"Ich hatte Angst um mein Leben": Opfer schildert dramatischen Tathergang nach Messer-Attacke

Hamburg - Im Prozess um einen Messerüberfall auf eine Frau in Hamburg-Winterhude (TAG24 berichtete) hat das Opfer am Dienstag unter Tränen den Tathergang bei der Verhandlung am Landgericht in Hamburg geschildert.

Der Prozess gegen einen 42-jährigen Mann wegen versuchten Mordes nach einer heftigen Messerattacke wird am Landgericht in Hamburg verhandelt.
Der Prozess gegen einen 42-jährigen Mann wegen versuchten Mordes nach einer heftigen Messerattacke wird am Landgericht in Hamburg verhandelt.  © Markus Scholz/dpa

Nach dem Ende ihrer Nachtschicht als Sicherheitsdienstmitarbeiterin habe sie am 24. November vergangenen Jahres im Leinpfad auf ihren Mann gewartet, der sie abholen wollte, sagte die 42-Jährige als Zeugin vor dem Landgericht.

Aus den Augenwinkeln habe sie an dem frühen Samstagmorgen eine dunkle Person wahrgenommen, diese aber für einen Jogger gehalten. Plötzlich habe sie jemand gepackt und versucht, ihr mit einem Messer in den Hals zu stechen.

"Ich hatte Angst um mein Leben, dass ich meine Kinder nie wiedersehe", sagte die schmächtige Frau unter Weinkrämpfen.

Der Angeklagte ist ihr Ehemann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Der ebenfalls 42 Jahre alte Deutsche soll der Frau maskiert aufgelauert haben.

Als die Security-Mitarbeiterin ihren Einsatzort an einer Baustelle verließ, habe er sie zu Boden gerissen und ihren Kopf auf den Asphalt geschlagen. Mit einem Brotmesser soll er mehrfach versucht haben, ihr in den Hals zu stechen. Die Frau habe sich heftig gewehrt. Dann habe er ihr so lange in den Rücken gestochen, bis die Klinge des Messers abbrach. Anschließend flüchtete er.

Der Angeklagte wurde noch am selben Tag festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

War die Messerattacke ein Racheakt des Ehemanns?

Paragrafen-Symbole prangen an Türgriffen am Eingang eines deutschen Landgerichts (Symbolbild).
Paragrafen-Symbole prangen an Türgriffen am Eingang eines deutschen Landgerichts (Symbolbild).  © Oliver Berg/dpa

Die Frau erlitt zahlreiche Verletzungen und lag mehrere Tage im Krankenhaus. Hintergrund der Tat sollen die Trennungsabsichten der 42-Jährigen gewesen sein.

Die Frau erklärte, dass sie noch am Vorabend der Tat bekräftigt hatte, sich von ihm scheiden zu lassen. In der Ehe sei er mehrfach gewalttätig gegen sie und ihre beiden Kinder geworden: "Mein Mann ist sehr aufbrausend." Einmal habe er sie auch vergewaltigt.

Wegen der Schulschwierigkeiten des gemeinsamen Sohnes sei die Familienhilfe aktiv geworden. Die Jugendamtsmitarbeiter hätten zur Trennung geraten. Ein Jahr vor der Tat habe sie einen anderen Mann kennengelernt und diese Beziehung ihrem Ehemann unter Druck gebeichtet.

Der Angeklagte räumte die Tat grundsätzlich ein. "Ich gestehe ein, dass ich sie angegriffen habe", sagte der Ehemann zu Prozessbeginn.

Er bat seine Frau um Entschuldigung und versicherte, dass ihm die Tat unendlich leid tue.

Ex-Partner gesteht, will sich aber an Tathergang nicht erinnern können

Über den Morgen des 24. November sagte der 42-jährige Angeklagte mit kurzen grauen Haaren und hellgrauer Strickjacke zunächst, dass er seine Frau wie verabredet mit dem Auto abholen wollte.

Um kurz nach 5 Uhr habe er sie während eines Ampelhalts angerufen, um ihr zu sagen, dass er sich verspäte. Da habe sie ihm geantwortet: "Beeile dich, ich bin überfallen worden!" Im Leinpfad habe sie auf dem Boden gesessen. Er habe sie umarmt. Dann habe ihn die Polizei vernommen. Als er ihr später Sachen ins Krankenhaus brachte, sei er verhaftet worden.

Erst nach vier Wochen in Haft sei ihm klar geworden, dass er die Tat tatsächlich begangen habe. Einige Erinnerungen seien wiedergekommen: "Ich lief auf eine Person zu, brachte sie zu Fall", sagte der Angeklagte.

Er habe auf jemandem gelegen. Seine rechte Hand habe ein zerbrochenes Messer gehalten. Beide Hände seien festgehalten worden. Er habe sich befreien können, drei Teile des Messers eingesammelt und sei aufgestanden. Wie er zum Auto gekommen sei, wisse er nicht mehr.

Die Verteidigung hatte zuvor mit dem Gericht über die Vereinbarung eines niedrigeren Strafrahmens gegen ein Geständnis verhandelt.

Die Vorsitzende Richterin, Jessica Koerner, betonte jedoch, dass ihr das Geständnis nicht detailliert genug sei und sie Zweifel an den Gedächtnislücken habe.

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