Was macht eigentlich ein...? Acht nicht ganz alltägliche Berufe

Es gibt Jobs die gar nicht so bekannt sind, aber dafür nicht weniger spannend sind.
Es gibt Jobs die gar nicht so bekannt sind, aber dafür nicht weniger spannend sind.

Deutschland - Nicht jeder von uns arbeitet in Allerweltsberufen. Aber was machen denn „Beamten der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung“ oder „Regionale Tourismusmanager“ den lieben langen Tag?

Es gibt Berufe, die verraten auf den ersten Blick, was diejenigen, die ihn ausüben, machen – der Hörgeräteakustiker etwa, einer der Trendberufe dieses Jahres. Da weiß einfach jedes Kind, dass der mit Hörhilfen und deren Anpassung an Kunden zu tun hat. Aber es gibt wiederum Berufe, die sagen einem, obwohl der Begriff nicht kryptisch klingt, so gar nichts.

Ist ein „Drahtzieher“ eine Schattengestalt mit Kontakten zur Unterwelt? Vermutlich eher nicht. Und weil es viele solcher Berufe gibt, hat TAG24 sich acht herausgesucht, die besonders interessant klingen.

1. Beamter der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung

Nein, hinter dem Begriff Aufklärung verbergen sich in diesem Fall keine staatlich bestellten Personen, die mit Unwissen hinter Schlafzimmertüren aufräumen. Viel mehr ist dieser Berufszweig schon ziemlich dicht an James Bond.

Denn die Beamten der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung sind Fachleute dafür, alles, was auf den Ätherwellen herumschwirrt, aufzufangen, zu entschlüsseln und zu analysieren – mit dem Zweck, der dahinterstehenden staatlichen Behörde ein genaues Lagebild zu übermitteln. Es geht also um Funksignale, Handykontakte, Radaraufnahmen.

Es sind die Personen, die zu jedem Spionagethriller dazugehören und dem Held den Standort des Bösewichts durch Lokalisierung dessen Telefonate mitteilen können.

Dazu sind die Beamten der Fernmelde- und Elektronischen Ausbildung absolute Experten auf dem großen Gebiet der Elektronik. Und, es gibt in Deutschland nur zwei Arbeitgeber: Der Bundesnachrichtendienst und die Bundeswehr.

Nicht jeder regionale Tourismusmanager hat einen schweren Job. Manche Ort sind schon von selbst echte Besuchermagneten.
Nicht jeder regionale Tourismusmanager hat einen schweren Job. Manche Ort sind schon von selbst echte Besuchermagneten.

2. Regionaler Tourismusmanager

Köln hat einen. Garmisch-Partenkirchen auch. Und daneben wohl so ziemlich jede Gemeinde, die in Menschen aus aller Welt für sich begeistern möchte, der regionale Tourismusmanager. Ein interessanter Beruf, bei dem man zwischen mehreren Stühlen sitzt und eigentlich schwervereinbare Dinge vereinbaren muss.

Der Tourismusmanager muss sowohl ein Marketingmensch sein, um Gemeinde oder Region richtig zu bewerben. Allerdings muss er auch enormen touristischen Sachverstand besitzen und zudem auch viel über Betriebswirtschaftslehre wissen.

Dieses Know-How muss er nutzen, um die Schritte, die einen Ort attraktiv für Touristen machen, umzusetzen – dabei aber darf er natürlich die Bewohner nicht vergessen, die vielleicht keine Touristenmassen wollen und die örtlichen Gewerbetreibenden, die genau das Gegenteil wünschen. Ein schwerer Job, für den es aber auch einen eigenen Studiengang, Tourismusmanagement, gibt.

3. Destillateur

Von allen Berufen in dieser Liste dürfte Destillateur der mit Abstand gehaltvollste Beruf sein – und zwar wirklich im wahrsten Sinne. Denn Destillateure sind die „hochprozentigen“ Kollegen des Bierbrauers. Ihr Job ist es, alles, was durch Vergärung und anschließendes Erhitzen zu Spirituosen gemacht werden kann, herzustellen, die notwendigen Maschinen zu bedienen, die Rohstoffe auszuwählen und sie zu mischen.

Dazu arbeiten die Destillateure entweder bei den industriellen Großherstellern oder aber sie machen eine Zusatzausbildung zum Destillateurmeister und verlegen sich auf das Herstellen regelrechter „Craft-Schnäpse“ in Eigenregie. Wenn man bedenkt, dass manche dieser Drinks so wertvoll sind, dass sie sogar begehrtes Diebesgut werden, ein durchaus lukrativer Beruf.

4. Präparationstechnischer Assistent

Die meisten Leser dürften die Arbeit eines Präparationstechnischen Assistenten schon gesehen, vielleicht bewundert, vielleicht auch mit Schaudern erlebt haben. Wahrscheinlich im Biologie-Unterricht. Denn das Ergebnis der Arbeit des Präparationstechnischen Assistenten sind eben… Präparate.

Auf gut Deutsch also ausgestopfte Lebewesen. In den meisten Fällen Tiere – entweder für den Privatbesitz oder als Lehr- und Anschauungsmaterial. Doch lebensecht anmutende Vögel und Co. sind nur ein Teilaspekt dieses Berufs. Ein weiterer ist die Humanmedizin. Zwar werden seltener ganze Menschen präpariert, dafür aber Organe, Mutationen, Fehlbildungen – etwa um in der Schulung von Medizinern, dem Erstellen von Lehrbüchern usw. Einsatz zu finden.

Daneben gibt es aber auch Präparationstechnische Assistenten, die in der Rechtsmedizin arbeiten. Die Fachleute helfen nicht nur bei der Obduktion und dem Finden von Todesursachen, sondern stellen hinterher durch ihr Können sicher, dass der Obduzierte möglichst lebensecht wiederhergestellt wird.

5. Okularist

Oculus – das ist lateinisch für Auge. Schon eine Idee, was ein Okularist macht? Zugegeben: Heute gibt es wesentlich weniger davon, als beispielsweise in den 1950ern. Aber das ist dem glücklichen Zustand zu verdanken, dass es heute weniger Kundschaft gibt. Denn Okularisten fertigen Augenprothesen – Glasaugen.

Und der Grund, warum es heute nicht mehr so viele Kunden gibt: Damals war der Bedarf aufgrund des gerade erst beendeten Weltkriegs mit entsprechend vielen Augenverletzungen enorm hoch. Heute gibt es keine hundert Okularisten in Deutschland mehr – doch weil es nach wie vor Unfälle gibt, haben sie genug zu tun.

Und das, was sie tun, verdient zweifelsohne den Titel Kunsthandwerk. Denn nicht nur jedes Auge ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck, sondern auch keine Augenhöhle gleicht der anderen.

An jedem Patienten muss neu ausgemessen werden, muss praktisch bei Null begonnen werden, muss ein Glasrohling in Form gebracht, müssen sämtliche Details des Auges in feinstem farbigem Glas widergegeben werden – und trotzdem hält eine solche Prothese gerade mal ein Jahr. Doch für Betroffene ist das Werk des Okularisten in Glas geformte Lebensqualität.

Zum Job der Doula gehört es auch, in den Wochen vor der Geburt die Anstrengungen der Mutter etwas zu lindern - etwa durch Massagen.
Zum Job der Doula gehört es auch, in den Wochen vor der Geburt die Anstrengungen der Mutter etwas zu lindern - etwa durch Massagen.

6. Doula

Eigentlich sollte man glauben, dass der Beruf der Doula so alt ist, wie die Menschheit selbst. Tatsächlich jedoch gibt es aktuell nur sehr wenige Menschen, die diesen Beruf anbieten, der wohl zu den anstrengendsten, aber auch glücklichsten der Welt gehört.

Denn Doulas (das Wort kommt aus dem griechischen für „Magd“) sind professionelle Geburtsbegleiterinnen – zwar steht der Job beiden Geschlechtern offen, männliche Doulas sind der Redaktion jedoch nicht bekannt.

Die Doula steht der werdenden Mutter während jeder Phase der Geburt als eine Art emotionale Stütze zur Seite. Sie bereitet sie auf den gesamten Ablauf vor, hilft ihr durch schmerzhafte Momente hindurch, spendet Trost oder feuert auch mal an. Und sie steht auch in den ersten Tagen nach der Geburt noch vollumfänglich mit ihrem Wissen zur Verfügung.

7. Drahtzieher

Es ist der einzige Beruf dieser Liste, der auch Einzug in die Welt der Sprichwörter fand. Und er gehört zu den aussterbenden Berufen, denn seit nunmehr fünf Jahren existiert er nicht mehr als eigenständiger Lehrberuf hierzulande. Der Drahtzieher macht genau das – er zieht Draht. Nicht aus alten Gebäuden, sondern aus metallischen Rohmaterialien. Das führt er heute in spezielle Maschinen ein, die er einstellt, bedient und wartet. Diese wiederum sorgen dafür, dass aus einer einzigen, fingerdicken Kupferstange bis zu mehrere hundert Meter feinster Draht werden. Etwa, um in Kabeln Verwendung zu finden.

Heute wie erwähnt gibt es den Ausbildungsberuf nicht mehr. Er wurde 2013 zusammen mit einer Menge anderer, nicht minder exotisch klingender Berufe aus dem Metallhandwerk, etwa dem Revolverdreher, zur „Fachkraft für Metalltechnik“ zusammengefasst.

8. Parfumeur

Es gibt Berufe, die nicht jedem offenstehen. Und beim Parfumeur, beziehungsweise der weiblichen Parfumeuse sind das enorm viele Menschen. Raucher beispielsweise. Aber auch alle, die an irgendwelchen Pollen- und/oder Blütenallergien leiden. Kein Wunder, denn der Parfumeur braucht die absolute Aufmerksamkeit seiner Riechorgane – sein Job ist es, Parfums oder andere wohlriechende Dinge zu kreieren.

Allerdings: Mit dem einfachen Zusammenschütten von „ein Teil Maiglöckchen auf neun Teile Rosen“ hat das nichts zu tun. Parfumeur ist ein hochwissenschaftlicher Job, bei dem es um verschiedene Noten eines Geruchs ebenso geht, wie die Wechselwirkungen mehrerer Düfte miteinander (Wohlgeruch plus Wohlgeruch ergibt nicht zwingend einen doppelt tollen Geruch).

Und: Weil der Kreis potenzieller Parfumeure so erlaucht ist, gibt es keine weltweit geregelte Ausbildung. Lediglich eine Handvoll sehr erlesener Privatschulen – natürlich im Heimatland der Düfte, in Frankreich.

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