Anschlag in Halle: Polizei verlor Stephan B. eine Stunde aus den Augen

Halle (Saale) - Die Polizei hat den Attentäter von Halle, Stephan B., bei seiner Flucht eine Stunde lang aus den Augen verloren. Das berichteten am Montag mehrere Landtagsabgeordnete aus einer Sondersitzung des Innenausschusses in Magdeburg.

Blumen und Kerzen auf dem Marktplatz in Halle im Gedenken an die Opfer des Halle-Anschlags.
Blumen und Kerzen auf dem Marktplatz in Halle im Gedenken an die Opfer des Halle-Anschlags.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Schließlich sei es zwei Revierpolizisten aus Zeitz gelungen, den Täter festzunehmen, sagte SPD-Innenexperte Rüdiger Erben. Anders als bisher angenommen seien es nicht Spezialkräfte gewesen, die Stephan B. stellten.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hatte am Montag mit seinem Team ausführlich Auskunft zum Polizeieinsatz am Tattag gegeben.

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass die Polizei vieles richtig und wenig falsch gemacht habe, sagte Erben. Den Vorwurf, die Polizei sei mit zu wenig Einsatzkräften vor Ort gewesen, halte er für entkräftet. Tatsächlich seien mehrere Funkstreifenwagen schnell vor Ort gewesen.

Der schwer bewaffnete Neonazi Stephan B. (27) hatte am vergangenen Mittwoch versucht, in die mit mehr als 50 Gläubigen besetzte Synagoge zu gelangen.

Als das scheiterte, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und kurz darauf einen 20 Jahre alten Mann in einem nahen Dönerladen (TAG24 berichtete). Auf seiner Flucht verletzte der Schütze ein Ehepaar schwer.

B. sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft und hat die Tat aus antisemitischen und rechtsextremen Motiven gestanden (TAG24 berichtete).

Die Opposition hielt sich mit Kritik nach der Sondersitzung zurück, sieht aber noch Aufklärungsbedarf. Weiterhin sei die Frage nicht geklärt, warum der Täter aus Halle flüchten konnte, sagte die Linken-Innenexpertin Henriette Quade.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht hatte am Montag ausführlich Auskunft zum Polizeieinsatz am Mittwoch gegeben.
Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht hatte am Montag ausführlich Auskunft zum Polizeieinsatz am Mittwoch gegeben.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB

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