Attentat auf Hells-Angels-Boss: Täter auf der Flucht, trotzdem soll ein Urteil fallen!

Hamburg - Im Prozess um die Schüsse auf den Rockerboss der Hells Angels am Hamburger Millerntor hat die Verteidigung Freispruch für den angeklagten Mann (28) und neun Jahre Haft für die mitangeklagte Frau (24) beantragt.

Zu Prozessbeginn steht der Angeklagte (Mitte) neben seinem Anwalt im Gerichtssaal.
Zu Prozessbeginn steht der Angeklagte (Mitte) neben seinem Anwalt im Gerichtssaal.  © DPA

Die 24 Jahre alte Mandantin habe sich des versuchten heimtückischen Mordes sowie der schweren und gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, sagte Rechtsanwalt Siegfried Schäfer nach seinem Plädoyer am Mittwoch.

Sie hatte vor Gericht eingeräumt, dass sie den Wagen fuhr, aus dem heraus ein Schütze auf den Hells Angel feuerte (TAG24 berichtete). Sie habe aber nicht gewusst, was der Unbekannte vorgehabt habe, als er bei ihr eingestiegen sei. Der eigentliche Täter ist noch flüchtig.

Der 28-jährige Angeklagte gehörte einst den Mongols an, einer mit den Hells Angels verfeindeten Rockergruppe. Zur Tatzeit saß er wegen Drogen- und Waffendelikten im Gefängnis.

Seine Anwälte argumentierten, ihm könne die Anstiftung zum Mord nicht nachgewiesen werden. Ein von der Polizei abgehörtes Gespräch, das die beiden Angeklagten eine Woche nach der Tat im Besuchsraum des Gefängnisses Billwerder führten, belege den Vorwurf der Anklage nicht.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche für den Mann lebenslang und für seine Lebensgefährtin 14 Jahre Haft gefordert.

Polizisten stehen neben dem Auto des Opfers, nachdem Schüsse gefallen waren.
Polizisten stehen neben dem Auto des Opfers, nachdem Schüsse gefallen waren.  © DPA

Auf den Rockerboss waren in der Nacht zum 27. August vergangenen Jahres fünf Schüsse abgegeben worden, als er mit seinem weißen Bentley vor einer Ampel auf St. Pauli hielt (TAG24 berichtete).

Der 38-jährige Hells Angel wurde lebensgefährlich an Kopf und Oberkörper verletzt und ist seitdem querschnittsgelähmt. Zu seinen Verletzungen hatte das Gericht einen Gutachter unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört. Darum mussten auch die Plädoyers nicht-öffentlich gehalten werden.

Der Anschlag war nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Racheakt. Gut zwei Jahre zuvor war das Paar Opfer eines ähnlich heimtückischen Überfalls im Stadtteil Schnelsen geworden.

Dabei waren die beiden Deutschen schwer verletzt worden, die Frau sogar lebensgefährlich. Diese Tat konnte bislang nicht aufgeklärt werden, aber die Angeklagten sollen den Hells Angel für das Verbrechen verantwortlich gemacht haben.

Die Strafkammer am Landgericht Hamburg will ihr Urteil dann am Montag, 3. Juni, verkünden.

Titelfoto: DPA

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