Er ist wieder da: Warum jetzt die Honecker-Schwemme?

Die wahre Figur "Journalist" Mark Pittelkau (Max Bretschneider, 27, re.) auf der Suche nach Honecker (Martin Brambach).
Die wahre Figur "Journalist" Mark Pittelkau (Max Bretschneider, 27, re.) auf der Suche nach Honecker (Martin Brambach).  © ARD Degeto/Fréderic Batier

Dresden - Zum Tag der Einheit brachte das Erste zur Primetime den Spielfilm "Willkommen bei den Honeckers". Es sollte wohl eine Komödie sein...

Honeckers letzte Tage landen immerhin quotentechnisch mit 3,8 Millionen Zuschauern und 11 Prozent Marktantei auf dem ersten Platz.

Der gebürtige Dresdner Martin Brambach, jüngst als bester Nebendarsteller ("Der Fall Barschel") geehrt, mimt den tattrigen Honecker solide.

Die (leider blasse) Hauptrolle spielt Max Bretschneider (27). Thema der "wahren" Story: Auf der Jagd nach einem Interview mit Erich Honecker (Martin Brambach) macht sich im Jahr 1991 ein Kellner auf den Weg zum letzten Wohnort der Honeckers - dem kranken Ex-SED-Generalsekretär samt Gattin Margot (Johanna Gastdorf) nach Santiago de Chile.

Die Weltpresse giere schließlich nach dem letzten Interview. Der Kellner ohne Abitur will unbedingt Boulevardjournalist werden. Das schafft er letztend auch - er arbeitet nach Stationen in Hamburg heute in Berlin für die Bild. Sein echter Name: Mark Pittelkau. So kurz zum Thema der Honecker-"Komödie".

Anerkennung verdient die Figur der Margot Honecker. Nach einigen Absagen ostdeutscher Schauspielerinnen sagte schließlich Johanna Gastdorf zu. Sie versteht die Absagen ihrer Kolleginnen:

"Das kann ich absolut nachvollziehen. Wer Margot Honeckers skrupellose Politik, das große Leid, das sie so vielen Menschen zugefügt hat, unmittelbar miterlebt hat, wird verständlicherweise nicht akzeptieren, wenn nur ihr letzter Lebensabschnitt beleuchtet wird", erklärt sie gegenüber der Bild.

Einen ganzen Film über Margot Honecker hätte sie abgelehnt: Schauspielerin  Johanna Gastdorf. Er habe keine Sekunde gezögert: Martin Brambach.
Einen ganzen Film über Margot Honecker hätte sie abgelehnt: Schauspielerin Johanna Gastdorf. Er habe keine Sekunde gezögert: Martin Brambach.  © ARD Degeto/Fréderic Batier

Einen ganzen Film über Margot Honecker hätte sie abgelehnt: "Hätte man zum Beispiel in einem abendfüllenden Film über ihr Leben eine im Grunde herzenswarme Margot Honecker gezeigt und ihr wahres Gesicht nicht ausreichend beleuchtet, würde ich nur sehr ungern, im wahrsten Sinne, ‚meinen Kopf hinhalten‘."

Zurück zu Brambach: Martin Brambach kann mehr als "Tatort" Dresden. In zwei berühmten wie erfolgreichen Kinofilmen zur DDR-Geschichte, Wolfgang Beckers "Good Bye, Lenin!" (2003) und Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Thriller "Das Leben der Anderen" (2006) war er zu sehen.

Er habe keine Sekunde gezögert, die Honecker-Rolle zu übernehmen, sagt Brambach: "Wie kommt jemand dazu, so zu werden, was ist das korrumpierende Element von Macht? Das Interessante an Honecker ist ja, dass er daran geglaubt hat, was er macht."

Erich Honecker ist lange tot. Jetzt gibt es eine relativ ernsthafte Biografie von Martin Sabrow, einem Potsdamer Historiker. Erschienen im C.H. Beck Verlag.

Auch im Kino läuft Honecker wieder "rund": Im Oktober ist Erich Honecker wieder da. Jörg Schüttauf spielt ihn als Doppelgänger, um bei der Leipziger Großdemonstration von 1989 zu verhindern, dass geschossen und das Volk von Panzern überrollt wird wie in China. "Vorwärts immer!" heißt der Film - wieder eine Komödie.

Wer den Film verpasst hat, kann sich >> hier überzeugen, wie echt Brambach den Genossen gibt.


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