Nach "moralischem Gutachten": ARD schreibt weitere "Klarstellung"

München/Berlin - Das "Experten-Framing-Papier", das der MDR bereits vor zwei Jahren in Auftrag gab, sorgt noch immer für Wirbel. Nun äußert sich die ARD nochmals, um es zu erklären.

Das 89-seitige Gutachten wird noch immer kritisiert.
Das 89-seitige Gutachten wird noch immer kritisiert.  © ARD

In dem an ARD-Mitarbeiter gerichteten Gutachten steht umfangreich beschrieben, wie manche, "moralische" Sichtweise in die öffentliche Debatte eingebracht werden könne (TAG24 berichtete), um das Ansehen des öffentlichen Senders zu verbessern.

In dem 89-seitigen >> Paper gibt es unter anderem auch Anweisungen mit "moralischem Framing". Die Hamburger Kognitionsforscherin Elisabeth Wehling (38) hat dieses Gutachten geschrieben. Ziel sei, wieder mehr Menschen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu überzeugen.

Die ARD reagiert nun auf die zahlreiche Kritik an dem Experten-Schreiben.

"Aufgrund des missverständlichen Titels ist diesem von Frau Dr. Wehling entworfenen Papier nun allerhand Bedeutung zugeschrieben worden", schreibt die >> ARD als "Klarstellung" auf ihrer Homepage. "Es handelt sich ausdrücklich weder um eine neue Kommunikationsstrategie noch um eine Sprach- oder gar Handlungsanweisung an die Mitarbeitenden, sondern um Vorschläge aus sprachwissenschaftlicher Sicht."

Schließlich solle es Mitarbeitern "als Diskussionsgrundlage und Denkanstoß" zur Verfügung gestellt werden. Desweiteren sei "die Unterlage von Frau Dr. Wehling zur Weitergabe völlig ungeeignet".

Es gehe um "verantwortungsvollen Umgang mit Sprache"

Frau Dr. Susanne Pfab (ARD-Generalsekretärin) schreibt einer weitere Klarstellung.
Frau Dr. Susanne Pfab (ARD-Generalsekretärin) schreibt einer weitere Klarstellung.  © ARD/Thorsten Eichhorst

Das Gutachten jedoch erfüllt weniger eine sachliche Argumentation, sondern vielmehr die emotionale und moralische, so zumindest die Meinung vieler Kritiker. Es ginge nicht darum, wie man Framing vermeidet, sondern wie man es "wirkkräftig" einsetze.

Es sei sinnvoll, "über sprachliche Formulierungen auch die dahinterstehenden Werte offenzulegen", stellt die ARD-Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab klar. "Die Formulierung 'öffentlich-rechtlicher Rundfunk' enthält beispielsweise keinerlei inhaltliche Aussage, außer die rechtliche Organisationsform zu benennen. 'Unser gemeinsamer freier Rundfunk' (UGFR) weise hingegen auf "den gemeinwohlorientierten Auftrag der ARD für die gesamte Gesellschaft hin".

Sie verteidigt auch den Passus, in dem private "Medienanbieter, die ein kommerzielles Geschäftsmodell verfolgen, auch als 'kommerziellen Rundfunk' zu bezeichnen". Das ist für sie "konsequent und stimmig." Die Begriffe "medienkapitalistische Heuschrecken", "Profitzensur" oder "ungezügelter Rundfunkkapitalismus" lehnt die ARD-Frau jedoch ab.

Am Ende der "Klarstellung" heißt es: "In dem Workshop-Angebot für Mitarbeitende geht es darum, für den verantwortungsvollen Umgang mit Sprache zu sensibilisieren."

Update 1: Das sagt ARD-Chefredakteur Rainald Becker

"Netzpolitik.org" hatte das Papier ins Internet gestellt. "Ich finde es okay, dass 'netzpolitik.org' es veröffentlicht hat", sagte ARD-Chefredakteur Rainald Becker am Dienstag. "Wir hätten es aber selbst veröffentlichen sollen, dann hätte jeder sich ein Bild davon machen können. Wir haben nichts zu verbergen."

Die Reaktionen auf das "Framing Manual" hält er für überzogen: "Ich kann da keinen Skandal entdecken, wie einige das getan haben. Wir haben niemanden unter Mindestlohn bezahlt, wir haben niemanden unterdrückt. Ich finde das eine künstlich aufgeblasene Diskussion."

Update 2: 120.000 Euro

120.000 Euro hat die ARD für ihr Framing-Manual ausgegeben. Einen Anteil von 90.000 Euro für das Papier und begleitende Workshops habe der MDR übernommen, der zur damaligen Zeit den Vorsitz der Anstalt inne hatte. Die restlichen Kosten habe das Generalsekretariat für Folgeworkshops ausgegeben.

Ihr Paper Experten-Paper sorgt für Wirbel: Die Hamburgerin Elisabeth Wehling (38) ist Kognitionsforscherin und hatte das Gutachten für die ARD geschrieben.
Ihr Paper Experten-Paper sorgt für Wirbel: Die Hamburgerin Elisabeth Wehling (38) ist Kognitionsforscherin und hatte das Gutachten für die ARD geschrieben.  © DPA

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