Nach Asylheim-Anschlägen: Polizei fasst immer mehr Täter

Nach dem Anschlag in Crimmitschau klickten jetzt die Handschellen - wegen Brandstiftung und versuchten Mordes!
Nach dem Anschlag in Crimmitschau klickten jetzt die Handschellen - wegen Brandstiftung und versuchten Mordes!

Von Juliane Morgenroth

Crimmitschau - Jetzt kommt die Quittung! Sachsens Ermittlungsbehörden können derzeit auffallend viele Erfolge vermelden.

Mehrere Anschläge auf Asylunterkünfte sind wohl aufgeklärt. Ob Dresden, Meißen oder Crimmitschau - überall konnten in jüngster Zeit Verdächtige gefasst werden, klickten Handschellen.

66 Anschläge auf Asylunterkünfte gab es in Sachsen von Januar bis September, so das Operative Abwehrzentrum (OAZ). Zuletzt konnten OAZ und Staatsanwaltschaft vermehrt Erfolge verbuchen.

Der Neueste: Nach einem Anschlag auf eine Unterkunft in Crimmitschau sitzen drei Verdächtige (32, 34, 35) in U-Haft.

Ihnen wird schwere Brandstiftung und versuchter Mord vorgeworfen: Als sie Brandsätze gegen das Gebäude warfen, schliefen darin bis zu 45 Asylbewerber, darunter 20 Kinder! Laut Staatsanwaltschaft gaben die drei die Tat zu.

Chef des OAZ ist Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz (59).
Chef des OAZ ist Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz (59).

Zuvor gab es Festnahmen wegen Anschlägen in Meißen, Dresden und Freital.

Für Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) Beleg für funktionierende Strukturen: "Durch die gemeinsame Schlagkraft von Polizei und Staatsanwalt haben wir die Täter rasch ermittelt."

Mit dem OAZ und dem neuen Sonderdezernat bei der Generalstaatsanwaltschaft habe Sachsen schlagkräftige Instrumente gegen fremdenfeindliche Straftäter. Das Ministerium verwies auf die Bündelung von Fachwissen und Ressourcen beim OAZ.

Auch der enge Kontakt zur Staatsanwaltschaft helfe, Verfahren erheblich zu beschleunigen. Das Sonderdezernat kümmere sich um größere Komplexe.

Ein Sprecher: "Solche komplexen Untersuchungen wären aus der normalen Organisationsstruktur heraus nicht in dem Umfang und der Geschwindigkeit zu leisten."

Der Brandanschlag auf eine geplante Asylunterkunft in Meißen sorgte für Schlagzeilen. Die Täter wurden geschnappt.
Der Brandanschlag auf eine geplante Asylunterkunft in Meißen sorgte für Schlagzeilen. Die Täter wurden geschnappt.
In den letzten Wochen konnte die Polizei einige Erfolge verbuchen. Immer mehr Anschläge werden aufgeklärt.
In den letzten Wochen konnte die Polizei einige Erfolge verbuchen. Immer mehr Anschläge werden aufgeklärt.

Klare Botschaft

Ein Kommentar von Juliane Morgenroth

Sage und schreibe 789 Anschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte gab es laut dem Chef der Innenministerkonferenz in diesem Jahr in Deutschland. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es etwa 200.

Auch in Sachsen werden Flüchtlinge immer mehr zum Ziel von Gewalttätern. Nahezu jeden Tag meldet die Polizei neue Angriffe. Es ist zur schrecklichen Routine geworden.

Lange Zeit wurde „nur“ gehetzt. Jetzt wird im Netz tausendfach zur Gewalt aufgerufen. Täter fühlen sich im Recht und schrecken nicht mal mehr davor zurück, schlafende Menschen zu attackieren, wie jüngst in Crimmitschau. Sie scheinen keinerlei Skrupel zu haben.

Was tun? Lange Zeit entstand bei manchem der Eindruck, dass die Aufklärung solcher Angriffe schleppend verläuft. Zuletzt gab es jedoch zahlreiche Erfolgsmeldungen der Ermittler.

Und die sind auch bitter nötig: Denn Festnahmen und Gerichtsurteile zeigen nun mal am besten, dass der Rechtsstaat die Oberhand behält und solche Gewalttaten nicht durchgehen lässt.

Dazu aber müssen Polizei und Staatsanwaltschaft auch entsprechend besetzt und organisiert sein. Bei Bedarf muss nachgesteuert werden. Denn nur so kommt die Botschaft bei den fremdenfeindlichen Brandstiftern an: Ihr seid nicht im Recht.

Fotos: Christian Essler (1), dpa/Arno Burgi (1), imago/stock[&]people (1), dpa (1)


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