Aus Angst vor Antifa-Demo: Bürger verbarrikadieren sich

Andreas Blechschmidt veranstaltete bereits die "Welcome to Hell"-Demo. Er meldete auch die Kundgebung in Wurzen an.
Andreas Blechschmidt veranstaltete bereits die "Welcome to Hell"-Demo. Er meldete auch die Kundgebung in Wurzen an.  © DPA

Wurzen - Eine Stadt hat Angst! Händler verbarrikadieren ihre Läden mit Holzverschlägen, Anwohner rüsten sich mit Feuerlöschern aus. Doch kommt's am Demo-Samstag wirklich so schlimm wie befürchtet?

Das Bündnis "#irgendwoindeutschland" hat für Sonnabend ab 15 Uhr zur Demo in Wurzen aufgerufen. Zum Tag der Sachsen organisieren sich linke Bündnisse unter der Federführung von Andreas Blechschmidt.

In einem Aufruf schreiben die Veranstalter: "Wir werden am 'Tag der Sachsen', der dieses Jahr in Löbau bei Dresden gefeiert wird, mit euch nach Wurzen fahren. Statt dort hinzugehen, wo sich staatliche Akteure als schöneres, weltoffeneres Sachsen oder Deutschland inszenieren, wollen wir mit euch an einen Ort fahren, der exemplarisch für die rassistische Normalität in Sachsen steht."

Blechschmidt, Organisator der Wurzen-Demo, zeigte sich schon für die völlig aus dem Ruder geratene "Welcome to Hell" als Verantwortlicher, ist zudem Sprecher des linken Zentrums "Rote Flora".

Auf der Bahnhofstraße machte ein Anwohner die Schotten schon am Freitag dicht.
Auf der Bahnhofstraße machte ein Anwohner die Schotten schon am Freitag dicht.  © fotojump/Frank Schmidt

Entsprechend besorgt äußerten sich Wurzener Einzelhändler am Freitagmittag.

So auch eine Mitarbeiterin eines Modegeschäfts am Jacobsplatz. "Wir haben alle Angst", sagt die Frau, die gerade ihre urlaubende Chefin vertritt und lieber anonym bleiben will.

Den Laden zu verbarrikadieren, kommt für die Aushilfe allerdings nicht in Frage. Da ginge zu viel an der Fassade kaputt, so die besorgte Modeverkäuferin.

Wie viel unbestätigter Buschfunk unter den Wurzener Bürgern für möglicherweise auch unangebrachte Ängste sorgt, kann nur vermutet werden. Brigitte Laux, Sprecherin des Landkreises Leipzig, mahnt deshalb zu Gelassenheit.

"Wir gehen nach wie vor von einer friedlichen Demonstration aus. Der Veranstalter zeigte sich äußerst kooperativ. Außerdem gab es zu keiner Zeit Hinweise auf Gewaltanwendung", ordnete Laux ein. Unwägbarkeiten gebe es allerdings immer, so die Pressesprecherin.

Wegen der Demo wird am Samstag auf mehreren Straßen Parkverbot herrschen.
Wegen der Demo wird am Samstag auf mehreren Straßen Parkverbot herrschen.  © fotojump/Frank Schmidt

Dennoch ist auch andernorts die Stimmung in Wurzen ernst.

"Kunden erzählten gerade, sie würden sich mit Feuerlöschern ausrüsten", berichtet die Geschäftsinhaberin von Optiker Rost Andrea Rost-Röglin. Die Ehefrau von Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin fürchtet um ihr Lebenswerk am Badegraben, sieht allerdings ebenfalls vom Schaufensterschutz ab.

"Werbeschilder und Fahrradständer werden aber vorsorglich abgeschraubt. Auch die Blumentröge bringen wir noch in Sicherheit", so Rost-Röglin.

Nichts als Unverständnis gegenüber dem Landratsamt hat hingegen Fritz Schönemann übrig. Er kann nicht nachvollziehen, warum die Demo überhaupt zugelassen wurde.

Zwar ist seine Eisdiele am Markt Sonnabends ohnehin geschlossen. Angst hat Schönemann trotzdem.

Bilder, die derzeit in Wurzen in aller Munde sind. Chaoten feuern eine Barrikade im Hamburger Schanzenviertel während der G-20-Proteste an.
Bilder, die derzeit in Wurzen in aller Munde sind. Chaoten feuern eine Barrikade im Hamburger Schanzenviertel während der G-20-Proteste an.  © DPA

"Wenn man sieht, was in Hamburg passiert ist und weiß, dass die gleichen Chaoten jetzt nach Wurzen kommen...", so der Eisverkäufer.

Was Schönemann nicht weiß: Die Demo des linken Bündnisses wurde schon vor den Ausschreitungen rund um den G-20-Gipfel angemeldet, hat auch inhaltlich nichts mit den Forderungen von damals zu tun.

Zwischenzeitlich dürfte sich die Lage unter den Wurzener Einzelhändlern ein wenig entspannt haben. Das Landratsamt gab am Freitagmittag bekannt, dass zwei kurzzeitig angemeldete Demos zurückgezogen wurden.

Darunter auch eine aus dem rechtsextremen Lager. Ob die Parteien am Sonnabend dennoch gewaltfrei aufeinander treffen werden, bleibt abzuwarten.

Sprecher Alexander Bertram von der Leipziger Polizei versichert jedenfalls: "Wir sind vorbereitet."

Ein Sonnenstudio auf der Bahnhofsstraße ist ebenfalls verbarrikadiert und bereits beschmiert worden.
Ein Sonnenstudio auf der Bahnhofsstraße ist ebenfalls verbarrikadiert und bereits beschmiert worden.  © Frank Schmidt

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