Wohnungen für Flüchtlinge billiger als Massenunterkünfte

Gemeinschaftsunterkünfte wie an der Annaberger Straße sind teuer als Wohnungen für Flüchtlinge.
Gemeinschaftsunterkünfte wie an der Annaberger Straße sind teuer als Wohnungen für Flüchtlinge.

Von Torsten Schilling

Chemnitz - Zu hohe Kosten für die Unterbringung von Asylbewerbern? Der Chemnitzer Landtagsabgeordneter Peter Patt (53, CDU) sagt: „Warum gibt die Stadt für Sammelunterkünfte das Vierfache aus als für die Unterbringung in Wohnungen?“ Das Rathaus weist die Kritik zurück.

2,75 Millionen Euro pro Jahr zahlt die Stadt für zwei Unterkünfte an Straßburger und Annaberger Straße mit Platz für je 150 Personen.

„Nach Abzug der geschätzten 250.000 Euro Personalkosten bleiben rund 2,5 Millionen Euro“, sagt Patt. „Ein Heimplatz kostet also 694 Euro pro Monat.“

Die Stadt gibt für eine Drei-Raum-Wohnung, in der im Schnitt vier Personen leben, aber nur 625 Euro monatlich aus. Patt: „Eine Vier-Mann-Belegung in einem Heim kostet gut 2800 Euro - das ist mehr als das Vierfache.“

CDU-Landtagsabgeordneter Peter W. Patt kritisiert die vierfach höheren Kosten für Asyl-Heime.
CDU-Landtagsabgeordneter Peter W. Patt kritisiert die vierfach höheren Kosten für Asyl-Heime.

„Dezentrale Unterbringung ist tatsächlich preiswerter“, bestätigt ein Stadtsprecher. Deshalb lebten auch 89 Prozent der rund 2000 im Vorjahr aufgenommenen Asylbewerber in Wohnungen.

Und warum sind Gemeinschaftsunterkünfte teurer? „Die geringe Zahl der Anbieter lässt einen Preiswettbewerb nur begrenzt zu.“

Hinter den Zahlenspielen steckt ein handfester Krach: Kommunen, Kreise, Länder und Bund streiten, wer welchen Teil der Flüchtlingskosten zu tragen hat.

Laut Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (53, SPD) gab Chemnitz 2015 rund 7,5 Millionen mehr für die Unterbringung von Migranten aus, als von Land und Bund rückerstattet wurden

Fotos: Sven Gleisberg/härtelpress


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