Prügelattacken durch Asylbewerber: Das sagen die Bürger von Amberg

Amberg - Mittwochmorgen in Amberg. Am ersten Werktag im neuen Jahr kommt die Stadt in der bayerischen Oberpfalz wieder in Bewegung. Die Wartehalle des typischen Kleinstadtbahnhofs ist gut besucht, Menschen gehen zur Arbeit, treffen sich in Cafés in der hübschen Altstadt. Alles scheint wie immer - doch der Tag wird überschattet von Vorfällen vom Wochenende: Vier betrunkene Jugendliche hatten am Samstagabend am Amberger Bahnhof und in der Altstadt willkürlich Passanten attackiert (TAG24 berichtete). Neue Erkenntnisse dazu gibt es bislang nicht.

Eine Straßenunterführung nahe des Bahnhofs in Amberg.
Eine Straßenunterführung nahe des Bahnhofs in Amberg.  © DPA

Die Beschuldigten sind nach Angaben des bayerischen Innenministeriums drei Asylsuchende aus Afghanistan und einer aus dem Iran. Zwölf Menschen im Alter von 16 bis 42 Jahren wurden verletzt, die meisten aber nur leicht. Ein 17-Jähriger musste wegen einer Kopfverletzung stationär ins Krankenhaus.

Ganz Deutschland redet über die Vorfälle, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erneuert seine Forderung nach schärferen Abschieberegeln. Journalisten tummeln sich am Mittwoch in der beschaulichen Kleinstadt.

Die Vorfälle vom Wochenende sind ein Schock für viele Einheimische. "Wir sind klein und verschlafen, dachte ich bisher immer", sagt eine 33-jährige Ambergerin, eine solche Prügelattacke habe sie hier nicht für möglich gehalten.

Normalerweise passiere so etwas "weit weg", sagt eine andere Einwohnerin, "jetzt direkt hier am Bahnhof, das ist schon verrückt".

"So was bleibt nicht ohne Wirkung", meint Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU), das sei aber auch "vollkommen normal". Er merke, "dass der eine oder andere Amberger sagt, 'fühle ich mich da jetzt noch sicher?'".

Dazu gehen die Meinungen der Amberger an diesem Tag auseinander. Während manche stark verunsichert sind, zeigen sich andere wütend und ärgern sich darüber, dass die Taten unter anderem von rechten Gruppierungen ausgenutzt würden.

Prügelorgie von Asylbewerbern: Die Bürger Ambergs sind verunsichert

Tanja Brück ist seit den Attacken verunsichert.
Tanja Brück ist seit den Attacken verunsichert.  © DPA

"Ich gehe um fünf Uhr morgens in die Arbeit, und da wird es dir schon anders", erzählt eine Ambergerin, sie denke jetzt über einen kleinen Waffenschein für ein Pfefferspray nach. Zwar gebe es "solche Idioten überall", sagt sie, es sei jedoch "schon auffällig", dass es Ausländer waren.

Auch Tanja Brück aus Amberg sagt, "es passt ins Bild". Nach Samstag sei ihr wieder bewusster, dass schnell etwas passieren könne.

Die Täter hätten ebenso Deutsche seien können, sagt hingegen Benedikt Kraus aus Amberg - so eine Tat scheine etwa Horst Seehofer "gut in den Kram" zu passen.

Es wird viel diskutiert im Freundes- und Bekanntenkreis, sagt Ruth Lobensteiner. Sie habe sich über die willkürlichen Taten erschrocken, aber keine Angst in die Stadt zu gehen, sagt die Ambergerin. Sie ist überzeugt davon, dass es keinerlei Zusammenhang mit der Nationalität der Beschuldigten gibt.

"Mit Sicherheit hätten das genauso gut Deutsche sein können, gerade wenn Alkohol im Spiel ist."

Gewaltexzess von Teenagern: Differenzierte Debatte in Amberg

Ruth Lobensteiner ist erschrocken über die Taten, hat aber keine Angst.
Ruth Lobensteiner ist erschrocken über die Taten, hat aber keine Angst.  © DPA

Alkohol sei oft das Problem, sagt auch Paul Hartl, Gastronom im Amberger Bahnhof. Seit den 1990er Jahren erlebt er an Bahnhöfen immer wieder Gewalt von Menschen jeglicher Herkunft. "Ich unterscheide immer zwischen Idiot und Nicht-Idiot". Er merkt am Mittwoch bei seinen Kunden keine große Verunsicherung. Auch generell kann er sich nicht vorstellen, dass die Geschehnisse die Stadt nachhaltig verändern.

Auch Oberbürgermeister Cerny glaubt und hofft das nicht. "So einen Vorfall wie jetzt, den haben wir uns eigentlich nicht vorstellen können und auch nicht wollen", sagt er zur Sicherheit in Amberg, "wir haben die letzten Jahre eigentlich rückgehende Zahlen gehabt im Bereich der Gewaltdelikte, wir haben eine höhere Aufklärungsquote der Polizei gehabt, insofern insgesamt eigentlich eine sehr gute Sicherheitslage."

Nichtsdestotrotz werde er ein erneutes Sicherheitsgespräch mit der Polizei suchen. Trotz der Vorfälle ist ihm wichtig, nicht jeden Asylbewerber unter Generalverdacht zu stellen.

Ein Wunsch, den viele in der Stadt haben. Im Laufe des Tages müssen die Menschen zumindest im Bahnhof näher zusammenrücken: Die Sonne ist beim Versuch, sich gegen die Wolken durchzusetzen, gescheitert, stattdessen hat es angefangen zu schneien.

Titelfoto: DPA

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