Kassenwart der Tafel plündert Konto für SM-Spielzeug

Der 28-jährige Angeklagte war selbst Laienrichter und sitzt für die SPD im Rat der Stadt Enger.
Der 28-jährige Angeklagte war selbst Laienrichter und sitzt für die SPD im Rat der Stadt Enger.

Herford - Knapp zwei Jahre befasst sich nun die Justiz mit dem Untreue-Fall der Herforder Tafel. Der Ex-Kassenwart (28) entnahm der Kasse Geld, um sich und Frauen Sadomaso-Sexkleidung und Spielzeug zu kaufen.

Während des Prozess sagte der Angeklagte, der zeitweise selbst als Laienrichter des Herforder Schöffengerichts über Straftäter mit urteilte, so die Neue Westfälische: "Mit ist die Sache peinlich."

In 38 Fällen warf die Staatsanwaltschaft Bielefeld dem 28-jährigen Mann wegen Untreue vor. Alle Vorwürfe mit einer Schadenssumme von 3317 Euro räumte der Mann ein.

Das Geld floss direkt in Amazon-Gutscheine und diverse Sex-Spielzeuge und Kleidung, die über den Amazon-Zugang der Tafel bestellt wurden. Gezahlt aus der Kasse der Tafel und geliefert an die Adresse des ehemaligen Kassenwarts.

Der Angeklagte begründet seine Tat damit, dass er in die SM-Szene gerutscht sei und zunächst nur unter einem Pseudonym agierte. Allerdings vertraute er kurze Zeit später einigen Frauen seinen Namen an.

Der Mann aus Enger hatte bestimmte Latex und SM-Vorlieben und wurde deshalb von Frauen erpresst (Symbolbild).
Der Mann aus Enger hatte bestimmte Latex und SM-Vorlieben und wurde deshalb von Frauen erpresst (Symbolbild).  © 123RF

Dies wurde ihm dann zum Verhängnis. Ein paar Frauen setzten den Mann dann so unter Druck: "Schieb mal was rüber, sonst weiß das deine Partei."

Denn der 28-Jährige sitzt für SPD im Rat der Stadt Enger. Rechtsanwalt Armin Knoch sprach für seinen Mandanten, dass er "allenfalls zehn Prozent der Summe für sich gebraucht hat."

Schluss mit den Untreue-Fällen war erst mit der Entlassung des Engeraners Ende 2015. Die Tafel-Gründerin war nach einer 10.000 Euro Spende skeptisch geworden und prüfte die Kassen. Dabei flog der Schwindel des Mannes auf.

Die Staatsanwältin forderte neun Monate Haft für zwei Jahre auf Bewährung. Diesem Urteil schloss sich das Schöffengericht an. Außerdem muss der Mann 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Schließlich habe er Menschen getroffen, die Hilfe brauchten.


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