Darum ist der Dokumentarfilm "An den Rändern der Welt" so wichtig!

Berlin - Was für ein beeindruckender Dokumentarfilm! "An den Rändern der Welt" wird noch in vielen Jahren ein wichtiges Zeitzeugnis sein, das indigene Völker und deren aussterbende Kulturen festhält.

Ein Bajau, Seenomade, der in den Gewässern vor Indonesien lebt, präsentiert seinen Fang. Ihre Existenz wird durch die extreme Überfischung bedroht.
Ein Bajau, Seenomade, der in den Gewässern vor Indonesien lebt, präsentiert seinen Fang. Ihre Existenz wird durch die extreme Überfischung bedroht.  © PR/Greenpeace/Mauthe

Alles begann mit dem Naturfotografen Markus Mauthe, der sich ein spannendes neues Projekt suchte: Fernab der Moderne die letzten indigenen Völker der Erde zu besuchen.

Und die Zeit drängt. Denn selbst die unzugänglichsten Gebiete der Erde werden nach und nach von der Zivilisation erschlossen.

Mauthe deckt gemeinsam mit Regisseur Thomas Tielsch (Vom Bauen der Zukunft, Die Finsternis, Neubau) auf, wie sehr schon in dieser Generation die jeweilige Kultur der indigenen Gemeinschaften davon beeinflusst wird.

Ob im Süd-Sudan, in Äthiopien, bei den Seenomaden auf Malaysia oder den Indios im brasilianischen Amazonas-Gebiet: Überall trafen die beiden auf unterschiedliche Kulturen, die über jahrhundertealte Traditionen und Bräuche verfügen und vor allem eines bis in die heutige Zeit geschafft haben: Im Einklang mit der Natur zu leben und diese nicht auszubeuten.

Gerade in der aktuell komplizierten Zeit wird es für solche abgeschieden lebenden Menschengruppen immer schwerer, täglich genug zu essen auf den Tisch zu bringen - eben weil viele "zivilisierte" Menschen und Nationen ihnen die Lebensgrundlage rauben.

Zwei Mehinaku bei ihrer traditionellen Art zu fischen. Sie leben im Zuflussgebiet des Xingu im brasilianischen Teil des Amazonas. Sie sind heutzutage Inselbewohner, da ihre Wälder nahezu komplett von Sojafeldern umgeben sind.
Zwei Mehinaku bei ihrer traditionellen Art zu fischen. Sie leben im Zuflussgebiet des Xingu im brasilianischen Teil des Amazonas. Sie sind heutzutage Inselbewohner, da ihre Wälder nahezu komplett von Sojafeldern umgeben sind.  © PR/Greenpeace/Mauthe

Tielsch schneidet seinen Film hervorragend zusammen und nimmt die Zuschauer mit auf seine Reise an die entlegensten Orte der Erde.

Wer exotische, teilweise noch nie im Kino gesehene Landschaften auf der großen Leinwand sehen und erkunden möchte, der ist bei "An den Rändern der Welt" bestens aufgehoben.

Denn hier wurde ein großer Aufwand betrieben. Die Kameraführung ist überragend. Hier erkennt man auch den Einfluss von Mauthe und dessen Fotografenauge.

Die Bilder der wunderschönen und abwechslungsreichen Landschaften sind nämlich ein Genuss für die Augen und Balsam für die Seele.

Was den Film aber so stark macht, sind die Botschaften, die er unaufdringlich vermittelt.

Dazu stellt er viele wichtige Fragen. Wie beispielsweise sollen sich die indigenen Kulturen an die Moderne anpassen ohne sich selbst fremd zu werden, ihre Identität und ihre Bräuche zu verlieren?

Markus Mauthe (vorne, Zweiter von links) schoss Fotos an den entlegensten Orten der Erde - und führte sie den verschiedenen Stämmen vor.
Markus Mauthe (vorne, Zweiter von links) schoss Fotos an den entlegensten Orten der Erde - und führte sie den verschiedenen Stämmen vor.  © PR/Greenpeace/Mauthe

Das kann der Film natürlich nicht beantworten - ebenso wenig wie die Ältesten der jeweiligen Gemeinschaft, die Tielsch vor die Kamera geholt und ausführlich befragt hat, damit die Zuschauer einen Einblick in ihre Weltansicht bekommen, vor allem aber wie sie die Zukunft für sich und ihren Stamm einschätzen.

Das fördert interessante Ansichten zutage, über die man als westlich-modern geprägter Mensch noch lange nach dem Abspann nachdenkt.

Ein weiterer Pluspunkt ist der Aufbau des Filmes. Man begibt sich mit Mauthe und Tielsch auf eine erstaunliche Weltreise und lernt dabei in 92 Minuten so viele unterschiedliche Kulturen kennen, die auf den ersten Blick vielleicht befremdlich wirken, doch wenn man sich die Mühe macht, genauer hinzuschauen, lernt man interessante Menschen kennen.

So bezieht der Film aus seiner großen Toleranz und seiner Objektivität eine enorme Kraft, die sich durch die Kinoleinwand auch auf den Zuschauer überträgt.

Denn Probleme werden rigoros angesprochen und erklärt. Die Mehinaku, die in Brasilien im Zuflussgebiet des Xingu leben, sind quasi Inselbewohner, weil nahezu ihr kompletter Lebensraum vernichtet wurde - um Sojafelder für die westliche Welt zu schaffen.

Von diesen aufklärenden Momenten, die Zusammenhänge erklären, hat "An den Rändern der Welt" viele. Deshalb und weil er wahre Geschichten erzählt, reißt er emotional mit und weckt die ganze Bandbreite der Gefühle. So ist er lustig, traurig, bewegend warnend, öffnet einem die Augen und ist deshalb ein äußerst sehenswerter Film.

Eine Bajau-Familie: Da ihre Lebensgrundlagen als Fischer und Nomaden verloren sind, wurden sie von der indonesischen Regierung in einem Nationalpark angesiedelt. Seitdem stehen die Bajau am Rand der Gesellschaft.
Eine Bajau-Familie: Da ihre Lebensgrundlagen als Fischer und Nomaden verloren sind, wurden sie von der indonesischen Regierung in einem Nationalpark angesiedelt. Seitdem stehen die Bajau am Rand der Gesellschaft.  © PR/Greenpeace/Mauthe
Ein Mundari aus dem Südsudan präsentiert stolz seinen bemalten Körper.
Ein Mundari aus dem Südsudan präsentiert stolz seinen bemalten Körper.  © PR/Greenpeace/Mauthe

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