Gewerkschaften schlagen Alarm: So vielen Dresdnern droht Altersarmut

Dresden - Ein Leben lang gearbeitet und doch kaum Geld im Alter? Das droht jetzt immer mehr Dresdnern, warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Eine neue Rentenprognose habe ergeben, dass mehr als jedem vierten Arbeitnehmer in Dresden die Altersarmut droht - mehr als bislang angenommen.

Mindestens 748 Euro Rente braucht ein Senior in Dresden zur Sicherung seines Lebensunterhalts.
Mindestens 748 Euro Rente braucht ein Senior in Dresden zur Sicherung seines Lebensunterhalts.  © imago/Joko

Demnach würden rund 79.000 Arbeitnehmer, die in der Stadt beschäftigt sind, nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung beziehen. Diese liegt in Dresden unter Berücksichtigung der Wohnkosten bei aktuell 748 Euro im Monat.

Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) würde also weniger Rente erhalten, könnte nicht mehr davon Leben. Die Folge: Der Gang zum Sozialamt, um "Alters-Hartz-IV" (Grundsicherung) zu beantragen.

"Das sind einige Tausend Betroffene mehr als bislang bekannt", so NGG-Regionalgeschäftsführer Volkmar Heinrich (60). Der Dresdner Anteil sei damit so hoch wie im ganzen Freistaat, wo 480 000 Arbeitnehmer bedroht seien.

Die alarmierenden Zahlen beruhen auf einer bundesweiten Analyse des privaten Pestel-Instituts in Hannover (15 Mitarbeiter) im Auftrag der NGG.

NGG-Regionalgeschäftsführer Volkmar Heinrich (60) befürchtet, dass immer mehr Dresdner ins "Alters-Hartz-IV" abrutschen.
NGG-Regionalgeschäftsführer Volkmar Heinrich (60) befürchtet, dass immer mehr Dresdner ins "Alters-Hartz-IV" abrutschen.  © Thomas Türpe

In der Pflicht sieht Gewerkschafter Heinrich vor allem die Arbeitgeber: "Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden. Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie Vollzeitstellen schaffen und nach Tarif zahlen."

Axel Klein (49), Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) in Dresden, widerspricht: "Gerade das Restaurant-Sterben auf dem Land zeigt, dass es diesen Spielraum nicht gibt, die Geschäfte keine üppigen Gewinne abwerfen." Zudem seien die Gehälter in den vergangenen Jahren gestiegen.

Arbeitsminister Martin Dulig (44, SPD) zu den Löhnen: „Gerade im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes sehe ich da an vielen Stellen Nachbesserungsbedarf. Am besten ist ein guter Tarifvertrag, der steht für Sicherheit und Verlässlichkeit, wovon Beschäftigte und Arbeitgeber profitieren."

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Laut Analyse werden 79 000 Dresdner Arbeitnehmer später nicht von ihrer Rente leben können.
Laut Analyse werden 79 000 Dresdner Arbeitnehmer später nicht von ihrer Rente leben können.  © Imago/photo2000
Mit steigender Altersarmut werden auch die Tafeln mehr Zulauf erhalten.
Mit steigender Altersarmut werden auch die Tafeln mehr Zulauf erhalten.  © ddp

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