Anna von Treuenfels im TAG24-Interview: FDP will kein grünes Versuchslabor

Hamburg - Die Bürgerschaftswahl in Hamburg steht am Sonntag bevor. Was wollen die Spitzenkandidaten der Parteien? TAG24 bat Anna von Treuenfels (57) von der FDP um ein Interview.

Anna von Treuenfels ist Spitzenkandidatin der FDP für die Bürgerschaftswahl. (Archivbild)
Anna von Treuenfels ist Spitzenkandidatin der FDP für die Bürgerschaftswahl. (Archivbild)  © Axel Heimken/dpa

Eigentlich heißt die Liberale Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein, doch für den Wahlkampf verzichtet sie bewusst darauf, ihren Namen voll auszuschreiben. Von Treuenfels ist Juristin und seit 2011 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, seit Oktober 2017 ist sie FDP-Fraktionsvorsitzende in einer Doppelspitze mit Michael Kruse.

Dieses Interview wurde aus Termingründen per E-Mail geführt.

TAG24: Warum sind Sie Politikerin geworden?

Anna von Treuenfels: 2008 wollten CDU und Grüne mit der Einführung der Primarschule quasi unsere Gymnasien abschaffen. Damals bin ich zusammen mit vielen engagierten Menschen aus der Mitte der Gesellschaft aufgestanden.

Und wir haben im Rahmen einer Volksinitiative die Einheitsschule in Hamburg verhindert und die Gymnasien vor CDU und Grünen gerettet.

Das hat mir gezeigt: Wenn man für seine Werte aufsteht: dass man wirklich was erreichen kann! Deshalb bin ich dann in die Politik gegangen.

TAG24: Was ist das Wichtigste, das Sie in der letzten Legislaturperiode für Hamburg erreicht haben?

Einen Schulstrukturfrieden, der Leistung im Klassenzimmer wieder in den Mittelpunkt stellt, Unterrichtsausfall bekämpft und das Niveau in Prüfungen sichert.

Eine kritische öffentliche Debatte für das bis dahin quasi klammheimlich angestrebte Ziel der Grünen, per Parité-Gesetz die Quote auf Wahllisten einzuführen und damit die Demokratie zu schädigen.

Und eine kontinuierlich-starke FDP-Fraktionsarbeit mit Ansehensgewinn für die Opposition.

FDP bevorzugt sogenannte Deutschlandkoalition

Seit 2011 ist Anna von Treuenfels Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. (Archivbild)
Seit 2011 ist Anna von Treuenfels Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. (Archivbild)  © Christian Charisius/dpa

TAG24: Verkehr, Klimaschutz, Wohnraum und Bildung - es sind viele Themen, die die Hamburger beschäftigen. Was würden Sie als Erstes anpacken und wie?

Endlich eine digitale Verkehrssteuerung zur Beschleunigung des Verkehrs. Stopp mit den Behinderungen von großen Infrastrukturprojekten. Einen raschen Ausbau des ÖPNV, auch und vor allem in den Randgebieten der Stadt. Schnellere Baugenehmigungen durch intensive Digitalisierung der Ämter und eine Reduzierung von Bauauflagen.

TAG24: Wo steht Hamburg im Jahr 2030? Wie sieht die Stadt dann aus?

Eine moderne Weltstadt mit Netzerreichbarkeit überall, wesentlich ausgebautem ÖPNV, mehr Elektro- und Wasserstoffmobilität, voll digitalisierten Klassenzimmern, enger mit Wissenschaft und Wirtschaft kooperierenden Hochschulen und einem erneuerten Hafen mit Zukunft.

TAG24: Den aktuellen Meinungsumfragen zufolge sieht es nach mehreren Koalitionsmöglichkeiten aus. Mit wem würden Sie nach der Wahl gerne regieren?

Es ist ganz klar: Eine Stimme für die SPD verhindert vielleicht eine grüne Bürgermeisterin, aber bestimmt keine grüne Politik.

Nur mit einer starken FDP sorgt man für eine Politik der Mitte, damit Hamburg Hamburg bleibt - und kein grünes Versuchslabor.

Deshalb ist unsere Präferenz - von den Inhalten her - klar bei der Deutschlandkoalition zwischen SPD, CDU und FDP. Aber selbstverständlich wird man mit allen demokratischen Parteien reden müssen. Fest ausschließen kann ich aber definitiv Bündnisse mit Linken oder AfD.

TAG24: Wieso sollte man Sie wählen?

Weil wir eine feste Haltung der bürgerlichen Mitte haben: Für eine starke Wirtschaft ohne bürokratische Fesseln, für beste Bildung mit Leistungsorientierung, für einen Rechtsstaat, der sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt.

TAG24: Frau Treuenfels, wir danken Ihnen für dieses Interview!

Weitere Interviews zur Bürgerschaftswahl

TAG24 bat alle Spitzenkandidaten der in der Hamburgischen Bürgerschaft vertretenen Parteien um Interviews. Außerdem ist bisher erschienen:

Die Bürgerschaftswahl in Hamburg findet am Sonntag, 23. Februar, statt. Wenn Ihr noch unentschlossen seid, wem Ihr Eure Stimmen geben sollt, kann Euch der Wahl-O-Mat helfen.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa


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