Amazonas-Brände: EU-Länder drohen Brasilien, Freihandelsabkommen platzen zu lassen

Biarritz - Die G7-Staaten tagen ab Samstag im französischen Biarritz. Ein großes Thema werden dabei wohl auch die Brände im Amazonas Regenwald sein. Schon vor dem Treffen erhöht die EU spürbar den Druck auf Brasilien, entschlossener gegen das verheerende Feuer vorzugehen.

Feuer und Rauch, so schaut es momentan an sehr vielen Orten im Amazonas aus.
Feuer und Rauch, so schaut es momentan an sehr vielen Orten im Amazonas aus.  © Victor R. Caivano/AP/dpa

Im Amazonas brennt es und zwar nicht nur an einem Ort, sondern an vielen, sehr vielen. Allein letzte Woche kamen 9000 neue Waldbrände hinzu. (TAG24 berichtete)

Es wird vermutetet, dass zumeist Bauern die Brände legen, um durch diese Art der Brandrodung neue Flächen zur wirtschaftlichen Nutzung zu erhalten.

Die brasilianische Justiz hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen, doch wirken diese nicht selten eher als eine Art Alibi der stark in der Kritik stehenden Regierung um Präsident Jair Bolsonaro (64).

Die ehemalige Umweltministerin Martina Silva (61) macht ihn dafür verantwortlich, dass es überhaupt soweit kommen konnte und spricht von "Nachlässigkeit": "Es gab im Amazonas-Gebiet immer Abholzung und Brände, aber niemals hat eine Regierung illegales Verhalten verteidigt".

Mercosur-Abkommen auf der Kippe

Auch die europäischen Staatschefs gehen hart mit Brasilien ins Gericht und drohen damit, das Mercosur-Freihandelsabkommen platzen zu lassen.

Nachdem Irland bereits eine mögliche Blockade in Erwägung gezogen hatte, kündigte Emmanuel Macron (41) am Freitag an, das Abkommen abzulehnen. Er warf Brasilien laut dpa vor, ihn hinsichtlich des Umweltschutzes angeschwindelt zu haben.

Mit dem Mercosur-Abkommen planen die EU, Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay die größte Freihandelszone der Welt zu schaffen.

Während die südamerikanischen Länder vor allem Agrarprodukte wie Fleisch und Soja zollfrei liefern wollen, sollen aus der EU Autos und Maschinenteile nach Südamerika kommen.

Von "Kolonialpolitik" zum "nationalen Erbe"

Präsident Jair Bolsonaro (64).
Präsident Jair Bolsonaro (64).  © Marcos Correa/Presidencia Planalto/dpa

Kürzlich hatte Bolsonaro noch wütend auf einen Tweet von Emmanuel Macron reagiert, in welchem er vorgeschlagen hatte, mögliche Maßnahmen gegen die Brände auf dem G7 Gipfel in Biarritz zu diskutieren.

Er warf ihm eine koloniale Denkweise vor, da Brasilien nicht zur Gruppe der sieben größten Industrienationen der Welt gehört und man so nur über sein Land, aber nicht mit ihm reden würde.

Doch inzwischen sind andere, mildere Töne aus Brasilien zu vernehmen. Am Freitag verkündete der Präsident Überlegungen, das Militär für die Bekämpfung der Brände einzusetzen.

In einer Anordnung hieß es, Ziel sei die "Erhaltung und Verteidigung des Regenwaldes im Amazonasgebiet, unseres nationalen Erbes".

Es bleibt zu hoffen, dass Brasilien es diesmal ernst meint und sich nicht nur durch den europäischen Druck zu einem (halbherzigen) Handeln gezwungen fühlt.

Titelfoto: Victor R. Caivano/AP/dpa


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