Tinder fürs Ehrenamt? Mit dieser neuen App kannst Du leicht Gutes tun

München - Vereine klagen über fehlende Ehrenamtliche, zugleich wissen viele Menschen nicht, wo und wie sie sich engagieren können. Um beide Gruppen zusammenzubringen, setzt ein junges Team aus Bayern alles auf eine Karte, beziehungsweise App.

Die beiden App-Entwickler Ludwig Petersen und Paul Bäumler halten zwei Mobiltelefone mit ihrer selber entwickelten App auf dem Display in den Händen.
Die beiden App-Entwickler Ludwig Petersen und Paul Bäumler halten zwei Mobiltelefone mit ihrer selber entwickelten App auf dem Display in den Händen.  © Peter Kneffel/dpa

Um beide Gruppen zusammenzubringen, setzen Paul Bäumler und Ludwig Petersen (beide 20) auf >>"letsact": Eine App, die schnell, jederzeit aktuell, übersichtlich und ohne bürokratische Hürden potenzielle Freiwillige mit Organisationen, Vereinen und Verbänden verkuppelt. Eine Art Tinder fürs Ehrenamt sozusagen.

Nach einer Pilotphase erst in München und dann in den sieben größten Städten Deutschlands wird das Angebot nun bundesweit ausgeweitet.

Die Zielgruppe ist groß: Knapp 60 Prozent aller Menschen, die sich nicht ehrenamtlich engagieren, sind dem >>Deutschen Freiwilligensurvey des Bundesfamilienministeriums zufolge grundsätzlich dazu bereit.

Vor allem Jugendliche und Erwachsene bis zum mittleren Alter können sich vorstellen, ihre Zeit ohne Bezahlung für gute Zwecke zu opfern und ihre Expertise einzubringen. Genau auf diese Altersgruppe zielt "letsact": Im Gegensatz zu vielen anderen Apps, bei denen lediglich schwerfällige Datenbanken hinterlegt sind, hat sie die üblichen Funktionen sozialer Medien.

"Wir haben jetzt über 10.000 Nutzer, die aktiv nach Projekten suchen, und über 200 Organisationen", berichtete Petersen. Mehr als 3000 Vermittlungen habe es bereits gegeben. Ziel sei es, bis Jahresende bundesweit ein flächendeckendes Angebot bereitzustellen und 50.000 aktive Nutzer zu haben.

"Letsact" spricht vor allem junge Leute an, die sich engagieren möchten

Die beiden App-Entwickler Ludwig Petersen (l) und Paul Bäumler weiten die Ehrenamt-App nun bundesweit aus.
Die beiden App-Entwickler Ludwig Petersen (l) und Paul Bäumler weiten die Ehrenamt-App nun bundesweit aus.  © Peter Kneffel/dpa

"Bei uns kommt das Wort "Ehrenamt" erstaunlich selten vor, weil wir dem ganzen Bereich ein anderes Image verleihen wollen. Es ist ja voll cool, anderen zu helfen, da hat man einen riesen Impact", erklärt Petersen.

Doch mit "Ehrenamt" assoziierten die meisten, dass man sich für vier, fünf Jahre binden müsse.

"Das müsste eigentlich voll zünden. Das ist die Form und das Format, auf das die jungen Leute gewartet haben", findet Klaus Hurrelmann, Mitautor der renommierten Shell-Jugendstudien.

Studien zufolge mieden die 15- bis 25-Jährigen nämlich zunehmend große, schwerfällige Organisationen wie die Parteien und die Kirchen, aber auch große Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace oder Amnesty International, die früher hoch im Kurs waren.

"Die Barriere liegt einmal natürlich in der inneren Motivation - warum soll man das tun, was hat man davon? Aber es liegt auch in der Sorge, dass man da in eine Apparatur hineinkommt, in eine Bürokratie, und wenn man dann noch in irgendeiner Form Mitglied sein muss, hört der Spaß auf, denn alle Jungen haben Angst, als Mitglied ein Leben lang gebunden zu sein", erläutert Hurrelmann. Die Organisationen müssten den Freiwilligen deshalb das Gefühl geben, dass sie selbst die Dinge in der Hand hätten und etwas bewirken könnten - am besten in möglichst kleinen Strukturen.

Die Gründer reden deshalb gern vom Volunteering - und ermutigen die Organisationen, auch kürzere, zeitlich klar abgegrenzte Projekte in der App anzubieten. So könne jeder sich einbringen, auch wenn er nur einige wenige Stunden Zeit übrig habe.

Sich selbst nehmen die Gründer dabei übrigens nicht aus. Ihr Ziel ist es, alle zwei Monate an einem Projekt teilzunehmen. Schließlich lernten sie dabei nicht nur viel für ihre Arbeit an der App, sondern hätten auch eine Menge Spaß.

Etwa beim Raften auf der Isar. Damals hat Bäumler gesunkene Plastikboote rausgefischt, die von ihren Besitzern einfach zurückgelassen worden waren.


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