Bald sollen selbstfahrende Taxis durch Dresden rollen

Christian Müller (35, li.) von der Casonex GmbH mit Professor Toralf Trautmann 
(49) zeigen die Technik für einen automatisierten BMW i3.
Christian Müller (35, li.) von der Casonex GmbH mit Professor Toralf Trautmann (49) zeigen die Technik für einen automatisierten BMW i3.  © Petra Hornig

Dresden - Der Traum vom automatisierten Autofahren rückt immer näher. Wissenschaftler der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) haben jetzt eine neue abgesperrte Teststrecke in der Südvorstadt in Betrieb genommen.

Auf dem etwa 70 mal 50 Meter großen Asphalt-Rund testen sie Assistenzsysteme in der Praxis. Eine Vision: Komplett selbstfahrende Taxis mitten in Dresden.

Beim Autofahren Zeitung lesen, den Kindern die heruntergefallenen Süßigkeiten vom Boden aufheben oder einfach entspannt ein Nickerchen machen: Bislang enden diese Aktionen im Auto schnell mit einem Unfall.

Professor Toralf Trautmann (49) von der HTW Dresden leitet Tests, die das Autofahren sicherer und angenehmer machen sollen, ganz ohne Griff ins Lenkrad.





Mit diesem BMW i3 testen die Forscher unter anderem 
Fahrerassistenzsysteme.
Mit diesem BMW i3 testen die Forscher unter anderem Fahrerassistenzsysteme.

„Wir testen und erforschen auf dieser Strecke das automatisierte und vernetzte Fahren“, erklärt er.

Seine Mitarbeiter haben dafür elektrische BMW i3 mit Sensoren, 360-Grad-Laserscannern und Messtechnik ausgerüstet. Per Netzwerk tauschen die Autos sogar Fahrinformationen untereinander aus. „Damit düsen wir auch auf öffentlichen Straßen in Dresden umher, der BMW bremst und beschleunigt komplett selbst, hält den korrekten Abstand ein.“

Keine Sorge, ein Fahrer sitzt immer brems- und griffbereit am Steuer. Die selbstständige Lenkung soll der nächste Schritt der Tests sein. Ein Problem für die Zukunftstechnik: „Für serienreifes automatisiertes Fahren benötigen wir Milliarden an Testkilometern“, so Trautmann, der mit seinem Team dafür Teststände entwickelt.

Seine Vision für Dresden: „In wenigen Jahren könnten selbstfahrende Taxis Wissenschaftler vom Bahnhof zu einem Gästehaus der Universität bringen.“

Selbst ist der Fahrer

TAG24-Redakteur Dominik Brüggemann (l.) greift aktuell noch lieber selbst zum Steuer.
TAG24-Redakteur Dominik Brüggemann (l.) greift aktuell noch lieber selbst zum Steuer.  © Petra Hornig

Ein Kommentar von Dominik Brüggemann

Auf dem Feld und weiter Flur spuren Traktoren und Mähdrescher längst nahezu selbstfahrend, gelenkt von GPS-Satelliten und Sensoren. Für Landwirte zahlt sich die teure Sensorik aus, sinkt doch der Spritverbrauch, landen mehr geerntete Körner im Speicher.

Doch im rasenden Straßenverkehr ist der Weg bis zum automatisierten oder fahrerlosen Autofahren noch weit: Klar, die vollautomatische Einparkhilfe schiebt mich schon jetzt elegant in jede Lücke. Aber bei Tempo 50 im Stadtverkehr können die Autos die Kontrolle noch nicht komplett übernehmen.

Zu groß ist bislang die Fehleranfälligkeit, zu tödlich sind die Konsequenzen einer falschen Computerentscheidung. Das plötzlich auf die Straße springende Kind kann und wird kein Sensor schnell genug erkennen.

Noch stehen zu viele Fragezeichen vor der notwendigen Sicherheit: Was, wenn das Handynetz plötzlich wie vergangene Woche ausfällt? Was, wenn Hacker in die Datenströme eingreifen? Genügen zwei unterschiedliche Sensoren, die das gleiche Messen? Oder ist ein drittes Netz statt dem doppelten Boden notwendig?

Bis diese Fragen geklärt sind, greife ich lieber selbst zum Steuer.

Verkehrsexperte Kühn warnt vor den Risiken





Stephan Kühn (37, Grüne) hält die Technik noch nicht für ausgereift.
Stephan Kühn (37, Grüne) hält die Technik noch nicht für ausgereift.

Das automatisierte Fahren oder gar fahrerlose Fahren bietet Chancen und Risiken.

Stephan Kühn (37, Grüne) verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sagt dazu: „Neben mehr Verkehrssicherheit ist die zweite Hoffnung, dass der Straßenverkehr dank autonomer Fahrzeuge umweltfreundlicher wird, da mit weniger Staus zu rechnen ist.“

Bislang fehle allerdings der Beweis, dass die Technik besser sei als der Mensch. Bei Tesla gab’s bereits einen tödlichen Unfall. Marktreife autonome Fahrzeuge im Jahr 2020 hält er für unrealistisch.

Eine offene Frage sieht er auch im Datenschutz. „Hier gilt es, Verbraucher zu schützen - insbesondere davor, dass Daten in die falschen Hände gelangen.“

Als Chance sieht er autonome Mini-Busse in Dresdner Randgebieten. „Der ÖPNV muss deshalb unbedingt in das Testfeld einbezogen werden“, so Kühn.

In vier Stufen zum großen Ziel

Autonom ist nicht gleich autonom. Vier Automatisierungsstufen gelten aktuell:

  • teilautomatisiertes Fahren: Der Fahrer muss das Auto dauerhaft überwachen und jederzeit von Assistenzsystem übernehmen können.
  • hochautomatisiertes Fahren: Der Fahrer muss nicht permanent aufpassen. Die Technik warnt den Fahrer aber rechtzeitig, wenn er eingreifen muss.
  • vollautomatisiertes Fahren: Der Fahrer muss das System nicht überwachen. Das System ist während der gesamten Fahrt in der Lage, einen „risikominimalen“ Zustand herzustellen. Dennoch gilt: Die Verantwortung liegt in jeder Situation beim Fahrer.
  • autonomes Fahren: Das System übernimmt das Fahrzeug vollständig vom Start bis zum Ziel. Ein Fahrer in Bereitschaft ist nicht notwendig.

Titelfoto: Petra Hornig


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