Frauenquote im Bundestag? Auch Merkel will mehr Frauenpower

Berlin - Seit nun genau 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen gehen. Doch nur, weil Deutschland eine Kanzlerin habe, sei es noch lange kein Musterland der Gleichberechtigung, sagt Angela Merkel (64, CDU). Auch sie will mehr Frauen im Bundestag sehen.

Auch Angela Merkel will den Frauenanteil in den Parlamenten erhöhen.
Auch Angela Merkel will den Frauenanteil in den Parlamenten erhöhen.  © DPA

"Wir werden auch hier neue Wege bestreiten müssen", sagte die Bundeskanzlerin am Montag bei einem Festakt zur Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. Der Bundestag sei in dieser Legislaturperiode "kein Ruhmesblatt". In der Politik müsse genau wie in Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Kultur gelten: "Das Ziel muss Parität sein", sagte die Kanzlerin.

Zuvor hatten bereits Justizministerin Katarina Barley (49) und Frauenministerin Franziska Giffey (40, beide SPD) gefordert, eine stärkere Vertretung von Frauen im Bundestag durchzusetzen (TAG24 berichtete). "Ich finde, wenn die Hälfte der Bevölkerung aus Frauen besteht, warum besteht dann die höchste Repräsentanz in unserem Land nicht auch zur Hälfte aus Frauen", sagte Giffey bei dem Festakt. Derzeit liegt der Frauenanteil im Bundestag bei 30,9 Prozent.

Vor allem in den Fraktionen von AfD, FDP und CDU/CSU sitze oft "ein Meer von grauen Anzügen", hatte Barley der "Bild am Sonntag" gesagt. "Ändern wird sich das wohl nur durch ein neues Wahlrecht."

Rita Süssmuth, Manuela Schwesig, Angela Merkel, Franziska Giffey, Christine Bergmann und Ursula Lehr beim Festakt zu 100 Jahre Frauenwahlrecht in Berlin.
Rita Süssmuth, Manuela Schwesig, Angela Merkel, Franziska Giffey, Christine Bergmann und Ursula Lehr beim Festakt zu 100 Jahre Frauenwahlrecht in Berlin.  © DPA

Zur Erhöhung des Frauenanteils könnten Kandidatenlisten der Parteien abwechselnd mit Männern und Frauen besetzt werden. Eine andere Möglichkeit wären größere Wahlkreise mit zwei direkt gewählten Abgeordneten unterschiedlichen Geschlechts.

Merkel betonte, der Frauenanteil im Bundestag stelle auch sie nicht zufrieden. Ihn zu ändern, sei aber nicht so einfach. Die CDU beispielsweise gewinne viele Direktwahlkreise - wenn Frauen hier mehr Chancen haben sollten, müssten sie schon ganz früh gut platziert werden. "Wir denken da sehr intensiv drüber nach", sagte die Kanzlerin. Auch in der Unionsfraktion wurde die Forderung nach einer Wahlrechtsreform laut.

Im Kanzleramt dagegen seien inzwischen vier von acht Mitarbeitern im Rang eines Abteilungsleiters Frauen, sagte Merkel. "Darauf bin ich ein bisschen stolz." Dass viele Deutschland nur wegen ihr als Musterland in Sachen Gleichberechtigung darstellten, möge sie dagegen nicht.

"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", sagte Merkel. "Aus der Tatsache, dass es mich gibt, darf kein Alibi werden."

Titelfoto: DPA

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