Weltmeister Schürrle über Zeit beim BVB: "Ich war sehr oft verzweifelt"!

Berlin - Selbstkritische Worte vom Weltmeister von 2014! André Schürrle (28) hat sich ausführlich zu seiner Karriere geäußert und dabei tiefen Einblick in sein Seelenleben gegeben.

Dieses Bild gab es viel zu selten zu sehen: André Schürrle jubelt im Trikot von Borussia Dortmund.
Dieses Bild gab es viel zu selten zu sehen: André Schürrle jubelt im Trikot von Borussia Dortmund.  © dpa/Marius Becker

Im "Bild"-Podcast "Phrasenmäher" erzählte der frühere Profi von Borussia Dortmund, dass er die Entscheidung von Trainer Lucien Favre, nicht mehr auf ihn zu setzen, "zu 100 Prozent verstehen" könne.

Er sei zwar der Leidtragende gewesen, doch "aufgrund der Leistungen, die ich in den zwei Jahren gebracht habe und der Zahlen und Statistiken – und das ist das, was am Ende zählt – wäre ich wahrscheinlich zum selben Entschluss gekommen", so Schürrle erstaunlich ehrlich.

Wieso er beim BVB nie so recht in Tritt kam, konnte er sich selbst nicht erklären: "Ich war oft, sehr oft verzweifelt, habe in Dortmund in meinem Haus gesessen und habe mir Gedanken darüber gemacht, warum es nicht so passt. Warum ich nicht zu dem Spieler werde, der ich sein kann, meine Stärken ausspielen kann, meine Tore mache", erklärte Schürrle.

Er habe oft mit seiner Frau Anna und seinem guten Kumpel Mario Götze darüber gesprochen, aber keine Lösung gefunden.

Der Vorlagengeber des Weltmeistertores von 2014 konnte es selbst nicht fassen: "Hier gestartet, die Motivation war die größte, die ich in meiner Karriere jemals gefühlt hab. Bei dem Verein angekommen und alles war gut. Und dann zerbröselt es mehr und mehr und man findet kein wirkliches Gegenmittel dazu, weil man abhängig ist: Vom Trainer, von gewissen Situationen in der Mannschaft, von anderen Spielern."

André Schürrle ging gestärkt aus seinen schweren Phasen hervor

André Schürrle spielt seit dieser Saison bei Spartak Moskau.
André Schürrle spielt seit dieser Saison bei Spartak Moskau.  © dpa/Alexander Stupnikov/Sputnik

Schürrle war im Sommer 2016 für satte 30 Millionen Euro Ablöse vom VfL Wolfsburg gekommen - übrigens zu seinem alten Jugendtrainer Thomas Tuchel, der zu dieser Zeit beim BVB das Zepter schwang.

Er meinte, dass es "wirklich sehr, sehr gut angefangen" habe in Dortmund, dann jedoch sei "alles zerbröckelt", weshalb er "nie so wirklich mein volles Potenzial ausschöpfen" konnte.

Zu seinen schweren Phasen sagte Schürrle: "Ich hatte schon einige Tiefpunkte. Da spielt auch das Ego mit rein, denn das zieht einen in den schlechten Momenten noch mehr runter, weil man von sich dasselbe verlangt, was die Fans und die Verantwortlichen wollen."

In solchen Zeiten habe er sich oft gefragt: "Will ich das noch? Kann ich das noch bringen, was jeder von mir verlangt?"

So spielte ein vorzeitiges Karriereende in seinen Gedanken immer eine Rolle: "Ich will wirklich Jahr für Jahr für mich selbst entscheiden, ob ich das noch will. Ob ich die Motivation noch dazu habe, ob mein Körper sich danach fühlt. Keine Ahnung, vielleicht spiele ich noch ein Jahr, vielleicht noch zwei."

Doch weil Schürrle sich selbst in Krisenzeiten besser kennenlernte und viel für sein Leben mitnehmen konnte, ist er mit sich selbst im Reinen: "Ich könnte jetzt meine Karriere beenden und würde nicht von mir sagen, dass ich gescheitert bin", so der 57-fache deutsche Nationalspieler (22 Tore).

André Schürrle konnte sein Potenzial bei Borussia Dortmund nicht ausschöpfen.
André Schürrle konnte sein Potenzial bei Borussia Dortmund nicht ausschöpfen.  © dpa/Bernd Thissen

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