Greenpeace erhebt schwere Vorwürfe gegen Amazon: Millionen Artikel werden vernichtet!

Hamburg/Winsen/Berlin - Was passiert eigentlich mit zurückgeschickter oder nicht verkaufter Ware? Ganz einfach: Sie landet auf dem Müll und wird vernichtet!

Die zurückgesendete Ware wird in großen Pappkartons sortiert.
Die zurückgesendete Ware wird in großen Pappkartons sortiert.  © Greenpeace

Laut Greenpeace geschieht dies jede Woche in Winsen an der Luhe. Alleine Amazon schickt jede Woche eine komplette Lkw-Ladung originalverpackter und neuwertiger Ware in die niedersächsische Provinz zur Verschrottung, teilte die Umweltschutz-Organisation mit.

"Es darf nicht sein, dass der Platz im Regal für den Online-Händler anscheinend wertvoller ist als das Produkt, das drin liegt", sagte Viola Wohlgemuth, Konsum-Expertin von Greenpeace.

"Eine solche Verschwendung ist ein Klimaverbrechen, das wir uns in Zeiten der Klimakrise nicht mehr leisten können."

Laut Greenpeace-Recherchen soll es sich es dabei deutschlandweit um Millionen von Artikeln handeln, die Amazon regelmäßig zerschrottet, um die Kosten für Lager oder Rücksendung zu vermeiden. Die Ware stammt aus Lagerbeständen von Drittanbietern.

Eine Studie der Universität Bamberg belegt die Vermutung. Aus ihr geht hervor, dass im vergangenen Jahr in Deutschland fast 20 Millionen zurückgeschickter Artikel auf dem Müll landeten, obwohl sie funktionsfähig waren. Dies bestätigte am Freitag auch ein Sprecher von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Das entspreche rund vier Prozent der Retouren.

Bundesregierung plant Obhutspflicht

Die Ware ist noch originalverpackt.
Die Ware ist noch originalverpackt.  © Greenpeace

Mittlerweile hat sich sogar die Bundesregierung eingeschaltet und arbeitet an einer sogenannten Obhutspflicht für den Umgang mit Retouren und nicht verkaufter Ware. Sie besagt, dass Händler dazu angehalten sind, die Produktion stärker an der Nachfrage zu orientieren. Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte, man sei in guten Gesprächen.

Transport und Aufbewahrung neuer Waren soll demnach so gestaltet werden, dass die Produkte länger nutzbar bleiben. Vernichtung solle zum letzten Mittel werden. Zudem sollten Händler zu mehr Transparenz gezwungen werden, was die Vernichtung von unbenutzter Ware angehe.

Amazon erklärte, dass die Menge der von ihnen entsorgten Produkte extrem klein sei und meist würden Artikel nur aus hygienischen Gründen oder aufgrund von Beschädigungen vernichtet werden.

Bei anderen Dienstleistern wie Zalando liegt der Wert an vernichteter Ware nach eigenen Angaben bei 0.05 Prozent, Otto spricht von einem Anteil im "Promillebereich".

Greenpeace fordert die Unternehmen, insbesondere Amazon, nun auf, die Vernichtung der Neuwaren umgehend einzustellen und fordert die Politik dazu auf, das Spenden der Ware steuerlich zu begünstigen. Bislang fällt bei einer Spende solcher Artikel die Mehrwertsteuer an, was den Anreiz der Vernichtung bestärkt.

Grüne und FDP kritisieren Umweltministerin

In der Politik stößt die geplante Obhutspflicht der Bundesregierung auf wenig Zustimmung. "Die neue Initiative zeigt, dass Umweltministerin Schulze mehr von den Medien und dem Wunsch nach Anerkennung getrieben ist als von fachlicher Arbeit", sagte die umweltpolitische Sprecherin der FDP Judith Skudelny.

Die Vernichtung sei immer mit einem Verlust des Händlers verbunden - weswegen dieser selbst versuche, den Wert der Waren zu erhalten.

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Bettina Hoffmann, entgegnete: "Um unsere Umwelt und natürliche Ressourcen zu schonen, darf es nicht sein, dass weiterhin gebrauchsfähige Produkte einfach vernichtet werden können."


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0