Asyl in Dresden: Neue Standorte für 50 Millionen Euro geplant

Schon bald rechnet Dresden wöchentlich mit 400 neuen Flüchtlingen.
Schon bald rechnet Dresden wöchentlich mit 400 neuen Flüchtlingen.

Von Dirk Hein

Dresden - Neben den bereits vorgestellten drei neuen Container-Standorten für knapp 37 Millionen Euro plant die Stadt noch weit mehr, um die prognostizierten etwa 400 neuen Flüchtlinge wöchentlich aufzunehmen. Das sind die wichtigsten Fakten.

Aktuell leben in Dresden, sowohl in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes als auch in städtischen Unterkünften, 7500 Flüchtlinge. Weitere 4000 (2000 davon „städtisch“) werden allein bis Ende des Jahres erwartet.

„Der Freistaat knallt mir die Stadt mit Erstaufnahmeeinrichtungen voll, wir wollen zumindest besser kommunizieren, weil uns das Thema wichtig ist“, kritisiert OB Dirk Hilbert (44, FDP) das Land.

Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU) kratzt die letzten Reserven zusammen, um die Flüchtlingsunterkünfte bauen zu können.
Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU) kratzt die letzten Reserven zusammen, um die Flüchtlingsunterkünfte bauen zu können.

Dazu gehört auch die Aussage, dass immer mehr einstige Schulstandorte zu Asylheimen werden. Die beiden Gebäude an der Boxberger Straße werden „bis auf weiteres“ Flüchtlingsunterkünfte.

Das dort eigentlich geplante Gymnasium Prohlis verschiebt sich. Auch an der Ginsterstraße (Eignungsanalyse, 620 Flüchtlinge) und Zur Wetterwarte (60 Flüchtlinge) werden alte Schulstandorte umgenutzt.

An der Buchenstraße wird ein Obdachlosenwohnheim zur Flüchtlingsunterkunft werden, an der Waltherstraße ehemalige Ferienwohnungen.

Etwa 400 Plätze sollen in der Stadt angebotenen Privatwohnungen entstehen. 1000 Plätze werden für 9 Millionen Euro pro Jahr in Hotels angemietet.

Finanziert werden notwendigen 50 Millionen Euro aus den letzten Bargeldreserven der Stadt - „im Vertrauen darauf, dass Bund und Länder die Kommunen angemessen finanziell unterstützen“, so Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU).

So verteilen sich die Flüchtlinge auf Dresden. Die aktuell neu vorgestellten Standorte kommen noch dazu
So verteilen sich die Flüchtlinge auf Dresden. Die aktuell neu vorgestellten Standorte kommen noch dazu
OB Hilbert bei der Besichtigung der Asyl-Sporthalle in der Schleiermacherstraße-
OB Hilbert bei der Besichtigung der Asyl-Sporthalle in der Schleiermacherstraße-

Meine Meinung: Respekt und Vertrauen

Von Dirk Hein

Ein einzelner Fakt veranschaulicht ganz gut, was die Verwaltung rund um OB Hilbert in der aktuellen Asylfrage gerade leistet: Dirk Hilbert hat in seiner kurzen Amtszeit als OB (seit August) bereits mehr Flüchtlinge unterbringen müssen als die Verwaltung in allen vorherigen Monaten des Jahres 2015.

Dass so etwas nur mit der Dampfwalze passieren kann, müsste jedem klar sein. Umso mehr verwundert es, dass in diesen Tagen vor allem CDU und FDP mehr Bürgerbeteiligung fordern und vor diesem Hintergrund sogar die aktuelle Asyl-Vorlage abgelehnt haben.

Bürgerbeteiligung ist wichtig und sollte so oft wie möglich tatsächlich durch die Politik wertgeschätzt werden. In der aktuellen Situation aber vorzugaukeln, es gäbe in der Asylfrage irgendetwas durch den Bürger zu entscheiden, ist mehr als fahrlässig.

Ob man es gut findet oder nicht: In der nächsten Zeit werden regelmäßig über 400 Flüchtlinge - pro Woche - nach Dresden kommen.

Die Landesdirektion wird davon sicher nicht Abstand nehmen, nur weil sich einige Dresdner Bürger und Politiker noch Zeit zum Beraten nehmen wollen.

Sollen also schnell menschenwürdige Unterkünfte geschaffen und nicht sämtliche Turnhallen der Stadt notbelegt werden, muss die Politik schnell handeln. In Dresden tut sie dies aktuell und das erfordert zumindest Respekt und vielleicht sogar Vertrauen.

Fotos: dpa/Peter Kneffel (2), Holm Helis (1), Markus Weinberg (1), Ove Landgraf (1), Landeshauptstadt Dresden (1)


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