Augsburger Tötungsfall: Anwalt will Mittäter aus U-Haft holen

Augsburg - Im Augsburger Tötungsfall vom Nikolaustag (TAG24 berichtete) erwägt Verteidiger Felix Dimpfl, das Bundesverfassungsgericht um Prüfung zu bitten, ob die erneut angeordnete Untersuchungshaft rechtens ist.

Am Ort des Zwischenfalls wurden unter anderem Kerzen entzündet. (Archiv)
Am Ort des Zwischenfalls wurden unter anderem Kerzen entzündet. (Archiv)  © Stefan Puchner/dpa

Der Vater eines 17-Jährigen, dem Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen wird, habe seine Kanzlei beauftragt, den Gang nach Karlsruhe zu prüfen.

Dafür habe er vier Wochen nach der Entscheidung des Münchner Oberlandesgerichts (OLG) Zeit, also bis zum 24. Januar.

Das OLG hatte am Freitag eine Entscheidung des Landgerichts Augsburg revidiert, das den 17-Jährigen und fünf weitere der Beihilfe beschuldigte Jugendliche und junge Männer aus der U-Haft entlassen hatte (TAG24 berichtete).

Sie waren am Nikolaustag auf dem Augsburger Königsplatz, als ein Siebter aus der Gruppe einen 49-Jährigen mit einem Schlag getötet haben soll.

"Bloße Anwesenheit" als möglicher Freilassungsgrund

Mehr als 100 Feuerwehrleute haben nach der Tat ihres Kollegens gedacht. (Archiv)
Mehr als 100 Feuerwehrleute haben nach der Tat ihres Kollegens gedacht. (Archiv)  © Stefan Puchner/dpa

Der 17-jährige mutmaßliche Haupttäter, der die deutsche, türkische und libanesische Staatsbürgerschaft hat, sitzt weiterhin wegen Totschlags in U-Haft.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, auch weil das Opfer bei der Berufsfeuerwehr gewesen war.

Während das Landgericht keine Fluchtgefahr und Verdunkelungsgefahr sah, begründete das OLG die gegenteilige Entscheidung genau damit.

Dimpfl sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag, das Bundesverfassungsgericht könne prüfen, ob Grundrechte wie das Recht auf ein faires Verfahren oder Freiheitsgrundrechte verletzt wurden.

"Es muss jedem die Möglichkeit gegeben werden, sich rechtmäßig zu verhalten", argumentierte er. Der Vorfall sei aber so plötzlich passiert, dass niemand der Umstehenden habe reagieren können.

"Das war eine spontane Tat. Die bloße Anwesenheit ohne Möglichkeit, sich entfernen zu können, kann ja nicht strafbar sein", sagte Dimpfl.

Titelfoto: Stefan Puchner/dpa

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