Sie ist asexuell und steht dazu: Aber was bedeutet das eigentlich?

Kristina Weitkamp (links) und Michelle sprechen über Asexualität.
Kristina Weitkamp (links) und Michelle sprechen über Asexualität.

Bielefeld/Berlin - Kristina Weitkamp (30) ist so etwas wie Dr. Sommer für YouTube. Auf ihrem Kanal "Fickt euch - ist doch alles nur Sex" beantwortet sie regelmäßig Fragen rundum Sexualität.

Während sie eigentlich immer alleine auftritt, holte sie sich für ihr neuestes Video Unterstützung in Form von Michelle.

Die 25-Jährige studiert Archäologie in Berlin. Doch das ist nicht der Grund, aus dem sie sich vor die Kamera stellt. Die Studentin ist nämlich asexuell. "Asexualität heißt ganz einfach, dass man sich zu keinem Geschlecht sexuell hingezogen fühlt", klärt Michelle auf.

Gleichzeitig stellt sie klar, dass das nicht heißen muss, dass man Sex prinzipiell ablehnt. "Nur weil ich keine sexuelle Anziehung verspüre, heißt das nicht, dass ich keinen Sex habe. Meine Klitoris funktioniert!"

In der Pubertät war ihr noch nicht klar, dass sie vielleicht asexuell sein könnte. Stattdessen dachte sie: "Ach, das kommt schon irgendwann noch." Erst mit etwa 18 Jahren fing sie an, sich Gedanken über ihre Sexualität zu machen.

Seit sie 21 Jahre alt ist, weiß Michelle, dass sie asexuell ist.
Seit sie 21 Jahre alt ist, weiß Michelle, dass sie asexuell ist.

Damals dachte sie noch, sie sei vielleicht lesbisch. Mit 21 Jahren erkannte sie dann, dass sie asexuell ist. Angestoßen wurde das durch eine Freundin, die sich ebenfalls als asexuell outete.

"Seit ich weiß, dass ich asexuell bin, kann ich viel genauer ausdrücken, was ich für Menschen empfinde. Weil: Ich finde sehr viele Menschen schön."

Trotz ihrer Asexualität befindet sich die 25-Jährige aktuell in einer Beziehung: "Ich bin mit einem Mann zusammen. Also ich habe momentan mit einem Mann Sex." Für ihren Freund sei die Sexualität von Michelle anfangs schwierig gewesen, gesteht sie.

"Er hat sich dann damit auseinandergesetzt, ich habe ihm das alles noch mal erklärt und dann war es okay für ihn." Obwohl sie eine Art Libido hat, fragt doch meistens ihr Freund, ob beide Sex haben können.

Mit dem Vorurteil, dass Menschen mit Asexualität keinen Spaß am Sex haben würden, räumt sie auf. "Mir macht Sex tatsächlich ziemlich viel Spaß und ich habe auch gerne Sex. Aber ich suche ihn meistens nicht so aktiv."

Wenn sie mit jemandem schläft, habe sie durchaus Orgasmen. "Ersatzbefriedigungen" brauche sie wiederum nicht. "Ich kann's wirklich nicht mehr hören, wenn mir Leute meine Sexualität erklären..."

In der Vergangenheit wurde sie von potenziellen Partnern sogar schon abgewiesen, wenn sie ihnen von ihrer Asexualität erzählte. "Ich kann halt auch nicht von Leuten verlangen, mich zu daten."


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