noch Linienbus, dafür wenigstens ein Feuerwehrgerätehaus, wo die Einheimischen immer wählen konnten - bis jetzt!

Denn Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) sind 93 Wahlberechtigte in Hirschsprung zu wenig. „Das dortige Wahllokal wurde in diesem Jahr aus datenschutzrechtlichen Gründen liquidiert“, verkündete die Stadtverwaltung im Amtsblatt.

Und weiter: „Das Wahlgeheimnis ist nur dann gewahrt, wenn mehr als 50 Stimmen abgegeben werden.“

Sachsens Vize-Landeswahlleiter Robert Kluger dazu: „Diese Aussage kann ich so nicht bestätigen.“ Und: „Bei rund 100 Wahlberechtigten ist eine Verletzung des Wahlgeheimnisses nach unserer Auffassung nicht zu befürchten.“

Verkündete in seinem Amtsblatt die Liquidierung des Wahllokals in 
Hirschsprung: Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (63, Freie Wähler).
Verkündete in seinem Amtsblatt die Liquidierung des Wahllokals in Hirschsprung: Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (63, Freie Wähler).  © Egberth Kamprath

Was man mittlerweile wohl auch im Rathaus Altenberg bemerkt hat. Sprecherin Theresia Grasse rudert zurück: „Aufwand und Nutzen stehen einfach in keinem Verhältnis mehr.“

Die Einwohner von Hirschsprung vermuten andere Schließungsgründe: „Das Wahllokal gehört der Stadt, ist in desolatem Zustand. Es ist feucht, mieft, müsste dringend saniert werden“, sagt Roland Schickel (72), zuletzt selbst als Wahlhelfer tätig.

Jetzt müsse man ins drei Kilometer entfernte Wahllokal nach Altenberg reisen. Immerhin bietet die Stadt Sonntag Shuttle-Busse (10 und 14 Uhr).

„Aber aus Protest gegen die Schließung gehen wir zum ersten Mal nicht zur Wahl“, ärgert sich Monika Krönert (73). Der frühere Gemeinde- und Stadtrat Dieter Böttrich (84): „Die Schließung zeigt, dass die Bürgernähe verloren gegangen ist.“

Übrigens: In Lampertswalde (Kreis Meißen) wird ein Wahllokal mit nur 67 Wahlberechtigten betrieben ...


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