Rücktritt! Anna Schaffelhuber macht Schluss: "Golden Girl" beendet Karriere

Bayerbach - Bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang konnte man schon entsprechende Gedanken heraushören. Jetzt überrascht der Zeitpunkt des Rücktritts von Anna Schaffelhuber (26) auf den ersten Blick allerdings doch.

Anna Schaffelhuber hat während ihrer Karriere viele Medaillen gewonnen.
Anna Schaffelhuber hat während ihrer Karriere viele Medaillen gewonnen.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Fast genau zwischen zwei Winter-Paralympics, kurz vor Beginn der Weltcup-Saison und ohne vorherige Absprache mit dem Verband hat das größte Aushängeschild des deutschen Para-Wintersports seine Karriere für beendet erklärt.

Mit gerade einmal 26 Jahren.

Doch der Rücktritt ist das Ergebnis eines langen Prozesses und vieler Überlegungen. "Ich habe diese Entscheidung ein wenig mit mir mitgetragen vor allem im letzten Jahr", sagte die Monoski-Fahrerin BR24 Sport und erklärte klar: "Schwer war die Entscheidung nicht. Es war ein Gefühl. Und dieses Gefühl hat sich für mich richtig angefühlt."

Und ist dann auch irgendwie nachvollziehbar. Schaffelhuber hat alles erreicht mit sieben Mal Paralympics-Gold, elf WM-Titeln und sechs Gesamtweltcup-Siegen.

"Es fühlt sich komplett an", sagte die 26 Jahre alte Regensburgerin. Sie freut sich laut eigene Aussage "auf neue Herausforderungen". Es sei "keine Entscheidung gegen den Sport, sondern eine für meine Zukunft, vielleicht auch für eine etwas privatere Zukunft mit etwas anderen Aufgaben".

Schaffelhuber hat geheiratet und ist im Referendariat an einer Realschule.

Ihre Karriere war auch eine aufreibende.

Anna Schaffelhuber will raus aus dem großen Rampenlicht

Anna Schaffelhuber zeigte auf der Piste herausragende Leistungen.
Anna Schaffelhuber zeigte auf der Piste herausragende Leistungen.  © Jan Woitas/ZB/dpa

Mit 21 gewann die von Geburt an querschnittgelähmte Schaffelhuber bei fünf Starts fünf Mal Gold, wurde zum internationalen Star der Paralympics von Sotschi, zum "Golden Girl" und zur Welt-Behindertensportlerin des Jahres 2015.

Sie wurde herumgereicht zwischen TV-Shows, Galas und Sponsorenevents. Dazu der Leistungssport und das Studium, das sie zielstrebig vorantrieb.

Der Druck war groß und die fünf Siege eine schwere Last auf dem Weg nach Pyeongchang 2018. "Es ist schwierig, allem gerecht zu werden", sagte die Bayerin dort: "Es waren vier sehr, sehr lange Jahre."

Zudem habe sie alle Goldmedaillen gewonnen, von nun könne sie quasi nur noch welche verlieren. Nach ihrem ersten Sieg in Südkorea sagte sie: "Ich glaube, kein Mensch auf dieser Erde kann nachfühlen, wie ich mich heute fühle. Ich bin jetzt gelöst und kann nun wirklich von Tag zu Tag schauen."

Nach den Spielen freut sie sich darüber, "dass ich dem Druck standgehalten habe".

Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Sella Nevea (Italien) holte sie nochmal zweimal Gold und dreimal Silber. Es waren ihre letzten Medaillen bei Großereignissen.

Von nun ist Schaffelhuber so gut wie möglich Privatmensch. Jetzt zählen die Familie und der Beruf.

Anna Schaffelhuber hat im Alter von 26 Jahren ihre sportliche Karriere beendet.
Anna Schaffelhuber hat im Alter von 26 Jahren ihre sportliche Karriere beendet.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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