Der Alles-Töter Glyphosat: "Was hier passiert, ist ein stiller Völkermord"

Wissenschaftler warnen im Europaparlament vor Glyphosat: Es sei krebserregend.
Wissenschaftler warnen im Europaparlament vor Glyphosat: Es sei krebserregend.  © ARTE

Arte - Mit diesen Worten bewirbt ARTE eine Dokumentation auf Facebook: "Die Pestizide haben mich krank gemacht! Was hier passiert, ist ein stiller Völkermord."

In der ARTE-Dokumentation geht's um Pflanzenschutzmittel und die Folgen, die das Gift mit sich bringen kann (>> hier in der Mediathek).

Roundup® - so ist der Markenname des weltweit am meisten gespritzten Pflanzenschutzmittels. 40 Jahre nach der Markteinführung wurde der Wirkstoff "Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft".

Wissenschaftler haben im Europäischen Parlament auf die Krebsgefahr des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat hingewiesen. Professor Christopher J. Portier von der Universität Manchester äußerte "schwere Bedenken" hinsichtlich der positiven Glyphosat-Bewertung bei den zuständigen EU-Agenturen.

Sie hätten Daten der Industrie ungeprüft übernommen und sich nicht mit allen einschlägigen Forschungsergebnissen befasst. "Es gibt keine Bewertung, die alle Tumore diskutiert hätte", sagte Portier bei einer Anhörung des Umwelt- und des Agrarausschusses. Die Toxikologin Kate Guyton von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC erklärte, ihre Organisation habe nur begrenzte Beweise für eine Kanzerogenität von Glyphosat bei Menschen gefunden, aber ausreichende Beweise bei Tieren: "Wir haben es in 2a klassifiziert - wahrscheinlich kanzerogen bei Menschen."

Vor dem Hintergrund der in der Europäischen Union anstehenden Entscheidung über ein Glyphosat-Verbot geht nun die Doku dem Skandal auf den Grund. Anknüpfend an ihren investigativen Dokumentarfilm "Monsanto, mit Gift und Genen" aus dem Jahr 2008, zeigt Autorin Marie-Monique Robin in ihrem neuen Film, dass Roundup® noch gefährlicher ist als bisher befürchtet:

Der „Allestöter“ – so der Beiname des Produkts im Spanischen – macht krank und vergiftet Böden, Pflanzen, Tiere und Menschen, denn er ist überall anzutreffen: im Wasser, in der Luft, im Regen, in der Erde und in Lebensmitteln.

Auch in Deutschland wird mobil gemacht: Protestaktion des Kampagnennetzwerks Campact gegen den Einsatz von Glyphosat im September in Bayern.
Auch in Deutschland wird mobil gemacht: Protestaktion des Kampagnennetzwerks Campact gegen den Einsatz von Glyphosat im September in Bayern.  © undefined

"Glyphosat ist nicht nur krebserregend, sondern auch eine hormonaktive Substanz, ein starkes Antibiotikum und ein Chelatbildner, der Spurenelemente bindet", heißt es au der ARTE-Seite weiter.

Der Film dokumentiert eindrucksvoll die katastrophalen Folgen dieser Eigenschaften mit aufwühlenden Bildern von Opfern in den USA, Argentinien, Frankreich und Sri Lanka.

Roter Faden des Dokumentarfilms ist der symbolische Prozess vom Oktober 2016 in Den Haag: Beim internationalen Monsanto-Tribunal klagte eine Bürgerinitiative den Saatgut-Multi in dessen Abwesenheit auf Ökozid und Verbrechen gegen die Menschheit an. Ergebnis des Prozesses ist ein hieb- und stichfestes Rechtsgutachten, das möglicherweise dazu führen wird, dass „Ökozid“ als Tatbestand im internationalen Recht Anerkennung findet.

Allein 2014 wurden 825.000 Tonnen des starken Unkrautvernichters Glyphosat auf Feldern und in Gärten ausgebracht.

Angesichts der eindringlich geschilderten Problematik ist die Verteidigung dieses Mittels durch Referatsleiter José Tarazona von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zumindest seltsam: "Man hat also festgestellt, dass Glyphosat nicht krebserregend ist", lautete sein Fazit aus einer ihm vorliegenden Studie.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0