Geschönte Arbeitslosen-Statistik: So viele Menschen sind wirklich ohne Job

Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen ist im März auf 2,301 Millionen gesunken. Das ist der niedrigste Wert zum Frühlingsbeginn seit März 1991. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent.

Viele Menschen, die faktisch ohne feste Arbeit sind werden von der Arbeitslosenstatistik nicht erfasst.
Viele Menschen, die faktisch ohne feste Arbeit sind werden von der Arbeitslosenstatistik nicht erfasst.  © DPA

Das sagt zumindest die offizielle Statistik. Und im Vergleich zu den vergangenen Statistiken kann dies natürlich auch als positive Tendenz gewertet werden. Allerdings gibt es an der Erhebung der Arbeitslosenzahlen massive Kritik. Denn Hunderttausende Menschen werden gar nicht erfasst.

Das kritisieren beispielsweise Die Linke, sie werfen der Regierung seit Jahren vor, die Arbeitslosenzahlen schön zu rechnen. Auch Arbeitsagentur-Vorstand Valerie Holsboer kritisierte bereits, dass die Arbeitslosenstatistik kein transparentes Bild vom Arbeitsmarkt wiedergeben würde.

Denn in der Statistik tauchen unter anderem folgende Gruppen gar nicht erst auf:

  • Menschen in Weiterbildungsmaßnahmen,
  • Ein-Euro-Jobber,
  • Arbeitslose, die älter als 58 Jahre sind,
  • Arbeitslose, die sich krank gemeldet haben,
  • Teilnehmer an Förderung- und Wiedereingliederungsprogrammen,
  • alle jene, die ohne Job sind, sich aber nicht arbeitslos melden.
Jeden Monat veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitslosenstatistik.
Jeden Monat veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitslosenstatistik.  © DPA

In der Summe sind das mehr als 900.000 Personen, die zwar keinem sozialversicherungspflichtigen Job nachgehen, dennoch nicht als arbeitslos gelten.

Deshalb lohnt es sich in der monatlich veröffentlichten Statistik der Bundesagentur für Arbeit nicht nur auf die Arbeitslosenquote zu schauen, sondern auf die darin ebenfalls veröffentlichte Unterbeschäftigungsquote.

Bei dieser werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch alle jene erfasst, die sich in einer Fördermaßnahme befinden, sowie krank gemeldete Arbeitslose, Selbständige, die noch vom Gründerzuschuss leben, aber auch Kurzarbeiter und Beschäftigte in Altersteilzeit.

Demnach waren im März 2019 3,254 Millionen Menschen unterbeschäftigt, was im Vergleich zum Vormonat einen Rückgang von 185.000 bedeutet.

Hinzu kommt, dass nach Auffassung des Bundesrechnungshofs sogar die offizielle Arbeitslosenstatistik zu niedrig ausfällt. Die Statistik sei falsch oder unvollständig geführt, weil sich die Jobcenter zu wenig um die Hartz-IV-Empfänger kümmern würden und dadurch deren Akten schlampig erfasst werden, berichtete vor kurzem die Bild. Dadurch würden nach Schätzungen des Bundesrechnungshofs bei jeder Statistik mehr als 100.000 Arbeitslose aus der Statistik fallen.

Rechnet man diese Zahl noch hinzu, waren im März 2019 faktisch eine Million Menschen mehr arbeitslos, als in der offiziellen Statistik angegeben, was knapp 3,4 Millionen Arbeitslosen entspricht.

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