Wohnung nur "an Deutsche"! Inserat von Vermieter endet mit Prozess

Augsburg - Im Prozess um Diskriminierung eines aus Afrika stammenden Mietinteressenten will das zuständige Amtsgericht Augsburg am Dienstag (8.50 Uhr) in Bayern das mit Spannung erwartete Urteil verkünden.

Ein Vermieter will eine Wohnung nur "an Deutsche" vermieten. (Symbolbild)
Ein Vermieter will eine Wohnung nur "an Deutsche" vermieten. (Symbolbild)  © Marc Tirl/dpa

Der Vermieter einer Wohnung hatte in einem Inserat angegeben, dass er lediglich "an Deutsche" vermieten wolle.

Bei einem Anruf soll der aus Burkina Faso stammende Interessent entsprechend mit der Frage, ob er Ausländer sei, abgeblockt worden sein. Ein Unding für den Kläger.

Deswegen verlangt der Afrikaner nun 1000 Euro Entschädigung. Zudem soll der Vermieter verpflichtet werden, künftig entsprechende Formulierungen in den Anzeigen zu unterlassen.

Der Wohnungseigentümer, der nach eigenen Angaben mehr als 20 Wohnungen vermietet, räumte zweifelsfrei ein, dass er nur an deutsche Staatsangehörige vermieten wollte.

Der 81-Jährige begründete dies damit, dass er einmal Ärger mit einem angeblich türkischen Drogendealer in einem Haus gehabt habe.

An den beiden Verhandlungstagen war eine gütliche Einigung zwischen den Parteien gleich mehrfach gescheitert.

Der Richter hatte angedeutet, dass er die Klage nicht für unbegründet halte und wohl nicht ganz abweisen werde.

In der Vergangenheit hatten schon andere deutsche Gerichte Ausländern Schadenersatz zugesprochen, wenn sie bei Wohnungsvermietungen wegen ihrer Herkunft abgewiesen wurden.

Update 10 Uhr:

Wegen der Diskriminierung eines aus Afrika stammenden Mietinteressenten muss ein Wohnungseigentümer nun 1000 Euro Entschädigung an den Interessenten zahlen.

Das Amtsgericht Augsburg entschied am Dienstag zudem, dass der Vermieter nicht noch einmal ein Inserat mit einer Formulierung aufgeben dürfe, wonach er nur "an Deutsche" vermiete. Ansonsten droht dem Eigentümer ein hohes Ordnungsgeld.

Das Gericht gab damit der Klage des aus Burkina Faso stammenden Interessenten vollständig statt.

"Diese offene Benachteiligung von Ausländern ist schlichtweg nicht hinnehmbar", sagte Richter Andreas Roth (Az: 20 C 2566/19).

Ein Fall vor dem Amtsgericht Augsburg sorgt derzeit für Aufsehen.
Ein Fall vor dem Amtsgericht Augsburg sorgt derzeit für Aufsehen.  © Screenshot/Google Maps

Titelfoto: Marc Tirl/dpa


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