Auf dem Pfarrhübel stirbt der letzte Shop

Schlange älterer Pfarrhübel-Bewohner vor dem Bäckerauto - kein Ersatz für einen echten Einkaufsmarkt.
Schlange älterer Pfarrhübel-Bewohner vor dem Bäckerauto - kein Ersatz für einen echten Einkaufsmarkt.

Chemnitz - Konsumgrab Chemnitz: Neben Kneipen machen auch immer mehr kleine Einkaufshallen dicht, die Nahversorgung bricht weg (siehe Infokasten). Jetzt traf es den einzigen Markt auf dem Pfarrhübel.

„Das wird eine Katastrophe für alte Leute“, sagt Anna Ziener (85). „Ich darf nicht mehr selber Auto fahren, mein Sohn muss mir bei Einkäufen helfen.“

Die nächsten Märkte sind in der Annaberger Straße, mindestens einen Kilometer entfernt. Für Oma Anna zu weit zum Laufen.

„Früher haben uns Taxis gefahren. Aber bei Fahrtkosten von zwei bis drei Euro lohnt es sich für die Taxifahrer nicht mehr“, beschreibt Peter Melzer (68) die Einkaufsreise-Misere vieler älterer Pfarrhübel-Bewohner.

Unser Einkaufsmarkt ist dicht! Die Senioren Anna Ziener (85), Regina Klatt (70), Helga Kämpf (77) und Peter Melzer (68, vl..n.r.) vor dem geschlossenem Laden auf dem Pfarrhübel.
Unser Einkaufsmarkt ist dicht! Die Senioren Anna Ziener (85), Regina Klatt (70), Helga Kämpf (77) und Peter Melzer (68, vl..n.r.) vor dem geschlossenem Laden auf dem Pfarrhübel.

Es hagelt Vorwürfe: „Der Besitzer hat den Laden kaputt gemacht“, findet Regina Klatt (70). „Die Ware für den täglichen Gebrauch muss früh im Laden sein! Was bringt es mir, wenn mittags erst die Butter kommt?“ Frau Klatt geht jeden Tag einkaufen, kann gesundheitsbedingt nicht viel tragen, hat früher selbst im Pfarrhübel-Konsum gearbeitet. Regina Klatt besitzt kein Auto.

Der Einsiedler Edeka-Betreiber Wolfgang Woitschig hatte seit Februar 2015 den Einkaufsladen, übernahm ihn von der Wohnungsgenossenschaft Pfarrhübel. Woitschig unterhält auch einen Konsum in der Geibelstraße, war aber für MOPO nicht erreichbar.

„Momentan ist ein kritischer Zeitpunkt“, sagt Wohnungsgenossenschafts-Vorstand Hans-Joachim Dietrich (64) zur örtlichen Nahversorgungslage. Er wünscht sich für die Zukunft: „Das Einkaufen über’s Internet muss einfach zunehmen. Es muss.“

Fotos: Maik Börner


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