Als Attila das Messer zog, wichen die Journalisten zurück

Dutzende Journalisten waren am Mittwoch gekommen, um beim "wütenden" Attila Hildmann Burger zu testen.
Dutzende Journalisten waren am Mittwoch gekommen, um beim "wütenden" Attila Hildmann Burger zu testen.  © TAG24

Berlin – Mensch Attila, das hat gesessen! Der Krawall-Veganer versteht sein Geschäft und dazu gehört in erster Linie Trommeln. Bei seiner Burger-Challenge führte Hildmann (39) am Mittwoch-Nachmittag die anwesenden Journalisten ordentlich an der Nase herum.

Nachdem der Berliner "Tagesspiegel" es gewagt hatte, eine Kritik über Hildmanns veganen Imbiss im Stadtteil Charlottenburg zu schreiben und dabei auch einen Burger zu kritisieren, flippte Deutschlands bekanntester Veganer völlig aus und schoss mit Worten gleich mal gegen alle Journalisten.

Wieder beruhigt, beschloss der Wut-Koch kurzerhand, am Mittwochnachmittag 15 Uhr alle willigen Journalisten zu sich in den Laden einzuladen und kündigte vollmundig an: "Findet die Mehrheit der Journalisten meine Burger schlechter als Fleischburger, esse ich live vor den Kameras ein Steak!"

Was für eine Story! Wer will nicht sehen, wie der Veganator Attila Hildmann seine Prinzipien über den Haufen wirft und gezwungen wird, Fleisch zu essen?

Der Veganator ist bereit: Sollen die doch kommen, die Schmierfinken...
Der Veganator ist bereit: Sollen die doch kommen, die Schmierfinken...  © DPA

TAG24 war beim Showdown dabei!

Ein Live-Bericht von Uwe Schneider

Radio, Fernsehen, Zeitung, Internet – alle sind gekommen. Der kleine Imbiss in der Schillerstraße ist rappelvoll. Ich bin einer von ihnen, will ihn aber eigentlich kein Steak essen sehen. Reiner Futterneid. Ich mag es nicht, wenn man mir das Fleisch wegisst.

Und gleich zu Beginn die Überraschung. Attila Hildmann hat live sehr wenig mit den Pflanzenfresser-Proll aus seinen Social Media Kanälen zu tun. Er begrüßt alle charmant mit einem herrlichen Lächeln, ohne Drohungen, ohne Pump-Gun im Anschlag. Freundlich fragt er alle, woher sie kommen: RTL, Berliner Morgenpost, Radio NRJ, Blogger, Fans...

Er sei nie beleidigt gewesen, weil der Tagesspiegel-Kritikerin das Essen nicht geschmeckt habe, es sei ihm nur um Aufmerksamkeit gegangen. Aufmerksamkeit für seine Sache. Die bekommt man nunmal in erster Linie durch Provokation.

Dann zeigt er einen Film, in dem die Vorteile der veganen Ernährung erklärt werden. Fleisch schade dem Klima, der Natur, den Tieren. Weiß ich alles, esse es aber trotzdem. Am Ende des Filmes ist Hildmann den Tränen nahe und ich dankbar, dass ich mein Karma jetzt mit dem Verzehr eines veganen, Hildmannschen "Fleisch-Burgers" nicht zusätzlich belaste.

Ich, der TAG24-Reporter, teste mit. Fazit kommt unten.
Ich, der TAG24-Reporter, teste mit. Fazit kommt unten.  © TAG24

Denn das Testessen geht los. Der vegane Burger schmeckt so gut, wie ein Burger ohne Fleisch schmecken kann. Die Süßkartoffelpommes sind sensationell, ob die Majo mit Ei ist, ist mir - zumindest geschmacklich - egal.

Bei der Bewertung bekommt der Burger von mir sieben von zehn Punkten. Doch obwohl ich Hildmann kein Fleisch essen sehen möchte, kreuze ich an: "Ich bevorzuge dennoch Fleischburger."

Tun außer mir noch elf von 17 Mitessern. Was bedeutet: Attila Hildmann muss in das saure Steak beißen.

Er kündigt scheinbar zerknirscht an: "Ich hole jetzt mein Steak", fährt seinen Porsche auf den Gehweg und macht damit Platz für einen Transporter. Die daraus dringenden Geräusche kenne ich eigentlich nur noch aus dem Tierlaute-Buch meiner Söhne.

Hildmann öffnet mit einem Messer in der Hand die Klappe. Da stehen eine Ziege und ein Kalb auf der Ladefläche. Dann verkündet er: "Ich esse ein Steak, werde das Tier dafür aber nicht töten. Wer will das für mich tun?"

Attila Hildmann polarisierte im letzten Jahr, als er Journalisten dazu aufforderte ein Kalb zu schlachten.
Attila Hildmann polarisierte im letzten Jahr, als er Journalisten dazu aufforderte ein Kalb zu schlachten.  © DPA

Er hält ein Messer in Richtung der betreten drein glotzenden journalistischen Menge.

Keiner will. Ich auch nicht. Oder positiv ausgedrückt: Wir haben ein Blutbad mitten in Berlin verhindert.

"Ich will auf die Entfremdung von unserem Essen aufmerksam machen. In der Fleischtheke haben die Schnitzel keine Augen, niemand weiß mehr, was es bedeutet, Fleisch zu essen. Die Tiere sind nur noch ein Produkt", bringt Hildmann seine nachvollziehbare Botschaft unters Volk. Und die ist angekommen.

Mal sehen, wie lange. Ob mich die Augen des aus dem Transporter blickenden Kalbes auch noch an die nächste Fleischtheke verfolgen oder ist meine Fleischeslust weiter der Meister der Verdrängung? Sicher werde ich weiter auf das ein oder anderere Stück Tier verzichten.

Muss es aber unbedingt als Ersatz ein Produkt sein, was so tut, als wäre es Fleisch?

Sorry, Attila, ein Burger ist nunmal aus Hack. Will ich "fleischlos", entscheide ich mich lieber für Spagetti mit Tomatensoße oder eine rote Linsensuppe.

Aber eins muss ich Dir lassen, wie kein Zweiter hast Du Instagram, Facebook und alle Medien benutzt - mich inklusive -, um Dich zu produzieren. Chapeau!

Geht in Frieden..! Attila Hildmann verabschiedet TAG24-Berlin-Redakteur Uwe Schneider.
Geht in Frieden..! Attila Hildmann verabschiedet TAG24-Berlin-Redakteur Uwe Schneider.  © TAG24

Das Video von der Aktion:

Attila mit den überlebenden Tieren:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0