Nach Kritik-Brief der Angehörigen: Bundestag will Amri-Zeugen befragen

Berlin - Der Bundestag will noch vor der parlamentarischen Sommerpause Zeugen befragen, die mit der frühzeitigen Abschiebung eines Vertrauten des späteren Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri befasst waren.

Die Bildkombo vom Bundeskriminalamt (BKA) zeigt Fahndungsfotos des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri.
Die Bildkombo vom Bundeskriminalamt (BKA) zeigt Fahndungsfotos des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri.

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus dem Untersuchungsausschuss erfuhr, sollen im Juni drei Bundesanwälte und ein persönlicher Referent der früheren Innen-Staatssekretärin Emily Haber vernommen werden.

"Ich bin froh, dass es in unserer heutigen Sitzung große Einigkeit darüber gab, dass wir uns jetzt auf die wirklich relevanten Zeugen konzentrieren wollen", sagte Irene Mihalic. Sie ist Grünen-Obfrau in dem Ausschuss, der Behördenfehler rund um den Anschlag aufklären soll.

Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Lastwagen über den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gerast. Er tötete zwölf Menschen. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt.

Am Vorabend des Anschlags hatte der Tunesier seinen Landsmann Bilal Ben Ammar getroffen. Ben Ammar wurde am 1. Februar 2017 nach Tunesien abgeschoben (TAG24 berichtete).

Ein Alibi für den Tatabend hat er nicht. Amri lebte als abgelehnter Asylbewerber in Deutschland. Er verkaufte Drogen und war ein Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Nach dem Anschlag floh er quer durch Europa. In Italien wurde er schließlich von der Polizei erschossen.

Der Ausschuss will auch Ben Ammar als Zeugen vernehmen. Bislang wissen die Abgeordneten aber noch nicht, wo er sich aktuell aufhält (TAG24 berichtete).

Opfer und Hinterbliebene des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt hatten diese Woche in einem offenen Brief die Arbeit des Ausschusses kritisiert. Sie warfen vor allem den Abgeordneten von Union und SPD vor, eine zügige Aufklärung durch die Benennung irrelevanter Zeugen zu blockieren.

Durch Zufall wurde Marokko auf Anis Amri aufmerksam.
Durch Zufall wurde Marokko auf Anis Amri aufmerksam.  © DPA

Titelfoto: DPA

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