"Stunden der Entscheidung - Angela Merkel und die Flüchtlinge": So reagiert das Netz

Berlin - Es war auf den Tag genau vor vier Jahren, als sich Hunderte von Geflüchtete von Budapest auf den Weg zur Grenze nach Österreich machten - knapp 200 Kilometer zu Fuß. Angela Merkel (65) wird sich an jenen 04. September 2015 wohl noch lange erinnern. Die Kanzlerin habe die Grenze geöffnet, werfen ihr Kritiker seit jeher vor. Dabei war die Grenze die ganze Zeit offen.

Schauspielerin Heike Reichenwallner in der Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Schauspielerin Heike Reichenwallner in der Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel.  © Hans-Joachim Pfeiffer/ZDF/dpa

Die ZDF-Doku "Stunden der Entscheidung – Angela Merkel und die Flüchtlinge" (lief am Mittwochabend/Abrufbar in der ZDF-Mediathek) lässt den Tag noch einmal Revue passieren.

Der Zuschauer erlebt die Ereignisse aus zwei Perspektiven. Zum einen ist da die Kanzlerin, die die außerordentliche Entscheidung quasi alleine treffen musste. Die Kanzlerin erwartete eigentlich einen "ruhigen" Tag, wie ein Mitarbeit noch am Morgen erklärte.

Dann ist da noch der syrische Flüchtling Mohammad Zatareih, der wie viele unter unerträglichen Zuständen am Budapester Bahnhof gestrandet ist. Aus Angst vor der Willkür der ungarischen Behörden organisiert er den Flüchtlingsmarsch, der später als "March of Hope" bekannt wurde, nach Deutschland.

Neben fiktiven Szenen, die mit Schauspielern nachgestellt wurden, kommen auch zahlreiche Beteiligte wie dem damaligen Innenminister Thomas de Maizière (65, CDU), dem damaligen Außenminister Sigmar Gabriel (59, SPD) oder dem Journalisten Martin Kaul, der in Ungarn vor Ort war, zu Wort.

Angela Merkel bespricht sich in der ZDF-Doku mit Bernhard Kotsch.
Angela Merkel bespricht sich in der ZDF-Doku mit Bernhard Kotsch.  © Hans-Joachim Pfeiffer/ZDF/dpa

Während Angela Merkel eine Reihe von öffentlichen Terminen wahrnimmt, wächst der Druck auf die Kanzlerin. Viktor Orban (56) lässt die Geflüchteten humanitär im Stich, schließlich seien sie "ein deutsches Problem." Als Ungarn plötzlich Busse bereitstellt, die die Flüchtlinge an die österreichische Grenze bringen, muss Merkel in kürzester Zeit entscheiden: Nimmt Deutschland die verzweifelten Menschen auf?

Unter Rücksprache mit Sigmar Gabriel, Peter Altmaier und Frank-Walter Steinmeier - Horst Seehofer war nicht zu erreichen oder wollte nicht erreicht werden - trifft Angela Merkel eine Entscheidung: Deutschland nimmt die Hälfte der Geflüchteten auf - als Ausnahme.

Während die AfD auf Twitter daran erinnert, dass Merkel durch die Grenzöffnung unserem Land tiefe Wunden zugefügt habe, fallen die Zuschauerreaktionen durchaus positiv aus:

  • "Nach der Doku im ZDF muss ich sagen, ich danke Frau Dr. #Merkel noch heute für Ihre richtigen Entscheidungen in der Flüchtlingsfrage. Wir können alle so zufrieden sein, in dieser Situation Frau Dr. Angela Merkel als Bundeskanzlerin gehabt zu haben!"
  • "Angela #Merkel hat die Grenzen nicht geöffnet - Sie hat entschieden, sie nicht gewaltsam zu schließen und so das Sterben zahlreicher Geflüchteter verhindert. Damit hat sie Haltung gezeigt und sich an diesem wichtigen Tag auf die richtige Seite gestellt. Dafür bin ich ihr dankbar"
  • Angela Merkel hat keine Grenze geöffnet - Richtig wäre: Sie hat die Grenzen nicht geschlossen. #Unglaublich, dass 4 Jahre später immer noch diese #Fakenews verbreitet werden - Aber sich auf der anderen Seite wundern, dass die #AfD stark wird

Dem ZDF ist eine durchaus sehenswerte Dokumentation gelungen, auch wenn die Quoten hätten besser sein können. Am Mittwochabend schalteten laut DWDL nur 1,91 Millionen Zuschauer ein. Das entsprach einem Marktanteil von 6,9 Prozent.

Mehr zum Thema Angela Merkel:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0