Außengrenze des Römischen Reiches: Wird der "Nasse Limes" bald zum UNESCO-Weltkulturerbe?

Köln/Düsseldorf - Die Römer prägten vor 2000 Jahren das Rheinland. Sie bildeten im heutigen Deutschland die Außengrenze des Römischen Reiches.

Die militärischen Elemente der einstigen römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana - heute Xanten - sind Teil der Bewerbung um Aufnahme in das Unesco-Weltkulturerbe.
Die militärischen Elemente der einstigen römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana - heute Xanten - sind Teil der Bewerbung um Aufnahme in das Unesco-Weltkulturerbe.  © Oliver Berg/dpa

Fünf Welterbestätten hat Nordrhein-Westfalen bereits. Noch im Juli könnte eine weitere dazukommen.

Bei der bereits gestarteten Online-Tagung des Unesco-Welterbekomitees soll entschieden werden, ob der Niedergermanische Limes in die Welterbeliste aufgenommen wird.

Getragen wird der Antrag von den Niederlanden, beteiligt sind Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

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Durch alle Länder verlief vor 2000 Jahren ein 385 Kilometer langer Teil der Außengrenze des Römischen Reichs. Am 27. Juli soll laut Plan über den Antrag entschieden werden.

Dass er angenommen wird, gilt als wahrscheinlich. Garantiert ist das aber nicht.

Mit einem Abschnitt von rund 220 Kilometern hat NRW den größten Anteil am Niedergermanischen Limes. Die Außengrenze entspricht dem damaligen Verlauf des Rheins und heißt deshalb auch "Nasser Limes".

Im Kern geht es bei dem Welterbeantrag um die militärischen Spuren. Denn bis zu 30.000 Soldaten waren am Rhein stationiert, um das Römische Reich zu sichern.

Reiter, Fußsoldaten und eine Flotte auf dem Rhein waren stationiert

Der Nachbau eines römischen Stadttors (Nordtor) steht im Archäologischen Park in Xanten.
Der Nachbau eines römischen Stadttors (Nordtor) steht im Archäologischen Park in Xanten.  © Oliver Berg/dpa

"Wie an einer Perlenkette reihten sich zahlreiche Kastelle, Wachttürme und Legionslager an dieser Flussgrenze auf", schilderte Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU).

Reiter, Fußsoldaten und eine Flotte auf dem Rhein waren stationiert. Zwischen Kleve und Bonn sind 19 Kommunen mit archäologischen Spuren aus der Römerzeit beteiligt.

Die meisten Stätten sind schon als Bodendenkmäler eingetragen - darunter etwa der Palast des militärischen Statthalters in Köln und die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana bei Xanten.

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Die Vorbereitungen laufen seit vielen Jahren. Im Januar 2020 wurde der Antrag in Paris eingereicht bei der Unesco, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.

In vergangenen Herbst war ein Gutachter vor Ort, um sich ein Bild zu machen.

Falls der Niedergermanische Limes anerkannt wird, wäre dies das sechste Unesco-Welterbe für NRW.

Aufgenommen sind bereits der Aachener Dom (1978), die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl bei Köln (1984), der Kölner Dom (1996), die Zeche Zollverein in Essen (2001) und Schloss Corvey in Höxter (2014).

Varusschlacht: Als die Germanen die Römer schlugen

Besucher besichtigen das Amphitheater im Archäologischen Park in Xanten.
Besucher besichtigen das Amphitheater im Archäologischen Park in Xanten.  © Oliver Berg/dpa

Mit dem "Nassen Limes" würde die Lücke geschlossen zwischen dem bereits geschützten Obergermanisch-Raetischen Limes bei Rheinbrohl südlich von Bonn und den antiken Grenzwällen in Großbritannien.

Im Jahr 9 wurde in der Varusschlacht eine römische Streitmacht von 20.000 Mann von den Germanen vernichtend geschlagen.

Die Römer blieben dann im Wesentlichen am linksrheinischen Ufer des Rheins. Dort finden sich viele archäologische Fundplätze mit militärischem Bezug aus der Römerzeit, etwa in den damaligen großen Ansiedlungen Bonn, Köln und Xanten.

Auch weniger bekannte Orte gehören dazu wie ein Abschnitt der Limesstraße bei Kleve, Kalköfen für Baumaterial in Bad Münstereifel oder in Kalkar ein Heiligtum für eine germanische Kriegsgöttin, die beim Militär in Niedergermanien beliebt war.

Eine Aufnahme des Limes ins Welterbe sei in kultureller und touristischer Hinsicht sehr bedeutend, hatte Ministerin Scharrenbach zu Beginn der Bewerbung erklärt.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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