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Drei getötete Jugendliche kommen aus befreundeten Familien

München - Ein Mann schießt an einem Einkaufszentrum in München um sich, tötet neun Menschen und richtet sich selbst. Warum? Nach einer Nacht im Ausnahmezustand sind noch viele Fragen offen.
Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä trat in der Nacht vor die Presse.
Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä trat in der Nacht vor die Presse.

München - Die Bluttat in einem Münchner Einkaufszentrum mit insgesamt zehn Toten war der Amoklauf eines vermutlich psychisch kranken Einzeltäters - einen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gibt es nicht.

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte am Samstag in München weiter, es gebe keinerlei Hinweise, dass mehr als der eine Täter aktiv gewesen seien.

Der 18-Jährige habe sich anschließend selbst getötet. Die Ermittler sehen einen möglichen Zusammenhang mit den Morden des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren.

Der Täter hatte nach ersten Erkenntnissen von Ermittlern eine Erkrankung "aus dem depressiven Formenkreis".

Die aktuelle Lage im Liveticker

18:30 Uhr: Drei der neun Opfer stammen aus Familien aus dem Kosovo, die sich kannten und nahestanden. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) korrigierte aber seine anfängliche Mitteilung, es handele sich um drei Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren aus einer einzigen Familie. BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Familien vom Roten Kreuz psychologisch betreut werden. Als Reaktion darauf hat der Präsident Kosovos, Hashim Thaci, für Sonntag Staatstrauer angeordnet.

15:43 Uhr: Wie ein Schulkamerad von Ali David S. gegenüber Bild erklärte, sei dieser fasziniert von dem Massenmörder Anders Breivik gewesen sein. Er hätte sogar dessen Foto als Profilbild bei Whatsapp gehabt.

15:29 Uhr: Die Ermittler wollen vorerst keine Nationalität der Opfer nennen. "Ich halte mich an die Grundsatzlinie, dass wir die Nationalitäten erst angeben, wenn dies abschließend mit den Familienangehörigen abgesprochen ist", sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. "Opferschutz hat hier allerhöchste Priorität."

14:46 Uhr: Bei dem Täter soll es sich um Ali David S. handeln, einen 18-jährigen Schüler. Er ist in München geboren und aufgewachsen. Die Ermittler haben in seiner Wohnung Bücher über Amokläufe gefunden.

Eines hieß: "Amok im Kopf. Warum Schüler töten". Er habe sich intensiv mit dem Thema befasst. Die Verbindung zu Breivik "liegt auf der Hand", sagte Polizeipräsident Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

Es gebe bisher keine Hinweise, dass sich der Täter mit dem Anschlag in einem Regionalzug am Montagabend in Würzburg beschäftigt habe, sagte Andrä weiter. Auch ein Abschiedsbrief des Mannes sei bisher nicht gefunden worden. Das könne sich aber noch ändern.

14.40 Uhr: Nach 20 Stunden meldet sich Kanzlerin Angela Merkel (61, CDU). Sie hat sich nach dem Amoklauf von München mit insgesamt zehn Toten geschockt gezeigt und zugleich die Einsatzkräfte für ihre "hoch professionelle" Arbeit gelobt.

"Sie waren und sind im besten Sinne Helfer und Beschützer der Bürgerinnen und Bürger", sagte Merkel am Samstagnachmittag in Berlin. Deutschland trauere "mit schweren Herzen um die, die nie mehr zu ihren Familien zurückkehren werden", sagte sie. Nun gehe es darum, die Tat vollständig aufzuklären.

14:23 Uhr: Die Tat war der Amoklauf eines vermutlich psychisch kranken Einzeltäters - einen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gibt es nicht. Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte am Samstag in München weiter, es gebe keinerlei Hinweise, dass mehr als der eine Täter aktiv gewesen seien. Die Ermittler sehen einen möglichen Zusammenhang mit den Morden des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren.

13:50 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat den Staatsempfang zum Beginn der Bayreuther Festspiele am Montag wegen des Amoklaufes abgesagt. Ein Trauerakt im Bayerischen Landtag ist am nächsten Sonntag geplant, so lange bleiben die bayerischen Minister allen Festen fern.

13:47 Uhr: Die Münchner Polizei wird weltweit für ihre Informationspolitik gelobt. Vor allem Pressesprecher Marcus da Gloria Martins begeisterte das Netz.

13:35 Uhr: Paulus Son legt am Tag nach dem blutigen Amoklauf Blumen am Eingang der U-Bahn Olympia-Einkaufszentrum nieder. Seine Tochter arbeitet im Einkaufszentrum und ist unverletzt geblieben.

12:52 Uhr: Ungeachtet des Anschlags in München wird der Christopher-Street-Day am Samstag in Berlin gefeiert. "Die Sicherheitsmaßnahmen sind auf einem hohen Niveau", sagte eine Polizeisprecherin. Die Organisatoren rechneten mit rund 750.000 Menschen.

12:46 Uhr: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gedenken am Samstag der Toten des Anschlags vom Freitagabend. Seehofer werde am Nachmittag (14.00 Uhr) am Tatort sein.

12:33 Uhr: Die Ermittler gehen von einem Zusammenhang mit dem Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik (Foto) aus. "Diese Verbindung liegt auf der Hand", sagt Polizeipräsident Hubertus Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

12:23 Uhr: Viele Todesopfer waren minderjährig. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Die weiteren Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen.

12:08 Uhr: Die Polizei prüft eine gehackte Facebook-Einladung an den Tatort. "Es spricht vieles dafür, dass das vom Täter eingerichtet wurde." Der Täter soll sich wegen Depression in psychiatrischer Behandlung befunden haben.

11:59 Uhr: Die Tatwaffe war eine Glock mit herausgefeilter Nummer. Im Rucksack befand sich noch mehr Munition. Der Täter ist durch einen aufgesetzten Schuss gestorben. Die Polizei geht von einem Suizid aus.

11:54 Uhr: Münchens Polizeipräsident Andrä äußert sich auf einer Pressekonferenz: "Es ist eindeutig, dass wir es mit einem Einzeltäter zu tun haben. Tat und Täter haben überhaupt keinen Bezug zum Thema Flüchtlinge. Der Täter hat sich intensiv mit dem Thema Amok beschäftigt." Die Polizei hat die Wohnung des Täters durchsucht. Ein Bezug zum Thema IS hat sich daraus nicht ergeben.

11:50 Uhr: sueddeutsche.de hat sich über den offenbar unauffälligen Täter bei den Nachbarn erkundigt und berichtet über das Gerücht, dass der Täter Opfer in an den Tatort gelockt haben soll.

11:49 Uhr: Laut tagesschau.de sind die Todesopfer acht Menschen zwischen 14 und 21 Jahren und eine 45-jährige Frau.

11:28 Uhr: Der Attentäter von München soll sich viel mit Computer-"Ballerspielen" beschäftigt und den Attentäter des Amoklaufs von Winnenden verherrlicht haben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Sicherheitskreisen. Er sei in Deutschland groß geworden, seine Eltern seien in den 90er Jahren in die Bundesrepublik gekommen. Die Motive für die Bluttat seien noch unklar.

11:08 Uhr: Naim Zabergja steht mit einem Foto seines getöteten Sohnes Dijamant vor Medienvertretern am Olympia-Einkaufszentrum. Unter den Opfern befinden sich insgesant fünf Jugendliche. Dies sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Die vier anderen Toten außer dem mutmaßlichen 18 Jahre alten Todesschützen seien Erwachsene, ergänzte der Sprecher.

11:04 Uhr: Wie viele andere Feste in München wurde auch das Fanfest der Löwen für heute abgesagt.

10:32 Uhr: Vor dem Bundeskanzleramt wehen Deutschland- und Europaflagge auf Halbmast. Um 12:30 Uhr berät hier das Sicherheitskabinett über die Schießerei in München. Mit dabei: BND, BKA und Verfassungsschutz. Bundesinnenminister Thomas de Maizière trifft sich bereits um 11:00 Uhr mit den Chefs der Sicherheitsbehörde

09:56 Uhr: Die Polizei sichert am Samstag morgen Beweise aus einer Wohnung in der Dachauer Straße in München.

09:29 Uhr: Die Website BuzzFeed dokumentiert Falschmeldungen, die im Zusammenhang mit der Schießerei in sozialen Netzwerken verbreitet werden.

09:16 Uhr: Der Bayerische Rundfunk hat ein Video des nächtlichen Polizeieinsatzes im Münchner Stadtteil Maxvorstadt veröffentlicht. Ein Zusammenhang mit dem Angriff im OEZ wird von der Polizei weder bestätigt noch dementiert.

08:55 Uhr: Ein Mann stellt eine Kerze am Zugang zur U-Bahnstation Olympia-Einkaufszentrum auf. Die Trauer in München ist groß.

08:51 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich vom Anschlag in München "tief erschütter" gezeigt. Die "brutale und menschenverachtende Tat" erfülle alle "mit Trauer und Schrecken", sagte er in einer Mitteilung von Samstagmorgen. Die Gedanken seien bei Opfern und Angehörigen.

08:45 Uhr: Die Polizei hat am Samstagmorgen eine Wohnung im Stadtteil Maxvorstadt durchsucht. Das mehrstöckige Wohnhaus wurde weiträumig abgesperrt, Ermittler trugen Kartons aus dem Haus. Nicht bestätigen wollte die Polizei zunächst, dass der Einsatz der Wohnung des Täters oder der Wohnung von dessen Vater gegolten habe.

08:35 Uhr: Der Münchner Nahverkehr läuft wieder normal - Ausnahme: Die Haltestelle Olympia Einkaufszentrum wird nach Informationen der Polizei nicht angefahren.

Was wir wissen und was wir nicht wissen!

Die Polizei war schnell mit einem Großaufgebot vor Ort. 2300 Beamte waren im Einsatz.
Die Polizei war schnell mit einem Großaufgebot vor Ort. 2300 Beamte waren im Einsatz.

Von weiteren Tätern geht die Polizei inzwischen nicht mehr aus. Am Freitagabend wurde zeitweise nach drei möglichen Tätern mit Gewehren gefahndet.

Weiter ungeklärt sind am Samstagmorgen die Hintergründe der Bluttat und das Motiv. War es ein Terrorakt oder ein Amoklauf? Polizeipräsident Andrä sagt: "Wir gehen momentan von einer Schießerei aus." Bis in die frühen Morgenstunden gibt es keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund.

Es gibt in der Nacht noch nicht viele Informationen zum mutmaßlichen Täter. Der Deutsch-Iraner soll zuletzt mehrere Jahre in der bayerischen Landeshauptstadt gelebt haben. Der Polizei war er bislang noch nicht aufgefallen.

Sie geht aber davon aus, dass es sich bei einem Mann, der auf einem im Internet kursierenden Video auf einem Parkdeck zu sehen ist, um den Täter handeln könnte. Polizeipräsident Andrä ruft die Bevölkerung noch einmal auf, den Ermittlern mögliche weitere Handy-Videos vom Tatort zur Verfügung zu stellen. Dies helfe dabei, den Ablauf der Tat zu klären.

Blumen liegen am Sonnabend am Zugang zur U-Bahnstation Olympia-Einkaufszentrum, den die Polizei nach einer Schießerei am Vortag abgesperrt hat.
Blumen liegen am Sonnabend am Zugang zur U-Bahnstation Olympia-Einkaufszentrum, den die Polizei nach einer Schießerei am Vortag abgesperrt hat.

Nach den Schüssen am Olympiazentrum war in manchen Teilen der Stadt Panik ausgebrochen in Teilen der Stadt. Das Hauptaugenmerk habe nach den Schüssen vor allem darauf gelegen, die Sicherheit in München zu gewährleisten, sagt Andrä.

Darum warnte die Polizei am Freitagabend vor einer "akuten Terrorlage", die Landeshauptstadt rief den "Sonderfall" wegen einer "Amoklage" aus. Und: Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an.

Der öffentliche Nahverkehr - U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen - wurde in der Stadt für mehrere Stunden komplett eingestellt, auch der Zugverkehr stand still. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert, Ärzte und Schwestern wurden in die Krankenhäuser gerufen. Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen.

Mehrere Fehlalarme und Gerüchte im Internet sorgten für zusätzliche Angst auf den Straßen. Unklar war anfangs, ob es in der Innenstadt eine weitere Attacke gab. Auch dort rückten schwer bewaffnete Polizisten aus, nachdem Menschen schreiend und in Panik geflohen waren.

Ein Polizeisprecher sagte später, zahlreiche Hinweise per Notruf über Schusswechsel an anderen Stellen der Stadt hätten sich nicht bestätigt.

Auch das Areal um das McDonald's-Restaurant, wo der Täter am Freitag die tödlichen Schüsse abgab, bleibt am Sonnabend abgesperrt.
Auch das Areal um das McDonald's-Restaurant, wo der Täter am Freitag die tödlichen Schüsse abgab, bleibt am Sonnabend abgesperrt.
Rettungskräfte sitzen in der Nacht an der Kreuzung am Georg-Brauchle-Ring nahe dem Einkaufszentrum, in dem Schüsse gefallen sind.
Rettungskräfte sitzen in der Nacht an der Kreuzung am Georg-Brauchle-Ring nahe dem Einkaufszentrum, in dem Schüsse gefallen sind.
Mehrere Spezialeinsatzkommandos, auch aus anderen Bundesländern, wurden nach München beordert.
Mehrere Spezialeinsatzkommandos, auch aus anderen Bundesländern, wurden nach München beordert.

Fotos: dpa

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