Sexueller Missbrauch und massive Gewalt: Bericht über Kinderheim macht fassungslos

Augsburg - In einem früheren Kinderheim einer katholischen Stiftung in Schwaben waren jahrelang sexueller Missbrauch und eine von Gewalt geprägte Erziehung an der Tagesordnung.

In dem ehemaligen Kinderheim in Donauwörth wurden die Kinder gequält. (Symbolbild)
In dem ehemaligen Kinderheim in Donauwörth wurden die Kinder gequält. (Symbolbild)  © DPA

Dies ist das Ergebnis eines am Donnerstag vom Bistum Augsburg vorgestellten Untersuchungsberichts zu den Vorfällen seit den 1950er Jahren.

Der pensionierte Richter Manfred Prexl sprach von "überbordender Gewalt", die in dem Donauwörther Kinderheim bis zu dessen Schließung 1977 ungehindert geschehen konnte.

Der ehemalige Vorsitzende Richter des Münchner Oberlandesgerichtes hatte im Auftrag des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa zusammen mit Kollegen die damaligen Vorfälle untersucht. Die Mitglieder der Gruppe haben 14 Bewohner und zwei Erzieherinnen des Heims befragt.

Nach den Schilderungen hätten die Kinder damals schwerwiegende "physische, psychische und soziale Gewalt" erlebt, berichtete Prexl.

Über Jahre erfuhren die Kinder täglich Gewalt

Der neue Augsburger Bischof Konrad Zdarsa.
Der neue Augsburger Bischof Konrad Zdarsa.  © DPA

Zwei Männer und eine Frau seien zudem von Pädagogischen Direktor des Heimträgers teils jahrelang "in massiver Weise sexuell missbraucht" worden.

Zweifel an den Schilderungen gebe es nicht, betonte er. Alle Beschuldigten seien aber bereits gestorben.

Seit dem Jahr 2010 gab es bereits zahlreiche andere Berichte über körperlichen und sexuellen Missbrauchsfälle in früheren kirchlichen oder staatlichen Heimen in Deutschland.

Update 13.30 Uhr: Die Vorwürfe richten sich insbesondere gegen den Pädagogischen Direktor des Heimträgers, einen 1980 gestorbenen Priester.

Er soll nicht nur eine von Prügeln geprägte Pädagogik vorangetrieben haben, sondern Kinder auch vergewaltigt haben. Dem Geistlichen wurden einst kirchliche Ehrentitel wie Monsignore und Ehrenprälat verliehen. Allerdings gab es auch weitere Täter, die ebenfalls gestorben sind.

Betroffene berichteten bei der Vorstellung des Berichts davon, dass sie bis heute an den Erlebnissen litten. Nach ihrer Schilderung waren das Wegsperren in einen Kellerraum ebenso normal, wie der Zwang, Erbrochenes wieder zu essen.

"Die Schläge und der Essensentzug waren dermaßen brutal, da könnte man einen Gruselroman drüber schreiben", sagte ein Mann. Eine Frau berichtete, dass sie bereits in den 1970er Jahren erfolglos versucht habe, die Vorgänge öffentlich zu machen. "Wir sind schwer traumatisiert", betonte sie.

Vor rund einem Jahr hatten sich einige Opfer aus dem Heim Heilig Kreuz in Donauwörth gemeldet und über die Vorfälle berichtete. Daraufhin wurde die Untersuchung der Vorfälle in dem Kinderheim der Pädagogischen Stiftung Cassianeum vom Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa angeordnet.

Prexl, ein ehemaliger Vorsitzender Richter des Münchner Oberlandesgerichtes, recherchierte zusammen mit Kollegen. Die Mitglieder der Gruppe haben 14 Bewohner und zwei Erzieherinnen des Heims befragt.

Der Augsburger Generalvikar Harald Heinrich sprach davon, dass der 68 Seiten starke Untersuchungsbericht "abscheuliche Straftaten" dokumentiere. Diese seien auch dadurch möglich gewesen, dass einige in Donauwörth "schlicht weggeschaut" hätten.

Missbrauchsopfer sitzen bei einer Pressekonferenz.
Missbrauchsopfer sitzen bei einer Pressekonferenz.  © DPA

Titelfoto: DPA

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