So gut ist der Oscar-Kandidat "Aufbruch zum Mond" mit Ryan Gosling

Berlin - Enttäuschend! Der neue Film von "Oscar"-Preisträger Damien Chazelle (La La Land, Whiplash) ist zwar keine vollständige Bruchlandung, aber mit Abstand der schwächste Film des 33-jährigen Regie-Wunderkinds.

NASA-Astronaut Neil Armstrong (Ryan Gosling) muss früh den Verlust seiner kleinen Tochter verkraften.
NASA-Astronaut Neil Armstrong (Ryan Gosling) muss früh den Verlust seiner kleinen Tochter verkraften.  © PR/ Universal Pictures International

Dabei beginnt das Biopic über den legendären Astronauten Neil Armstrong (Ryan Gosling) vielversprechend.

Anfangs sind nur Funksprüche zu hören. Armstrong testet eine kleine Rakete - und schafft gerade so eine harte Bruchlandung in der Wüste zu machen.

Der Film behandelt die Zeit von 1961 bis 1969. In dieser Phase gab es ein großes Wettrüsten zwischen den damaligen Weltmächten Sowjetunion und USA. Wer würde es als erste Nation auf den Mond schaffen?

Heute ist die Antwort bekannt, die Geschichte legendär. In Chazelles Werk wird nun hinter die Kulissen geblickt und Armstrong als Mensch mit Stärken und Schwächen beleuchtet.

Allerdings bleibt er - auch durch Goslings Spiel bedingt - ein Mensch voller Rätsel.

Das könnte durchaus positiv sein, sorgt aber dafür, dass man als Zuschauer auf Distanz bleibt und nie vollständig in den Film eintauchen kann.

Neils Frau Janet Armstrong (Claire Foy) im Gespräch mit Deke Slayton (Kyle Chandler).
Neils Frau Janet Armstrong (Claire Foy) im Gespräch mit Deke Slayton (Kyle Chandler).  © PR/ Universal Pictures International

Dabei muss Armstrong früh den schlimmen Verlust seiner Tochter verkraften, die mit zwei Jahren an einer schweren Krankheit stirbt. Er bekommt einen schweren Weinkrampf und ist nach diesem Vorfall ein anderer, (noch) introvertierter Mensch.

Mit Neils Frau Janet (Claire Foy) redet er kein Sterbenswort mehr über den Verlust und stürzt sich stattdessen die nächsten Jahre in die Arbeit mit Ed White (Jason Clarke), Deke Slayton (Kyle Chandler), Bob Gilruth (CIaran Hinds) und Buzz Aldrin (Corey Stoll).

Bis zum Mittelteil der 140 Minuten hält einen der Streifen bei der Stange und weiß zu fesseln, obwohl man nie gänzlich in den Film abtauchen kann.

Armstrong bietet nämlich zu wenig Identifikationspotenzial und Projektionsfläche, obwohl seine Motive anschaulich gemacht werden und er eine umfassende Hintergrundgeschichte spendiert bekommt.

Dennoch ist "Aufbruch zum Mond" im Mittelteil stellenweise extrem langweilig und auch richtig uninteressant.

Hier hätte man Drehbuch um einige Minuten kürzen oder umschreiben müssen, weil die mitunter lahmen Dialoge und Szenen den Film an diesen Stellen ausbremsen und die Zuschauer somit auf Distanz gehen.

Neil Armstrong (Ryan Gosling, Mitte) mit zwei anderen Astronauten auf dem Weg zu anspruchsvollen Tests.
Neil Armstrong (Ryan Gosling, Mitte) mit zwei anderen Astronauten auf dem Weg zu anspruchsvollen Tests.  © PR/ Universal Pictures International

Damit war bei einem Film von "Oscar"-Preisträger Chazelle (La La Land, Whiplash) überhaupt nicht zu rechnen, weil seine vorangegangenen Werke Meisterwerke waren, die sowohl von der handwerklichen, als auch von der emotionalen Seite begeistert- und eine Magie entfacht haben, die in "Aufbruch zum Mond" nur aufblitzt.

Wenn Armstrong und Kollegen erstmals die gesamte Weite des Weltraums vor sich haben, ist die Inszenierung erstklassig. Auch die vielen Flugsequenzen hat Chazelle überragend umgesetzt.

Dazu treibt er seine Schauspieler um Foy (The Crown, Unsane, Wölfe) und Clarke (Planet der Affen: Revolution, Terminator Genisys, Mudbound) zu guten Leistungen an.

So kann man dem im englischen Original heißenden "First Man" Werk handwerklich bis auf die entnervend unruhige Kameraführung wenig vorwerfen. Die Locations sind solide ausgewählt, die Spezialeffekte sind gut, auch Make-up und Kostüme wissen zu überzeugen.

Die Musikuntermalung ist dagegen nur Durchschnitt und zu keiner Zeit eingängig, was eine weitere Enttäuschung ist, da mit Justin Hurwitz (La La Land, Whiplash) ein zweifacher "Oscar"-Preisträger am Werk ist, der mit Chazelle seit Jahren ein kongeniales Duo bildet.

"Aufbruch zum Mond" ist ein Film voller Widersprüche geworden. Auf der einen Seite blitzt immer wieder die Genialität von Chazelle und seiner Crew durch, die auch handwerklich viele Dinge richtig macht. Das Problem: Im Mittelteil ist der Film extrem langatmig und langweilig, wodurch er den Zuschauer für eine halbe Stunde verliert.

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