Wegen Islam-Debatten: Droht allen Talkshows das Aus?

Berlin - Zu viel "Islam"? Geht es nach dem Deutschen Kulturrat, sollen ARD und ZDF eine Sendepause für Talkshows einlegen. Der ARD-Chefredakteur reagiert sofort.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates - er macht Talkshows für AfD-Erfolge verantwortlich.
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates - er macht Talkshows für AfD-Erfolge verantwortlich.  © DPA

Geht es nach dem >> Deutschen Kulturrat, sollen ARD und ZDF lieber eine einjährige Unterbrechung für politische Unterhaltungen einlegen... In dieser Zeit sollten die Macher ihre Konzeptionen überarbeiten - das zumindest fordert der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann.

Er erkenne eine "einseitige Themensetzung in den Sendungen". Seit 2015 habe es bei ARD und ZDF mehr als 100 Talkshows über "Flüchtlinge und den Islam" gegeben. Zu viel für den Mann! Das hätte nämlich der AfD geholfen.

Olaf Zimmermann sagt konkret: "Mehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF haben uns seit 2015 über die Themen Flüchtlinge und Islam informiert und dabei geholfen, die AfD bundestagsfähig zu machen." Die Spaltung der Gesellschaft hätte seit 2015 deutlich zugenommen.

Und weiter: "Gestern Abend (Mittwoch, 12.6.) wurde in der Talkrunde im Ersten allen Ernstes schwerpunktmäßig über das Händeschütteln als einen vermeintlichen Ausdruck deutscher Kultur debattiert. Ich finde die Talkshows im Ersten und im ZDF sollten sich eine einjährige Auszeit nehmen und ihre Konzeptionen überarbeiten. Vielleicht wird die talkshowfreie Zeit der Integration in unserem Land nützlich sein?"

Besonders Sandra Maischberger war ihm demnach ein Dorn im Auge

Mehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF hätten sich seit 2015 mit dem Islam beschäftigt - es solle eine Pause her...
Mehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF hätten sich seit 2015 mit dem Islam beschäftigt - es solle eine Pause her...

Die Talkshow mit dem Titel "Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?" (TAG24 berichtete) stieß ihm sichtlich auf.

Allerdings hat Geschäftsführer Zimmermann übersehen, dass sich diese Maischberger-Sendung hauptsächlich um "Unterwerfung" (dem Roman von Michel Houellebecq, TAG24 berichtete) drehte bzw. um den ARD-Themenabend an sich.

Hat Zimmermann die wahre Konfrontation des Talk-Abends nicht erkannt? Diese gab es zwischen Julia Klöckner (CDU) und Islam-Kritikerin Kelek auf der einen Seite sowie Haluk Yildiz auf der anderen. Der muslimische Politiker neigte zu aggressiver Verteidigung seiner Positionen und war eher mit trotzigem Rückzug in die Opferrolle beschäftigt. "Sie missachten das Grundgesetz!“, warf der Erdogan-Fan Frau Klöckner vor, woraufhin die CDU-Politikerin aus ihrer Haut fuhr (Höhepunkte der Sendung >> hier in der ARD-Mediathek)...

Der Deutsche Kulturrat ist die Spitzenorganisation von ca. 250 Kulturverbänden.

Der ARD-Chefredakteur reagierte sofort:

Rainald Becker: "Die drei Talkrunden im Ersten stehen gegenwärtig nicht zur Disposition." Die Kritik an Themen und Gästen sei so alt wie das Format. "Die AfD beklagt sich, dass sie bei uns zu selten vorkommt. Andere Politiker sehen sie überrepräsentiert", bemerkte er gegenüber t-online.


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