Ausgerechnet im Dynamoland: RB-Chef kriegt Dresdner St. Georgs Orden

Sportdirektor und ehemaliger Trainer von RB Leipzig, Ralf Rangnick (58).
Sportdirektor und ehemaliger Trainer von RB Leipzig, Ralf Rangnick (58).  © MDR

Dresden - Ganz Dresden ist am Freitagabend in Feierlaune, Tausende auf dem Theaterplatz und ganz viele an den Fernsehbildschirmen. Doch kurz vor 22 Uhr dürfte einigen eingefleischten Dresdnern und vor allem den Fans von Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden das Gesicht eingeschlafen sein.

Denn beim 12. SemperOpernball in der sächsischen Landeshauptstadt ging der Überraschungspreis (der St. Georgs Orden) ausgerechnet an den Sportdirektor und ehemaligen Trainer von RB Leipzig, Ralf Rangnick (58).

Sebastian Krumbiegel (50) von den „Prinzen“ trat auf die Bühne und setzte zur Laudatio an, da schwante einigen Gästen im Dresdner Opernhaus schon böses. Rangnicks Verdienste für RB sind unbestritten. Als Sportdirektor und Trainer führte er das Team von der vierten Liga in die Bundesliga, aktuell ist die Mannschaft der schärfste Verfolger von Rekordmeister Bayern München. RB besticht mit extrem guter Taktik, unfassbar guter Laufbereitschaft und einer jungen, hungrigen Mannschaft.

Das Konzept in Leipzig scheint zu funktionieren, Ralph Hasenhüttl (49) setzte die erfolgreiche Trainer-Arbeit von Rangnick fort.

"Prinzen"-Krumbiegel (50) und Rangnick auf der Bühne.
"Prinzen"-Krumbiegel (50) und Rangnick auf der Bühne.  © DPA

Doch wer hat sich denn bitte ausgedacht, dem RB-Chef Rangnick ausgerechnet den Dresdner St. Georgs Orden zu verleihen. Ausgerechnet in der Stadt, in der das Herz der Fußballfans für Dynamo Dresden schlägt und in der RB verhasst ist.

Beide Klubs trafen im August 2016 in der ersten Runde des DFB-Pokals aufeinander. Dynamo kickte den haushohen Favoriten nach 0:2-Rückstand im Elfmeterschießen noch raus und feierte diesen Triumph nicht nur als rein sportlichen Sieg, sondern als einen Erfolg von Tradition über Kommerz.

Allen Dynamo-Fans dürfte die Ehrung also ein besonderer Stich ins Herz gewesen sein. Als Rangnick schließlich auf die Bühne kam und die Lobeshymne auf RB, zu der Krumbiegel vorher schon angesetzt hatte, fortführte, war auch Dynamo-Legende Matthias Sammer (49) sichtlich irritiert, ihm huschte nicht mal ein Lachen übers Gesicht.

Verständlich, haben er, Ulf Kirsten (51) und Ralf Minge (56) doch mindestens ebenbürtige Verdienste für Dynamo Dresden, Vereine wie Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen in der Bundesliga und die deutsche Nationalmannschaft (Kirsten und Sammer). Keiner von ihnen hat bisher einen Orden auf dem SemperOpernball bekommen.

Der Applaus für Rangnick hielt sich im Opernsaal extrem in Grenzen, auch wenn Krumbiegel ihn euphorisch einforderte.


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