Aus Protest: Honecker-Pfarrer verweigert "GEZ"

Pfarrer Uwe Holmer (88) verweigert bis auf Weiteres die Zahlung des Rundfunkbeitrags.
Pfarrer Uwe Holmer (88) verweigert bis auf Weiteres die Zahlung des Rundfunkbeitrags.  © DPA

Serrahn (Mecklenburg-V.) – Der für jeden Haushalt verpflichtende Rundfunkbeitrag in Deutschland stößt einem Pfarrer auf - aber nicht, weil dieser zu teuer wäre, sondern, weil der Pfarrer eine ausgewogene Berichterstattung vermisst.

Einer der bekanntesten Pastoren Deutschlands – Pfarrer Uwe Holmer (88) – verweigert nunmehr bis auf Weiteres die Zahlung des Rundfunkbeitrags in Höhe von 17,50 Euro monatlich.

Laut der Evangelischen Nachrichtenagentur idea ist der Grund für die Nichtzahlung "der wiederholte Verzicht von ARD und ZDF, über den 'Marsch für das Leben' zu berichten". Am 16. September haben sich mehr als 7.500 Bürger in Berlin versammelt, um für Lebensschutz und gegen Abtreibungen zu demonstrieren (TAG24 berichtete).

In einem Brief an ARD und ZDF kritisiert Holmer nun dass die Öffentlichen auf eine Berichterstattung verzichtet haben:

"Von einer anderen Demonstration, sehr viel kleiner, haben Sie aber durchaus berichtet.“

Für den Pfarrer sei das eine "einseitige Politik". Uwe Holmer: "Sie ziehen mir Pflichtgebühren ab. Damit übernehmen Sie die Pflicht, redlich zu berichten und nicht zu manipulieren."

Die mehr als 7.500 Teilnehmer des Marsches für das Leben haben darauf hingewiesen, dass in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 Kinder im Mutterleib getötet würden. Pfarrer Holmer schreibt weiter: "Und ich habe ein Recht auf sachliche, ehrliche und wahrheitsgetreue Berichterstattung."

Der Theologe Uwe Holmer in seinem Wohnhaus in Serrahn: Hier nahm er den gestürzten und wohnungslosen DDR-Staatsschef Erich Honecker und dessen Frau Margot in seinem Pfarrhaus in Lobetal (Brandenburg) auf.
Der Theologe Uwe Holmer in seinem Wohnhaus in Serrahn: Hier nahm er den gestürzten und wohnungslosen DDR-Staatsschef Erich Honecker und dessen Frau Margot in seinem Pfarrhaus in Lobetal (Brandenburg) auf.  © DPA

Auf idea.de heißt es weiter: "Da ARD und ZDF ihrer Pflicht nicht nachgekommen seien, werde auch er sich seiner Pflicht entziehen, und für den Rest des Jahres 2017 keine Pflichtgebühren bezahlen".

"Erst wenn Sie mir versichern, dass Sie im nächsten Jahr unparteiisch und ausgewogen berichten, werde ich ab Januar 2018 die Fernseh- und Rundfunkgebühren wieder entrichten.

Sollten Sie gegen mein Verhalten juristisch vorgehen, ist mir das lieb.“

Die Evangelische Nachrichtenagentur teilte mit, dass er seine Bank inzwischen angewiesen hat, die Zahlung des Rundfunkbeitrags bis auf Weiteres einzustellen.

Weltbekannt wurde Uwe Holmer, als er 1990 den den Ex-DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker und dessen Frau Margot für zehn Wochen aufnahm und Asyl gab.

Honecker sei nach dem Verlassen der Waldsiedlung Wandlitz und seiner Haftentlassung vom 30. Januar an "obdachlos" und nach zwei Operationen ein "hilfsbedürftiger Mensch" gewesen, schrieb Pfarrer Uwe Holmer damals, als er die Honeckers in seinem Haus in den Hoffmansthaler Anstalten in Lobetal aufgenommen hatte, in einem christlichen Dorf mitten im Wald unweit von Wandlitz.


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