Anfeindungen gegen Sachsens Flüchtlingshelfer

Ein Bus mit neuen Asylbewerbern kommt in Einsiedel an - die Helfer sind bereit.
Ein Bus mit neuen Asylbewerbern kommt in Einsiedel an - die Helfer sind bereit.

Dresden - Die massenweisen Übergriffe von Migranten in der Silvesternacht in Köln erschweren die Arbeit der sächsischen Flüchtlingshelfer. Unverständnis und Anfeindungen schlagen ihnen entgegen.

"Der Ton hat sich eindeutig verschärft", sagt Sonja Brogiato vom Flüchtlingsrat Leipzig. "Es ist jetzt schwerer, etwa Verwandten, Freunden und Kollegen zu erklären, warum wir freiwillig Flüchtlingen helfen", berichtet sie.

Der Flüchtlingsrat organisiert in Leipzig unter anderem Deutsch-Kurse und Patenschaften. Zudem hilft er bei Arzt- oder Behördengängen und der Betreuung von Flüchtlingskindern.

"Die Flüchtlinge waren wegen der Kölner Ereignisse selbst total entsetzt und empört", sagt Brogiato. Einige hätten spontan bei der Präventionsarbeit mitmachen wollen, um Neuankömmlingen aus Nordafrika klarzumachen, was hier gehe und was nicht.

Ehrenamtliche Helfer versorgen ankommende Flüchtlinge mit Lebensmitteln. Ihr Job ist nach der Silvester-Randale schwieriger geworden.
Ehrenamtliche Helfer versorgen ankommende Flüchtlinge mit Lebensmitteln. Ihr Job ist nach der Silvester-Randale schwieriger geworden.

Auch für die laut Stadtverwaltung rund 10.000 ehrenamtlichen Helfer in Dresden hat sich die Arbeit erschwert. "Köln hat uns geschockt", räumt etwa Elisabeth Ehninger ein, Chefin des Vereins "Dresden - Place to be". "Das ging gegen unsere Werte."

Aber gerade deshalb sei es wichtig, Flüchtlinge zu integrieren. Auch Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) zeigt sich besorgt. Vor allem über die Anfeindungen, denen die Helfer nun teilweise ausgesetzt seien.

"Dagegen werden wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorgehen", versprach sie. Und zollte den Helfern Respekt: "Ich bin sehr dankbar, dass sich viele Menschen so solidarisch und mitmenschlich zeigen."

Laut Innenministerium kamen 2015 rund 69.500 Menschen vor allem aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Pakistan, Albanien, dem Kosovo und Libyen nach Sachsen.

Silvester-Chaos in Köln: Vor dem Hauptbahnhof kam es zu zahlreichen sexuellen Übergriffen durch Migranten.
Silvester-Chaos in Köln: Vor dem Hauptbahnhof kam es zu zahlreichen sexuellen Übergriffen durch Migranten.

Fotos: Uwe Meinhold (1), imago/Ralph Peters (1), dpa/Markus Böhm (1)


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0