Prostituierte erwürgt und an Bahnstrecke abgelegt: Freier verurteilt

Augsburg - Fast 26 Jahre nach dem Gewaltverbrechen an einer Augsburger Prostituierten verkündet das Landgericht Augsburg am Freitag (10 Uhr) das Urteil gegen einen ehemaligen Freier der Frau.

Das Landgericht in Augsburg ist für den Fall zuständig - und wird ein Urteil fällen.
Das Landgericht in Augsburg ist für den Fall zuständig - und wird ein Urteil fällen.  © DPA

Der 50 Jahre alte Mann ist wegen Mordes an der Prostituierten angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hat deswegen eine lebenslange Haftstrafe gefordert.

Die beiden Verteidiger des Angeklagten haben auf Freispruch plädiert, weil die Indizien für eine Verurteilung nicht ausreichten. Die Anwälte gehen zwar davon aus, dass ihr Mandant in der Tatnacht Sex mit der Prostituierten hatte, Täter sei aber ein unbekannter späterer Kunde.

Zu den Vorwürfen hatte der 50-jährige Angeklagte im Prozess geschwiegen.

Die Staatsanwältin sah in ihrem Plädoyer das Mordmerkmal der Heimtücke als gegeben an und hat deswegen eine Verurteilung wegen Mordes beantragt. In der Anklageschrift waren noch die Mordmerkmale Befriedigung des Geschlechtstriebs sowie Habgier von der Anklage genannt.

Sollte die Strafkammer keines der Mordkennzeichen als zutreffend halten, müsste der Angeklagte auf jeden Fall frei gelassen werden. Denn Totschlag und alle anderen Tötungsdelikte sind schon verjährt.

Frau hatte auf Straßenstrich in Augsburg gearbeitet

Vier Monate lang hatte das Gericht über das Verbrechen aus dem September 1993 verhandelt. Die 36 Jahre alte Frau hatte damals auf dem Augsburger Straßenstrich in Bayern gearbeitet. Dort war sie vermutlich von einem Freier erwürgt worden. Nach dem Gewaltverbrechen war die Leiche nach Gessertshausen im Landkreis Augsburg gebracht worden, etwa 15 Kilometer vom Tatort entfernt. Dort hatte der Täter die Tote an der Bahnlinie Augsburg-Ulm abgelegt.

In den 1990er Jahren konnte die Kripo den Fall trotz aufwendiger Ermittlungen nicht klären. Vor einigen Jahren nahm sich die Polizei den ungeklärten Mordfall nochmals vor und fand neue DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers.

Update 10.45 Uhr: Mann zu lebenslanger Haft verurteilt

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Mord an einer Prostituierten ist ein Freier der Frau zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Augsburg sah den 50 Jahre aufgrund von Indizien als überführt an.

Der Mann wurde zusätzlich wegen der Vergewaltigung einer Bekannten verurteilt.

Die Richter folgten mit dem Urteil am Freitag dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Die beiden Verteidiger des Mannes hatten Freispruch für ihren Mandanten verlangt. Die Indizien reichten für eine Verurteilung nicht aus, meinten die Anwälte.

Die Tötung einer Prostituierten wurde nach fast 26 Jahren doch noch aufgeklärt. (Symbolbild)
Die Tötung einer Prostituierten wurde nach fast 26 Jahren doch noch aufgeklärt. (Symbolbild)  © DPA

Titelfoto: DPA

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