Was wusste der Verfassungsschutz über Anis Amri? Mitarbeiter widerspricht Darstellung

Berlin - Ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) hat der Einschätzung widersprochen, die Behörde habe sich 2016 intensiv mit dem späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri befasst.

Ein Mitarbeiter des Verfassungsschutz hat den Aussagen seiner Kollegin über den Fall Amri widersprochen.
Ein Mitarbeiter des Verfassungsschutz hat den Aussagen seiner Kollegin über den Fall Amri widersprochen.  © DPA

Der Beamte, der damals das zuständige Referat des Bundesamtes geleitet hatte, beharrte während der Anhörung im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Terroranschlag am Donnerstag nach Angaben von Teilnehmern zudem darauf, dass der Verfassungsschutz Parlament und Öffentlichkeit nicht über seine Rolle in dem Fall getäuscht habe.

Eine Sachbearbeiterin seiner Abteilung hatte bei ihrer Befragung durch den Ausschuss am 13. September ausgesagt, sie habe im Januar 2016 begonnen, Informationen über den tunesischen Islamisten zu sammeln. Auf die Frage, ob Amri vom BfV auch mit "nachrichtendienstlichen Mitteln" beobachtet worden sei, hatte die Mitarbeiterin mit "Ja" geantwortet.

Katharina Willkomm (FDP) warf dem Verfassungsschutz vor, er verstecke sich im Fall Amri "hinter eigenen Begriffsdefinitionen", um seine Rolle herunterzuspielen (TAG24 berichtete).

Am 19. Dezember raste Amri mit einem gestohlenen Lastwagen in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt (TAG24 berichtete). Nach der Tat konnte er fliehen. Er setzte sich nach Italien ab, wo er später von der Polizei erschossen wurde. Es war der bislang schwerste islamistische Terroranschlag in Deutschland.

BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen hatte im März 2017 über Amri gesagt: "Wir hatten es hier mit einem reinen Polizeifall zu tun, der in den zuständigen Bundesländern bearbeitet wurde." Amri, der sich mit verschiedenen Identitäten in Deutschland bewegte, war als Asylbewerber nach Deutschland gekommen.

Titelfoto: DPA


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