Angelika (62) gibt zu, Nachbarn getötet, vergraben und seine Rente kassiert zu haben

Magdeburg - Seit Dienstagmorgen steht Angelika H. (62) wegen Totschlags vor dem Magdeburger Landgericht.

Das Medieninteresse an dem heimtückischen Fall war groß. Ihr Verteidiger ist Rechtsanwalt Christoph Wolters.
Das Medieninteresse an dem heimtückischen Fall war groß. Ihr Verteidiger ist Rechtsanwalt Christoph Wolters.  © Tom Wunderlich

Laut Anklage soll die Frau in der Zeit nach dem 20. Mai 2001 den damals 81 Jahre alten Walter E. in dessen Haus im Ballenstedter Ortsteil Rieder (Landkreis Harz) im Streit erst mit einem Messer und dann mit einem Beil angegriffen haben. Der Rentner verstarb an seinen schweren Verletzungen (TAG24 berichtete).

H. zeigt sich weitestgehend geständig, behauptet aber aus Notwehr gehandelt zu haben, da sie ihr Nachbar E. bedrängt haben soll. Die 62-Jährige soll den Toten anschließend im Haus vergraben haben.

Bei Recherchen der Rentenkasse war aufgefallen, dass der 96-jährige Rentner nicht auffindbar ist. Daraufhin wurde im Oktober 2016 das Grundstück durchsucht. Dort fanden die Ermittler Leichenteile.

Anders als die Anklage behauptet die mutmaßliche Täterin aber, dass sich der Vorfall bereits 1995 ereignet hat. Damit wäre der Fall verjährt. Angeblich hatten ihn Angehörige aber in den Jahren nach 1995 noch gesehen.

Nachdem Angelika H. die Leiche vergraben hatte, kassierte sie die Rente des toten Walter E., um den sie sich vor seinem Tod jahrelang gekümmert hatte, so die Anklage. Das soll von 2004 bis 2015 geschehen sein.

Das Landgericht hat zunächst sechs Verhandlungstage bis 6. September vorgesehen. Es sollen zwölf Zeugen und zwei Sachverständige befragt werden.

UPDATE, 11.45 Uhr: Angeklagte gesteht!

Die 62-Jährige hat im Prozess gestanden, den Senior getötet und jahrelang seine Rente kassiert zu haben. Die Frau erklärte am Dienstag, aus Notwehr gehandelt zu haben. Werner E. sei ihr gegenüber sexuell übergriffig geworden, wogegen sie sich gewehrt habe. Sie habe dem Mann, den sie seit Jahren versorgt hatte, mit Messer und Beil angegriffen und getötet. Sie gab an, die Tat habe sich vor 24 Jahren ereignet.

Knackpunkt der juristischen Bewertung ist der genaue Tatzeitpunkt: Die Anklage geht von Herbst 2001 aus, damals war das Opfer 81 Jahre alt. Die Angeklagte beharrt aber auf Herbst 1995 - dann wäre die als Totschlag eingestufte Tat verjährt.

Nach dem Tod des Mannes, der ihr Nachbar war, kassierte die Frau jahrelang seine Rente - laut Anklage mindestens von März 2004 bis September 2015 fast 105.000 Euro.

Angelika H. ist wegen Totschlags angeklagt. Der Prozess begann am heutigen Dienstag.
Angelika H. ist wegen Totschlags angeklagt. Der Prozess begann am heutigen Dienstag.  © Tom Wunderlich

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