Kampf gegen Clans: Bushido nur ein "armes Würstchen"?

Berlin - Jahrelang galten Rapper Bushido (40) und Clan-Chef Arafat Abou-Chaker (43) als beste Freunde. Im März des vergangenen Jahres kam es dann zum Bruch. Eine Trennung, die noch für viele Schlagzeilen sorgen sollte.

Bushido und Arafat bei der damaligen Premiere des Films "Zeiten ändern Dich".
Bushido und Arafat bei der damaligen Premiere des Films "Zeiten ändern Dich".  © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Während der Musiker nun schon seit längerem unter Polizeischutz steht, landete Arafat Abou Chaker zwischenzeitlich gar in Untersuchungshaft.

Der Vorwurf: Er soll Komplizen gesucht haben, um Frau und Kinder seines ehemaligen Geschäftspartners zu entführen. Die Taten sollen geplant worden sein, zur Ausführung sei es aber nicht gekommen. Auch von einem Säureanschlag auf Bushidos Ehefrau war die Rede.

Monatelang hielt sich Bushido in der Öffentlichkeit zurück, ehe der 40-Jährige vergangene Woche für einen Paukenschlag sorgte. Im Dezember wird sein neues Album CCN4 erscheinen. Es ist das erste seit der Trennung seines langjährigen Geschäftspartners.

Viel zu melden hatte der Musiker unter Arafat nicht, wie er vor fast einem Jahr im Stern-Interview verriet. Mehr noch: Bushido musste sich unterordnen.

"Weil die Wahrheit nämlich so aussah, dass ich nichts zu melden hatte. Dass Arafat einfach alles entschieden hat." Natürlich sei er aber nicht nur Opfer. "Ich bin auch Mitwisser, und deshalb trage ich eine Mitschuld. Ich habe weggesehen. All die Jahre."

Nun hat sich auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (53, SPD) in einem Interview mit der FAZ zu Wort gemeldet. Der Berliner Senat hat den Kampf gegen die Clan-Kriminalität verschärft. Im November 2018 wurde deshalb ein Fünf-Punkte-Plan beschlossen.

Innensenator Andreas Geisel: "Auch für Clan-Chefs helten unsere Regeln"

Andreas Geisel beantwortet im Berliner Abgeordnetenhaus die Fragen der Abgeordneten.
Andreas Geisel beantwortet im Berliner Abgeordnetenhaus die Fragen der Abgeordneten.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Angesprochen auf die Frage, was er Clan-Chefs wie Arafat Abou-Chaker und Issa Remmo gerne ins Gesicht sagen würde, antworte Geisel: "Dass unsere Regeln auch für sie gelten. Und dass sie vermeintlich Glamour verbreiten, aber in Wirklichkeit Menschen ins Unglück stürzen." Bushido ist dafür ein gutes Beispiel. "Der vermeintlich glamouröse Gangsterrapper ist jetzt ein armes Würstchen – von Clanchefs in die Falle gelockt."

Die Berliner Polizei ist in diesem Jahr bisher mit 157 Einsätzen gegen kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Clans vorgegangen. 22 dieser Einsätze seien gemeinsam mit anderen Behörden erfolgt.

Im vergangenen Jahr habe Berlin 21 libanesische Straftäter abgeschoben, sagte Geisel weiter. Früher seien es nur fünf oder sechs Personen pro Jahr gewesen.

Der Senator betonte aber, Abschiebungen seien kein Allheilmittel, weil drei Viertel der Clanmitglieder Deutsche seien. Das andere Viertel sei mit Deutschen verheiratet oder habe deutsche Kinder. Die eigentliche Herausforderung sei es, den Einsatz gegen die Clankriminalität über viele Jahre durchzuhalten: "Wir reden über einen Marathon und haben jetzt die ersten 1000 Meter geschafft."

Er räumte ein, früher habe die Polizei zu wenig gemacht. Die Gründe seien "Political Correctness, Unterschätzung der Situation, Personalmangel" gewesen. Den Polizeibeamten habe der politische Rückhalt gefehlt.

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