Super Bowl: Wie ein Berliner zum deutschen Football-Star wurde, obwohl er nie spielte!

Berlin/Atlanta - Wenn in der Nacht zu Montag verrückte Sportfans stundenlang vor der Glotze hängen, ist wieder "Super-Bowl-Time". Das mediale Sport-Großereignis ist das Finale der amerikanischen Football-Liga "NFL". Dass diese Randsportart in Deutschland einen regelrechten Hype erlebt, ist vor allem unseren deutschen Football-Stars zu verdanken, die zugegebenermaßen gar nicht aktiv spielen. Vor allem ein selbsternannter Berliner, der eigentlich aus Deutsch Wusterhausen kommt, entzückt die deutschen NFL-Fans und gewann in der letzten Nacht den Fernsehpreis.

Eine Sportart, zwei Stars: Tom Brady (l.) steht als Aktiver im Super Bowl, während "Icke" (r.) in der Kommentatoren-Box die Zuschauer begeistert.
Eine Sportart, zwei Stars: Tom Brady (l.) steht als Aktiver im Super Bowl, während "Icke" (r.) in der Kommentatoren-Box die Zuschauer begeistert.  © DPA, Screenshot Instagram icke41 (Bildmontage)

Unter seinem bürgerlichen Namen Christoph Dommisch ist der studierte Sportjournalist eher weniger bekannt.

Dagegen ist der neue Fernsehpreisträger unter seinem Spitznamen"Icke" längst berühmt und gilt als einer der größten deutschen NFL-Stars der jüngeren Vergangenheit, obwohl er diesen Sport gar nicht aktiv betreibt.

Es ist die Geschichte eines "nerdigen" Jungen, geboren in Deutsch Wusterhausen bei Berlin, der von seiner Liebe zu Dirk Nowitzki auf einen bundesweit unpopulären Sport getroffen ist, der ihn in kürzester Zeit zum absoluten Medien-Star beförderte.

"Vor fünf Jahren war es noch verpönt, Football zu schauen, inzwischen ist es cool." Sagt der Mann im "Sportbuzzer"-Interview, der mit seinem schrillen langen blonden Haaren, die Herzen aller deutschen NFL-Fans begeistert und den Football bundesweit salonfähig machte.

"Icke", selbst ernannter Berliner, arbeitet als sogenannter "Netman" bei "ran Football" und versucht an jedem verdammten Sonntag, die große Football-Community als Teil der Live-Übertragungen einzubeziehen. Mit Erfolg.

Die Zuschauer lieben den sympathischen "Netman". Football-Fans posieren in "Icke"-Fanshirts während eines NFL-Spiels.
Die Zuschauer lieben den sympathischen "Netman". Football-Fans posieren in "Icke"-Fanshirts während eines NFL-Spiels.  © Screenshot Instagram icke41

Die Übertragungen der American Football Spiele der US-Profi-Liga, anfangs noch Nischen-Produkt, ziehen derzeit die Massen vor die TV-Geräte.

Für den wahnsinnigen Hype sind die Protagonisten hauptverantwortlich, besonders "Icke", der wie die "WAZ" titelte das "Gesicht des Erfolgs" darstellt.

Ein zugegebenermaßen verrücktes Gesicht, mit langer blonder Mähne und rotem Vollbart, das die deutschen Football-Fans Woche für Woche sehen und feiern, obwohl er zu diesem Sport absolut keinen aktiven Bezug hat.

Im Bild-Interview wird er gefragt, ob er schon mal Football gespielt hat und antwortet erfrischend ehrlich: "Mit den Pommes-Pickern, wie mein Kollege Patrick Esume meine Arme nennt, kann man nicht Football spielen. Ich habe ein bisschen auf dem Dorf gekickt, war aber fürchterlich unsportlich."

Gerade dieses authentische, jugendliche Auftreten, eng verknüpft mit seiner Berliner Schnauze, führte den 32-Jährigen zum unverhofften Ruhm der deutschen NFL-Fans.

Beim 53. Super Bowl werden Experte Patrick Esume (l.),Moderator Jan Stecker (m.), Ex-NFL-Profi Björn Werner (l.) und Netman "Icke" (liegend) für die passende Untermalung sorgen.
Beim 53. Super Bowl werden Experte Patrick Esume (l.),Moderator Jan Stecker (m.), Ex-NFL-Profi Björn Werner (l.) und Netman "Icke" (liegend) für die passende Untermalung sorgen.  © Screenshot Instagram icke41

Als durchgeknallter "Sidekick" unterstützt er die Moderatoren mit Informationen während der Live-Übertragungen, bringt immer wieder Kuriositäten des Internets in das Programm und ruft die Zuschauer quasi minütlich zur Social-Media-Interaktion auf.

Als besonderes Bonbon zeigt der Wahl-Münchener ausgewählte Fotos der User in der Sendung.

Mit dem Kult- oder gar Promi-Status kann der "Berliner" noch nicht so ganz umgehen. "Das ist schon komisch, wenn dich plötzlich Leute erkennen", verrät er im "Sportbuzzer"-Interview.

Gerade dieser unmittelbare Austausch mit den Fans ließ "ran Football" zum Quoten-Hit wachsen.

Ein relativ einfaches Produkt, dass in kürzester Zeit zum Erfolgsprojekt der "ProsiebenSat1"-Gruppe wurde.

Belohnt wurden die Macher nun mit dem Gewinn des deutschen Fernsehpreises. In der Kategorie "beste Sportsendung" setzten sie sich gegen Formate der ARD und des ZDF, die schon seit Jahrzehnten bestehen. Was macht "ran-Football" so unglaublich erfolgreich?

Ganz einfach: Das Produkt besticht durch Interaktion, sympathischer Authentizität, frecher Kommunikation und einem einmaligen Team, das Woche für Woche die Zuschauer begeistert. In der Nacht auf Montag kommt es nun zum Saison-Highlight.

Der Super Bowl steht vor der Tür. Auch bei diesem Event wird "Icke", vor dem Rechner in Atlanta sitzend, am Start sein. Nach dem Match beginnt die sogenannte "Off-Season" (Sommerpause), die der bodenständige Brandenburger für den Heimat-Besuch nutzt, wie er dem "Sportbuzzer" erzählt: "Ich fahre im Urlaub auch mal zu Mutti, die kennt mich sonst nur noch aus dem Fernsehen."

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